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Zielgruppenschärfung: Kinder an die Macht

kind_pc.jpgNach Senioren und Frauen optimieren Medienmacher ihre Angebote nun auf Kinder. Zwei Beilagen buhlen um die Gunst der Zeitungsverlage, ein Radiosender macht Programm nur für Kinder und die dpa baut einen eigenständigen Dienst für Kinder auf. Eine kurze Übersicht, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

„Je jünger Zeitungsleser sind, desto besser“, formuliert Jürgen Fastbinder. Der Inhaber einer Werbeagentur gibt seit Oktober in Zusammenarbeit mit dem Verband deutscher Lokalzeitungen Berlin die monatliche „Kinder-Zeitung“ heraus. Ein 16-seitiger Beileger im kleinen Tabloidformat. Grundgedanke für die Entwicklung war, „auch zukünftig den Zeitungen die Abonnenten zu sichern. Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach hat gezeigt, dass Kinder, die sich mit Zeitungen beschäftigen, später zu regelmäßigen Lesern und Abonnenten werden“, so der Agenturchef. Um die junge Zielgruppe an eine Zeitung heranzuführen, benutze er Kindersprache. „Wir interviewen Experten und drücken Alltagsthemen so aus, dass Kinder von sechs bis zwölf Jahren das verstehen“, sagt er. Thematisiert werde alles von Natur bis Computer. Dazu gibt es einen Lokalteil, der vom Verlag selbst gefüllt werden müsse. Bislang würden sich nur wenige Zeitungen beteiligen.

An Kinder von acht bis zwölf Jahren richtet sich die politische Kindernachrichtenseite „Klaro Safaro“. Judith Roth und ihre Kindermedienagentur geben diese heraus. Einmal pro Woche, immer samstags, soll diese Seite den Tageszeitungen beiliegen. „Wir bereiten alle aktuellen Themen von Gesundheitsreform über Mehrwertsteuer bis zum Nahost-Konflikt verständlich auf“, sagt die Bremerin. Ziel ist es auch hier, das Zeitungslesen zu fördern. „Jugendlichen fehlt heute die Fähigkeit, mit einer Zeitung umzugehen. Wo finden sie was, wie sind Artikel aufgebaut und so weiter. Das wollen wir frühzeitig ändern“, so Judith Roth. Derzeit würden diverse Verkaufsgespräche mit Verlagen laufen.

Ab April nächsten Jahres wird die Deutsche Presse-Agentur (dpa) einen eigenständigen Dienst „Nachrichten für Kinder“ anbieten. (Medienrauschen berichtete) „Wir wollen die Neugier und den Wissensdurst von sechs- bis zehnjährigen Kindern ansprechen und ihnen das Geschehen in Deutschland und der Welt verständlich machen“, so Chefredakteur Wilm Herlyn. Texte, Fotos, Grafiken werden ergänzt durch Animationen und Podcasts im Internet. Eine eigene Redaktion wird vorhandene Nachrichten aus dem weltweiten dpa-Netz auswählen und speziell für Kinder aufbereiten.

Ebenfalls auf Erklärung setzt Radio Teddy. Der Sender funkt in Berlin-Brandenburg, im Kabel und über Astra. „Wir senden für die drei- bis elfjährigen und das erwachsene Umfeld wie Eltern, Lehrer, Erzieher und so weiter“, erklärt Geschäftsführer und Programmchef Uwe Schneider. „Teddy schildert Zusammenhänge ohne den pädagogischen Zeigefinger hochzuhalten. Wir wollen eher der große Bruder unserer kleinen Zuhörer sein“, sagt Schneider. Umgesetzt wird das mit Magazin- und Schwerpunktsendungen. Morgens und abends gibt es den „Zahnputzhit“. Drei Minuten Musik sind das, die den Kindern akustisch vermitteln soll, wie lange sie putzen müssen. Danach richtet sich Radio Teddy an die Eltern. Zum Geld verdienen reicht die Idee allerdings noch nicht. „Wir rechnen damit, im nächsten Jahr schwarze Zahlen zu schreiben.“

Foto: gerwin.enders/photocase.com

Trackbacks

  1. Daniel Große, freier Journalist Leipzig: Texte, Fotos, Gedanken » Kinder an die Medien
    05.01.2007, 10:20 Uhr

Kommentare

  1. Vom WDR gibt es wohl auch ein (Web-)Radio:
    http://www.wdr.de/radio/radiohome/aktionen6/

    medienrauschen, Thomas Gigold
    30.12.2006, 23:58 Uhr, #
  2. Ja, es gibt auch Radijojo. http://www.radijojo.de/ Aber eben auch nur im Netz. Und das WDR-Ding ist ein Experiment, wobei Teddy versucht, wirklich Geld zu verdienen.

    Daniel Große
    31.12.2006, 11:44 Uhr, #
  3. Also das mit den täglichen Nachrichten für Kids ist ja nun wirklich ein alter Hut. Seit 2000 gab es tägliche Nachrichten auf dem Kinderportal von Volkswagen, bei Sowieso.de und dann auch von den öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten.

    Die Zielgruppe ist schon lange erschlossen und nicht nur dank ehapa sondern auch wegen so hervorragender Projekte wie zzzebra.de

    Wen es interessiert, der nehme http://www.seitenstark.de als Spungstelle ;-)

    Olaf
    05.01.2007, 22:40 Uhr, #

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Autor Daniel Große

Datum 30.12.2006, 20:50

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