Blogs sind nicht tot.
Sage ich ganz trotzig. Wieder und Wieder.
Und verweigere jeglicher Qualitätsdebatte über Weblogs die Existenzberechtigung.
Nicht weil ich die Realität sinkender Verlinkungsgrade, steigender twitterer und zunehmender, sterbenslangweiliger Qualitätsdebatten verleugne. Sondern weil Weblogs als persönliches Medium des Internet eine andere Relevanz haben als der SPIEGEL oder die tagesschau.
Das dies mit einer handvoll Blogs in den USA trotzdem funktioniert liegt nicht an übergroßen Anstrengungen, sondern an berühmten Autoren und einem hohen Verbreitungsgrad der englischen Sprache (Google Blogoscoped oder Smashing Magazine kommt aus Deutschland und rangiert auf Platz 46 bzw. 11 der meistverlinkten Blogs bei Technorati; nicht weil sie nur gut sondern vor allem auch, weil sie englischsprachig sind).
Auch englische Weblogs sind nicht automatisch erfolgreich – oder bleiben es. Dafür aber gibt der amerikanische Markt wesentlich mehr Verbreitungsgrad zum einen, und Web-Bekanntheiten (“Größen”) zum anderen her, als Deutschland. Das liegt an der Geschichte des Internet und an den verschiedenen Kulturen. Und nicht zuletzt an der steten Vergötterung englischer Blogs und Blogger in deutschen A-Blog-Kreisen – was Wahrnehmungen gegenüber der US-Szene zum Teil durchaus verschiebt.
Warum mehr englische “People of interest” bloggen als deutsche?
Warum sich soviel mehr Blogs in den USA mit Barack Obama und John McCain auseinander setzen, als deutsche Blogs mit Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier?
Diese Fragen sind alle leicht zu beantworten und werden ebenso wie die Forderungen nach mehr Blogs und mehr Qualität seit 2001 jährlich mindestens 2x diskutiert.
Zeit damit aufzuhören. Jetzt.
Zeit, um zu akzeptieren, dass Blogs als persönliche Medien so sind wie sie sind. Und nur, weil die immer gleichen Blogger über die fehlende Relevanz der deutschen Blogwelt jammern, auch nicht anders werden.
Hat einmal ein jemand gemerkt, dass es die BILD trotz vier Jahren BildBlogs noch immer gibt? Trotz T-Shirts, Fernsehwerbung und Relevanz. Und auch in den vielbeschworenen USA gehen Zeitungen nicht wegen der Huffington Post unter. Zeit also zu akzeptieren, dass Blogs traditionelle Medien erweitern, nicht sie irrelevant machen. In Deutschland – wo Blogger ebenso Radio machen, das Fernsehen erobern und von journalistischer Seite als das beste, mediale Selbstreferenzprodukt bezeichnet werden – erweitern Blogs traditionelle Medien also noch ein wenig mehr, als mit ihnen zu konkurrieren. Das hat nicht zuletzt mit dem Goliath Journalismus in Deutschland zu tun. Und der wird sich so schnell erst Recht nicht ändern.

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Kommentare
Guter Beitrag. Tatsächlich geht es mir nicht um die Qualitätsdebatte, sondern darum, dass wir endlich einsehen, dass die Gesamtheit der deutschen Blogs längst ein ganz anderes Gebilde als das ist, was wir täglich auf Rivva etc. ganz oben stehen sehen oder als “Blogosphäre” bezeichnen. Aber ich bin jetzt mal ruhig, denn es gibt wichtigeres als Metathemen.
22.10.2008, 22:48 Uhr, #
Sehr schöne Links im Beitrag. Goliath hin, Journalismus her – ich zumindest werde den Eindruck nicht los, dass die (deutsche) Bloggerszene zu sehr um sich selbst kreist.
Und dann twittert. Und dann wird alles noch elitärer. Und der einfache User denkt: “hä?”. Und dann ist es nicht einzusehen, weshalb er seine Aufmerksamkeit auf etwas richten soll, dass er nicht verstehen/nachvollziehen kann …
23.10.2008, 12:33 Uhr, #
als einfache, blonde userin bedanke ich mich beim blogchef! ich denke seit zwei tagen nur noch hä???? jetzt immerhin ein erleichtertes “hä?”, da es wohl auch für andere nicht ganz einfach ist hier in dieser welt durchzublicken.
zum glück hab ich urlaub und damit zeit antworten zu finden- die hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. :-)
23.10.2008, 19:50 Uhr, #
Netter Beitrag aber ebenso verwunderlich sind Menschen die andere Leute im Internet solche Dinge antun:
http://www.meine-exschlampe.com/
Das finde ich nicht okay oder was meint ihr dazu?
Jan
03.02.2009, 13:05 Uhr, #