Facebook & Unternehmen: Wenn Deine Fans nicht Dir gehören.
Traumjob “Spieledrehbuchschreiber”?
“… ist in einer Beziehung” – die Welt und ihr Abbild im Netz
“Die können nicht einfach mein Haus ins Internet stellen!”
Deutschland jagt einen Mann

Williams vs. Blunt: Henne. Hahn.

Vor der Robbie Williams-Show – nein, lasst uns nicht drüber reden – lief auf den zwei Großbildleinwänden neben der Bühne ein Musikvideo, das aus Teilen bekannter Rocksongs zusammengeschnitten war, die sich überlagerten, vermischten, duellierten und dabei einen gekonnten Hall-of-Fame-Brei bildeten. Das Prinzip kennt man doch aus mp3-Tauschbörsen, in denen Tracks von Britney und der Aguilera so kombiniert werden, dass es wie Shakira oder J-Los Hinterteil klingt – teilweise durchaus gekonnt. Das Video auf Robbies Screen war weit mehr als gekonnt, es war.. klasse. Wer hätte gedacht, dass AC/DCs Back in Black so wunderbar mit Queens We will rock you kopulieren mag, während Jimmy Page und seine Gitarre dabei zugucken? Es waren noch viele weitere Künstler beteiligt, unterm Strich also eine audiovisuelle Orgie auf höchstem Niveau.

Dann kam Robbie, und weite Teile der Show habe ich mit dem Gedanken verbracht, was eigentlich aus AC/DC geworden ist.
Man munkelt, sie spielten kaum noch live, weil es um Brian Johnsons Stimme inzwischen nicht mehr allzu gut bestellt sei (Pressatmung und Zigarettenkonsum). Zudem hat sich Angus Young ein Bein gebrochen und wird einige Zeit brauchen, um wieder das tun zu können, was er laufen nennt. Fans befürchten, dass das fortschreitende Alter die Band langsam dahin riff rafft

Since they all have Emphysema now or cancer I think they should just do a mini tour and call it a day. [..] Get out do a few dates give the fans what they want and retire.
- AC/DC Forum

und hoffen auf ein gloreiches letztes Studioalbum, dessen Release noch für dieses Jahr angekündigt war, jedoch immer unwahrscheinlicher wird.

No wonder these bastards aren’t putting out a new album. They’re all about to DIE!
- AC/DC Forum

Jammerschade. For those about to rock, we salute you!

Ach, und wo wir gerade so tief im Thema stecken, lasst uns noch kurz über James Blunt reden. Blunt, kennt ihr doch. Jeder kennt ihn. Sein Debutalbum Back to Bedlam hatte gefühlte 80 Prozent Singleauskopplungen, allsamt penetrant genug, um die Welt zu erobern. Das ging so weit, dass man an manchen Stellen sogar über ein Radioverbot nachdachte, um gereizte Stammhörer von längst verhärteten Geschmacksmustern zu befreien. Klar, das ist lächerlich, und niemand käme auf die Idee, die Simpsons zu verbieten, nur weil sie verdammte Quotensäue sind.

Herr Blunt performte vor nicht allzu langer Zeit in der Fußballplastikarena vorm Reichstag, die ein großer Sportartikelhersteller temporär dorthin planiert hatte, und mir wurde schnell klar: der – Blunt, nicht Sportartikelhersteller – ist harmlos, der will nur spielen. Dafür gab es drei Anzeichen: 1. das Publikum, das in ähnlicher Formation im Phantasialand oder in Abenteuer-Großfamilie-Dokus auftritt (tattoofreie Nichtraucher mit ausgeprägtem Sozialverhalten – die Eltern mal ausgenommen), 2. die multiplen und brechcharmanten Aufforderungen der anwesenden Radiomoderatoren, vor der Show “noch in Ruhe einen Hamburger” beim großen M zu essen, und 3. die kurze Latenzzeit zwischen Licht-aus und Lied-an, die Bands wie die Stones oder AC/DC auf gespannte Minuten strecken, während Blunt unverhofft auf der Bühne stand, noch bevor der Dummer platzgenommen hatte.
Sympathisch, und harmlos.

Die Show: dezenter Bühnenaufbau, ein bisschen Licht. Gerade so, als hätte man Pink Floyd mit einem Bulli losgeschickt. Ich mag sowas. Auch das Minimalistenschlagzeug mit dickem Basswums und den wenigen Kleinteilen, die sie geschickt um den Schemel drapiert hatten. Reduziert aufs Wesentliche. Und verdammt: erstaunlich, wie brilliant der Kerl – Blunt – live klingt. Das markante Flirren in den Höhen seiner Stimme..

James sollte einsehen, dass der Overdrive, die Partina in der Stimme von Bono etwas ist, das über viele Jahre gewachsen ist.
- iTMS-Benutzerrezension zu High

.., das vermutlich zum oben genannten Radioverbot beigetragen hat, wurde mit Unterstützung der Tontechniker nachhaltig durch den Raum gedrückt. Ohne Pressatmung.

Wer jetzt mal die Augen schließt, erkennt vielleicht einen Unterschied. Hier unten bleibt es intensiv, steigert sich sogar, während es oben bei Robbie plötzlich dumpf wird. Was dort bleibt, sind zwei Großbildleinwände, deren Verblendung auf der Netzhaut langsam verblasst.
Niemeyer, übernehmen Sie!

Mehr Henne und Hahn oder neue Popstars
vielleicht schon noch in diesem Jahr.

Trackbacks

  1. Top 5 » Diar[y|rhö] - Nachlese
    04.08.2006, 12:40 Uhr

Kommentare

  1. Die Musikrichtung bei der man zwei Stücke übereinander legt nennt sich Bastardpop, die bekannteste Seite dazu war wohl http://bastardpop.co.uk womit auch klar sein dürfte woher diese Musikrichtung kam. Leider gibt es diese Seite anscheinend niht mehr. Dort fand man eigentlich alles was es an Bastardpop gab.

    Jan
    30.07.2006, 12:51 Uhr, #
  2. Das war wohl Go Home Productions, Rock in Black.
    http://www.gohomeproductions.co.uk/releases.html
    Legales Sample:
    http://www.gohomeproductions.co.uk/audio/ghp_1sample.mp3

    Anderes GHP-Video (Sly Beyonce Walks Like A Nerd):
    http://youtube.com/watch?v=yozZo64xmFU

    Alexander
    30.07.2006, 13:38 Uhr, #
  3. Jan, danke für die Info! Das Wort Bastardpop gefällt mir.

    Alexander, perfekt, genau das Lied/Video war’s.

    Dirk Schürjohann
    30.07.2006, 13:55 Uhr, #
  4. Und ich dachte bei Web zwo punkt null heisst sowas mashups…

    Armin
    30.07.2006, 16:28 Uhr, #
  5. Es könnte auch bootleg heißen.. so wie im neuen Stammforum gybo.org. Da gibts massenweise, auch einiges gutes. :)

    Obwohl, bootlegs hielt ich auch bis neulich für unauthorisierte Live-Aufnahmen einer Band.

    Carsten
    30.07.2006, 16:48 Uhr, #
  6. Großartige Informationen und sehr schönes Layout…weiter so…kann man nur weiterempfehlen

    Dirk Karl Maßat
    01.08.2006, 01:28 Uhr, #
  7. Hallo,
    könnt ihr mir mitteilen ob man irgendwie an den Mix aus Queen, Ac/DC vom Robbie Williams Konzert rankommt?

    manuel reheis
    18.08.2006, 16:39 Uhr, #
  8. ich wäre auch sehr daran interessiert an diesen Mix zu kommen. habe schon “alles” versucht, aber der “esel”
    findet nix.

    Michael
    20.08.2006, 10:24 Uhr, #
  9. war am r.w. konzert und auch voi weg von der ac/dc/quenn nummer… wo bekommt man die bitte?

    lg
    joe

    joe
    22.08.2006, 20:44 Uhr, #
  10. bei itunes finde ich keine gohomeproductions. Wo bekommt man denn mp3 von denen? vorallem von rock in black

    lg franz

    Franz
    14.12.2006, 16:59 Uhr, #
  11. Das Wort Bastardpop was ist das genau??
    habe ich nicht verstanden.
    cul8er
    hainz

    Heinz
    06.04.2007, 08:54 Uhr, #
  12. Das Ding (Rock in Black) gibt’s momentan nur auf Vinyl und in England…

    Wolfi
    25.05.2007, 13:50 Uhr, #
  13. Sehr gelungene und informative Homepage! Wirklich empfehlenswert. Viel Erfolg weiterhin!

    Bernhard Heß
    31.07.2007, 14:45 Uhr, #
  14. Hab’ da was gefunden, für alle Interessierten:

    http://www.gohomeproductions.co.uk/mp3.html

    LG, Deck

    Deck
    03.09.2007, 17:27 Uhr, #

Kommentar verfassen

Bitte an die Netiquette halten. Name und E-Mail sind Pflichtangaben,
E-Mail wird nicht veröffentlicht

Autor Dirk Schürjohann

Datum 30.07.2006, 11:31

Tags

Share  auf Facebook teilen via twitter teilen auf delicious.com speichern

medienrauschen.de ist eine Veröffentlichung der medienrauschen UG (haftungsbeschränkt), medienrauschen.com
2004-2010, Alle Rechte vorbehalten. Die Rechte der einzelnen Einträge liegen bei den jeweiligen Autoren.
Datenschutzrichtlinien. Weitere Informationen: Medienrauschen, Archiv, Impressum, Kontakt