Nachfolgender Artikel erschien auch in ähnlicher Form am 23.12. in der Leipziger Volkszeitung.
Radiohörer kennen die Stars ihrer Lieblingssender. Reginald Aubrey Fessenden dürfte kaum dazu gehören. Dabei war es doch der Kanadier, der als Rundfunkpionier in die Geschichte einging. Vor 100 Jahren, am Heiligabend 1906, übertrug der damals 40-Jährige die erste Radiosendung über Langwelle: eine kurze Erklärung, die man heute wohl Moderation nennen würde, Händels Stück „Largo“ wurde vom Grammophon gespielt. Danach trug Fessenden „Stille Nacht, heilige Nacht“ von seiner Violine vor. Danach sollte ursprünglich seine Frau Helen die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium vorlesen. Doch sie war zu aufgeregt. Auch Fessendens Assistent bekam kein Wort heraus, so dass der Erfinder abermals selbst tätig werden musste.
Was Fessenden an jenem Abend in seiner etwa viertelstündigen Sendung über den Äther schickte, erstaunte seine Hörer. Und das waren nicht wenige. Fischer an der Ostküste, die Weihnachten auf See verbrachten, rissen sich verwundert die Kopfhörer runter, hörten sie doch bislang nur Morsesignale über ihre Funkgeräte.
Mit der ersten Radiosendung nahm eine internationale Erfolgsgeschichte ihren Lauf. Um 1915 entstanden in den USA erste Pläne für kommerzielle Rundfunkprogramme. Fünf Jahre später nahm der erste Sender seinen regelmäßigen Betrieb auf, begann mit der Liveübertragung der Ergebnisse der Präsidentenwahlen. Im Oktober 1923 wurde die erste Radiounterhaltungssendung Deutschlands aus dem Berliner Vox-Haus übertragen. Bereits ein Jahr später wurde die erste Funkausstellung veranstaltet. Meilensteine waren der Umstieg auf UKW und der Beginn des dualen Systems mit öffentlich-rechtlichem und privatem Radio.
Heute ist Radio ein Massenmedium. Laut der Radiozentrale, einem Zusammenschluss privater und öffentlich-rechtlicher Sender, gibt es in Deutschland derzeit 265 Radioprogramme. „Knapp 80 Prozent der Bevölkerung schaltet täglich das Radio ein, bei den 30- bis 49-jährigen sind es sogar 84 Prozent“, sagt Lutz Kuckuck, Geschäftsführer der Initiative. Laut GEZ sind in Deutschland mehr als 42 Millionen Radiogeräte angemeldet. (Stand Ende 2005)
In Zeiten von Digitalisierung und zunehmender Konvergenz aller Medien spricht die Radiozentrale trotzig von den „ersten hundert Jahren“, die das Radio hinter sich hat. Von der Digitalisierung erhofft sich Kuckuck eine engere Verankerung des Mediums im Alltag. „Beispielsweise könnte es möglich sein, per Knopfdruck Details zu Musiktiteln abzurufen, oder über das Radio den Song zu kaufen. Im Auto könnte das Navigationssystem die nächste Filiale eines Supermarktes anzeigen, dessen Werbespot gerade läuft“, formuliert er die Zukunftsmusik.
Allerdings leidet Radio seit Jahren unter zurückgehender Hördauer. Hinzu kommt, dass die Werbebranche das Medium bislang nicht ausreichend berücksichtigt. Eine Gattungskampagne soll im nächsten Jahr retten, was zu retten ist. Unter dem Motto „Radio. Geht ins Ohr. Bleibt im Kopf.“ werden Funkspots ausgestrahlt sowie Anzeigen in Print- und Internetmedien geschalten.
Weitere Quellen: Axel Voss beim Rheinischen Merkur
Foto: AllzweckJack/photocase.com
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Kommentare
Hallo Daniel, ein kleine Korrektur bzgl. der ersten öffentliche Radiosendung in Deutschland. “… m Oktober 1923 wurde die erste Radiounterhaltungssendung Deutschlands aus dem Berliner Vox-Haus übertragen. …” Was so nicht ganz stimmt, denn die erste öffentliche Radiosendung in Deutschland fand am 22. Dezember 1920 mit der ersten Rundfunkübertragung eines Instrumentalkonzerts durch den posteigenen Langwellensender in Königs Wusterhausen statt. Der Funkerberg in Königs Wusterhausen gilt daher als die eigentliche Geburtsstätte des öffentlichen Rundfunks in Deutschland. Sicherlich der regelmässige Rundfunkbetrieb ging im Oktober 1923 in Berlin los, aber die erste Radiosendung in Deutschland fand auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen statt.
Passende Hyperlinks dazu: http://www.funkerberg.de/ und http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_H%C3%B6rfunks
23.12.2006, 15:30 Uhr, #
Danke Jens. Du hast recht, es gibt mehrere Auslegungen für dieses Thema. So könnte man auch Heinrich Hertz als Pionier des Rundfunks bezeichnen, da der drahtlose Rundfunk auf seiner Entdeckung der elektromagnetischen Wellen von 1886 basierte. Vielleicht hätte ich das Wort “regelmässig” noch einmal mehr verteilen sollen. :-)
Merry X-Mas!
24.12.2006, 11:30 Uhr, #
Zum Thema gab’s beim DeutschlandRadio ein kurzes Feature, hier zum Nachhören: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/marktundmedien/577161/
31.12.2006, 21:06 Uhr, #