Es ist schon eine Farce. Auf der einen Seite muss jeder Bürger mit Fernsehen, Computer und Handy GEZ-Gebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender zahlen. Auf der anderen Seite beschneidet die letzte Änderung des Rundfunkstaatsvertrags die Sender von ARD und ZDF aber vor allem im Internet in einem bisher nicht bekannten Ausmaß. Sendungen dürfen nur 7 Tage im Netz vorgehalten werden, Serviceangebote müssen beschnitten werden und gewisse Angebote dürfen nur für bestimmte Zeiträume im Netz verweilen. Größter Treiber hin zum vom Gebührenzahler bezahlten, aber nicht abrufbaren Inhaltsangebot, sind die Verlage bzw. deren Verbände – sowohl auf europäischer, als auch auf deutscher Ebene. Die Lobby der Verleger stemmt sich gegen die Ausbreitung der Öffentlich-Rechtlichen ins Netz, denn – so das Argument – dadurch würden den privaten Verlagen im Netz Reichweite und Umsätze abgegraben.
Nun haben u.a. WDR.de und tagesschau.de ihre Internet-Angebote massiv zusammengestrichen und gelöscht – eine Aktion, die bei Informationsangeboten im deutschsprachigen Netz wohl ohne gleichen ist. Nachdem nun die Gremien des vorgeschriebenen Drei-Stufen-Tests die ÖR-Netzangebote in ihrer geschmälerten Form durchgewunken haben, wittern die Verlage “Vetternwirtschaft”: Viel zu unkritisch seien die Web-Angebote abgenommen und genehmigt worden schimpfen Dietmar Wolff, BDZV und Hubert Burda, VDZ.
Damit geht ein Kampf in die nächste Runde, der mit dem Umbau der GEZ noch schärfer werden dürfte: Wenn jeder Bundesbürger statt eine Gerätepauschale für Rundfunk-Empfang eine Kopfpauschale für die Vierte Macht im Staat zahlen muss, hat jeder auch das Recht auf Information – egal ob im Fernsehen oder im Netz.
Übrigens: Springer hat von Januar bis Juni ein Ergebnis vor Steuern von 261,2 Mio Euro erwirtschaftet – 61% mehr als im Vorjahr. Thomas Knüwer hat vor ein paar Tagen mal zusammengetragen, welchen Gewinn die Online-Ableger diverser Zeitungen machen.