Als Nachtrag zur Diskussion, die Dienstag hier begann und via Medienrauschen inzwischen überraschenderweise weite Teile von Klein-Bloggersdorf erreicht hat.
Ich hatte ja eigentlich befürchtet, dass man mich wegen Nestbeschmutzung einen Kopf kürzer macht, bisher halten sich die kritischen Kommentare aber in Grenzen. Ausser von Don Alphonso, der sich, warum auch immer, wohl umfassender angesprochen fühlte als er gemeint war, und mir inzwischen “Hausverbot” erteilt hat.
Doch dazu später. Erstmal meine Antwort auf den Beitrag von Max (den ich für Johnny hielt) bei Spreeblick, zusätzlich mit Links zum Nachklicken. Streckenweise vielleicht ein wenig pathetisch (ich mache nun auch nicht mehr alle Fehler raus), aber so ist das halt morgens um 5:
Eigentlich sollte ich längst schlafen und keine Blogkommentare mehr schreiben, aber ein paar Dinge würde ich gerne noch loswerden (Ich habe auch noch keinen der 50 Kommentare gelesen, sorry für eventuelle Redundanzen):
Ja, Johnny, es gibt viele Blogs, die differenzieren, ggf. auch mal nachfragen, die nicht vorschnell veröffentlichen, wohl wissend, welche Konsequenzen es haben kann.
Spreeblick ist/du bist da ein ziemliches gutes Beispiel, das ich in meinen Kommentaren zu den Rudel-Gedanken ja auch schon überstrapaziert habe.
Aber, und das sollten wir bei aller selbstreferentiellen Begeisterung nicht ignorieren: Was teilweise (auch hier [Anmerkung der Tippse: Bei Spreeblick halt]) in den Kommentaren oder ab der “2. Trackbackebene” abgeht, da draussen, auch und gerade bei den Kids, ist leider immer öfter unschön. Da eskaliert was. Immer öfter.
Du hast es ja selber schon erlebt, bei der “Du bist Deutschland”-Geschichte, wohl auch bei der Tekkan-Welle (sorry, nicht komplett verfolgt). Von der Tribüne aus vielleicht noch die Geschichte um den CSU-Spam und das CSU-Wahlbog (die hier und bei wirres.net einen ihren Auslöser hatte).
“TI vs. Moni” ist ein Sonderfall, auf den ich ursprünglich nur am Rande eingehen wollte. Die Sachlage war von Beginn an eher übersichtlich (die Art der Reaktionen daher auch, was der gezeigten Solidarität ja keinen Abruch tut), interessant fand ich die Geschichte eher aus einem anderen Aspekt (Punkt 2 unten).
Das alles ist eine Entwicklung, die wohl nicht zuletzt dem Umstand geschuldet ist, dass wir nicht mehr in der kleinen Nische bloggen, sondern gerade die A-Lister inzwischen eine recht breite Masse erreichen (Und die Stinos ihre Peergroups, was man auch nicht unterschätzen sollte).
Das ist nicht schlecht und ich will auch nicht in den Elfenbeinturm zurück, aber es bringt Probleme mit sich, denen wir uns stellen müssen.
Das mit dem “sich stellen” klingt nun klasse. De facto würde ein code of conduct (oder deine Netiquette vom letzten Jahr) aber kaum mehr als eine Hoffnung bleiben.
Die meisten da draussen interessiert es einen Sche*ssdreck, ob wir (Ja mei, wer sind wir denn überhaupt?) uns einer selbstgestrickten oder einer vom Pressecodex/den Regeln des Netzwerk Recherche abgeleiteten Selbstverpflichtung unterwerfen. Dafür ist dieses ganze Blogdings viel zu dynamisch.
Ich sehe – ganz grob – vier Problemfelder. Ohne Wertung, nur die basalen Phänomene:
- Ein A-Lister übersieht etwas, schätzt eine Situation falsch ein (“schnell gebloggt”) oder lässt sich gar instrumentalisieren.
- A-Lister wissen um die vermeintliche “Medienmacht” ihrer Blogs/Kontakte und Netzwerke und nutzen sie gezielt für Kampagnen.
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Neben den Veröffentlichung der A-Lister, die – auch wenn sie es nicht wollen oder sie gar ablehnen – schon jetzt eine Verantwortung für das haben, was sie schreiben, weil es eben schneller “explodieren” kann, gibt es da draussen noch ein paar zehntausend “Stino-Blogger”, die mit einem Flügelschlag eine Lawine auslösen können.
- Die angesprochene “Rudelbildung”, die bei obigen drei Auslösern dank Technorati & Trackbacks wie ein Katalysator / Beschleuniger wirkt.
Vielleicht noch kurz zu Hajo Friedrichs: Blogger sollen subjektiv schreiben. Gerne. Das macht Blogs interessant. Aber: Dein “no fuckin’ way” scheitert bereits an der nicht existenten Grenze zwischen Blogs und Journalismus. Und es scheitert zunehmend auch an den Rezipienten.
Es macht einen Unterschied, ob Moni über das Schicksal ihrer Bekannten berichtet, oder ob Blogger mit quasi journalistischem Anspruch arbeiten (und auch so gelesen werden), oder gar versuchen Meinung zu beeinflussen (Dass unter den deutschsprachigen A- und B-Listern viele professionelle Texter-/Meinungsmacher sind, ist ja auch eine Binse).
Sie tun es (links wie rechts), weil sie wissen, dass es funktioniert (oder es hoffen). Weil ihre Drohkulissen und Googlebomben manchmal doch wirken (Interessante Form von doppelter Asymetrie übrigens [Anmerkung der Tippse: Muss ich das erklären? Ok, kurz: Ein abmahnender Konzern steht in einem recht asymetrischen Machtverhältnis zu einer abgemahnten Privatperson. Ein "Blogger-Rudel" hingegen steht - dank Google - wiederum in einem asymetrischen Verhältnis zum eigentlichen Einfluß seiner unvernetzten Einzelpersonen]). Nicht immer, aber immer öfter.
Auch weil Blogleser entgegen aller frommen Wünsche nicht (nicht mehr/nicht mehr viel/nur noch einige) besser oder medienkompeter sind, als Zeitungsleser oder andere Mediennutzer. Und nicht zuletzt, ich wiederhole mich, weil Trackbacks und Vernetzung den Spin noch beschleunigen.
Will ich wirklich das letzte Informationsbröckchen zu einem Thema liefern? Wohl kaum, denn sonst hätte ich diesen Text hier auf tausende Flugblätter gedruckt und vom Fernsehturm geworfen. Ich will dass darüber diskutiert wird, ich will dafür zerrissen werden, ich will Teil einer großen Diskussion sein.
Blogs haben längst einen Impact auf die Meinungsbildung, zumindest unter dem stetig wachsenden Teil der Blogleser. Und A-Lister haben als Gatekeeper (Habe ich die Bullshit-Bingo-Karte schon voll?) einen ganz besonderen Einfluß.
Das magst du ablehen und wir beiden mögen es nicht gut finden, wir kommen aber nicht aus der Verantwortung raus. Du erreichst hier längst mehr Menschen, als wenn du Flugblätter vor dem Fernsehturm verteilst (oder runterwirfst).
Da tippt man sich die Finger wund und redet sich den Mund fusselig, polarisiert und debattiert, hört zu und widerspricht und macht und macht und macht… und dann verlinkt man einmal ein lustiges Video und plötzlich sind 30.000 Leute auf der Seite und die Shop-Bestellungen donnern rein. (Quelle: Johnny, 8. März)
Nicht alle wollen auf Augenhöhe diskutieren oder gleichberechtigter (und damit gleich verantwortlicher!) Teil eines kollaborierenden Netzwerkes sein (Ich entschuldige mich gerne für das polemische “Web2.0-Blumenkinder” drüben bei Medienrauschen, trifft ja eh immer die falschen), viele (und es werden mehr) wollen nur konsumieren und geilen Content. Den verlinken sie.
Oft lautstark, Prinzip stille Post. Mit der bekannten Konsequenz, dass sich negative Nachrichten besser verbreiten und sich relativierende Updates versenden.
Daneben gibt es fraglos eine funktionierende Kultur von an Wahrheitsfindung und Austausch interessierten Bloggern. Geschenkt, auch wenn mich soviel Pessimismus schmerzt (Es ist da blanke Sarkasmus nach 10 Jahren Zensurdiskussion).
Das kann (und wird) irgendann mal ins Auge sehen. Bei einem Thema, das vielleicht nur auf den ersten Blick lustig/eindeutig ist (Die Belarus-Geschichte hatte solche Momente).
Gut möglich auch, dass sich Blogger instrumentalisieren lassen, oder das Kampagnen einzelner/neuer Netzwerke erfolgreich sind.
Und dann werden sie wieder aus ihren Löchern kommen, die professionellen Blog-Schlechtreder, die das Volk immer gewarnt haben.
M*anuel aus L.:
Klein-Bloggersdorf allerdings die Rudelbildung vorzuwerfen, das ist schon etwas blauäugig. […] Es ist ja auch nicht das Prinzip an sich, was verwerflich ist.
Ich behaupte es ist komplexer. Es ist nicht einfach nur eine Vernetzung. Das Prinzip, bzw. die Technik im Hintergrund beeinflußt den Diskurs und die Kommunikation ganz erheblich.
Das ist freilich bei allen Medien der Fall, die Vermischung von lawinenartiger Verbreitung und Meinungsbildung zwischen zwei Mausklicks (und der damit nicht selten verbundenen inhaltlichen Reduktion/ Veränderung, evtl. Skandalisierung*) erreicht bei Blogs aber wohl eine neue Dimension. Mit interessanten Konsequenzen (McLuhan/Postman auf Crack, wenn du so willst).
*Disclaimer: Ja, es gibt Blogs/Netzwerke die engagiert, umfassend und auch zielführend kollaborieren. Nochmal geschenkt.
Es gibt aber noch ein Leben neben der eigenen Blogrolle mit all den angenehmen Menschen. Übrigens auch noch so ein Phänomen: Der Input kommt vom A-Lister des Vertrauens per RSS/Gießkanne, weiter geht es dann vor allem in der eigenen Kuschelgruppe. Global villages halt.
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Kommentare
Don hat ein “Hausverbot” erteilt? So wie das Fotoverbot bei seinen Lesungen? Oder das Verbot, sein Blog im RSS-Reader zu lesen? LOL, Heilige Selbstüberschätzung…
31.03.2006, 07:26 Uhr, #
Nicht zu vergessen das Verbot, seinen Quelltext zu lesen…
Ist dieses “Hausverbot” irgendwo nachzulesen?
31.03.2006, 08:38 Uhr, #
Hausverbot ist ja nun präzises Blogrudeldingsnichtfunktionieren, aber davon mal ab, ich habs bei mir selbst schon geschrieben:
Ja! Ich bin Schlachtenbummler! Und einen kräftigen Rant zu schreiben macht mir Spaß, ne Menge sogar. Und ich bin auch einer dieser kleinen Blogger (Was ist eigtl. ein Stinoblogger?), die sich freuen, dass sie mal bei Blogscout unter die Top 500 kommen und auch mal ein Track/Pingback kriegen. Ich bin also definitiv Teil des Rudels, der hungrigen Meute.
Aber: Sollte ich deswegen jetzt ein schlechtes Gewissen haben? Weil ich mit meinem Dreier-Pagerank und meiner Top-Ten-Positionierung für den Suchbegriff “brennende schule karikatur” (o.ä.) nicht auch noch bei Transparency angerufen habe, sondern mich auf die etlichen A-Lister bezogen habe? Weil ich meinen Leser evtl. angestachelt habe?
Hmmm. Nein, irgendwie nicht, finde ich. Denn genau diese Dynamik macht doch die Blogs aus.
Und außerdem ist es eben nicht wahr, dass sowas nur mit schlechten Nachrichten funktioniert. Du selbst zitierst Johnny zu der Grup Tekkan-Geschichte. Und das ist doch der Beweis, dass die Blogs tatsächlich auch zu nem Hype fähig sind. Denn ohne die Spreeblicks und thiscitywillkillmes (gut, ich hab nix über die geschrieben, meinte es nur exemplarisch: A-Lister und Z-Lister) würden die Jungs heute noch immer Keller ihres Jugendclubs spielen und nicht Stefan Raab die Sofapolster plattsitzen (Nicht, dass die nicht bald zurück im JUZ sein werden;) – aber es geht ums Prinzip).
Letztlich geht es doch um eines: Das Rudel macht die Blogs auch für die breite, wenig internetaffine Masse zu einem Medium. Die Meute rückt die Blogs ein Stück näher and die Etablierten ran. Und zwar “die Blogs” in ihrer Gesamtheit: Wenn die Geschichte nicht interessant ist, macht auch der beste A-Lister kein Sautreiben, keinen Hype draus.
Wie du richtig erkannt hast, wird auch ein Ehrenkodex, eine Netiquette unter Blogs daran nichts ändern. Dazu ist das Medium zu dynamisch, dazu ist die Verlockung zu groß, durch Tabubruch selbst vorzurücken. Außerdem haben die Blogs den Kontrollmechanismus schon selbst eingebaut: Schreiben, was man für richtig hält. Bei einer schlechten, falschen Geschichte bezweifle ich, dass die zum Lawinenlostreten nötige kritische Menge erreicht wird. Denn in einem unterscheiden sich, trotz sich angleichender Medienkompetenz, Blog- und Zeitungsleser nach wie vor voneinander: Der Zeitungsleser braucht nur eine Zeitung, um sich seine Meinung zu bilden. Der Blogleser gewährt einem einzelnen Blog nicht soviel Vertrauen – wodurch die faulen Äpfel zum größten Teil wieder ausnivelliert werden dürften.
Entschuldige bitte meine Wirrheit und sieh es mir auch nach, falls ich völlig am Thema vorbeigeschrieben habe.
31.03.2006, 10:09 Uhr, #
Fonsi verteilt gerne solche Hausverbote. Anscheinend seine Art von Basisdemokratie: Du darfst alles schreiben, aber pauschal mal “aber nicht bei mir” gehört da auch zu. Ist ein bisschen wie Meinungsfreiheit predigen und unangenehme Demos unterdrücken, auch wenn man von ihnen nix hält: mindestens sehr ambivalent.
31.03.2006, 10:14 Uhr, #
Ich seh da jetzt aber trotzdem keinen großen Unterschied zu den “etablierten” oder “Print-” Medien. Denn wenn eine Lokalzeitung über eine vermeintliche Sensation berichtet wird diese von den A-Blättern nachgepredigt und in die ganze Welt posaunt, wie zuletzt bei Nationalmanschaftsspielern die angeblich mit Wettgeschäften in Zusammenhang gebracht wurden.
Roland
31.03.2006, 11:21 Uhr, #
bby: Da hat man aber gesehen, dass sehr viele Zeitungen eben nicht die Namen gebracht haben oder gar nicht berichtet haben – erst nach der Entgegnung des Fußballvereins wurde dann vollständig berichtet. Es überrascht manchmal, aber die Presse springt doch nicht über jedes Stöckchen.
31.03.2006, 12:59 Uhr, #
@Torsten: ok. die Behauptungen in diesem Fall waren natürlich auch zu “ungeheuerlich”. Wie oft aber werden unwahre Behauptungen der Bild ungeprüft nachgedruckt, siehe Bild-Blog.
31.03.2006, 14:08 Uhr, #
Die professionellen [wasauchimmer]-Schlechtreder kommen eigentlich permanent aus irgendwelchen “Löchern”.
Ich würde sogar behaupten, Kommunikation bzw. Medien leben zu einem guten Teil davon.
So furchtbar negative Auswirkungen kann ich da nicht erkennen. Jedenfalls keine größeren, als in traditionellen Medien auch.
31.03.2006, 14:09 Uhr, #
Torsten: Auslöser war wohl tatsächlich meine Frage letztens (Marcel hat es nicht gelöscht), wieso Bilder (“Akteure auf dem Podium, nicht auf dem Klo” – nix, Persönlichkeitsrecht!) einer öffentlichen Bloglesung nicht akzeptabel sind, dass Anlegen öffentlicher Wiki-Dossiers über unliebsame Blogger aber ok (freilich nicht wenn es einen selber trifft) und kein Eingriff in Persönlichkeitsrechte sei (Pointe am Rand: Das “Flickrverbot” begründete Don ja u.a. damit, es würden Dossiers bzw. Bildsammlungen angelegt …).
Dass Fass zum Überlaufen hat nun wohl meine “Behauptung” bzw. “Unterstellung” gebracht, Herr Porcamadonna würde sein Blog gezielt einsetzen, um Partei zu ergreifen und dabei Unterstützung durch alte DCTler erhalten (Was man nunmal schwerlich bestreiten kann, wenn man sich die Hall auf Fame bei DCT und die Kommentare bei Rebellmarkt anschaut).
Was für mich nur ein Beispiel bei der Kartierung eines Phänomens (Punkt 2, oben), war für Don wohl ein persönlicher Angriff. Bitte, muss er mit leben.
mArTiN: Sicher, hier.
Es ging um die Frage, ob man Abmahnungen/juristischen Scharmützeln durch einen Account z.B. bei einem US-Bloghoster ausweichen kann. Meine klare und einfache Antwort: Belangt werden kann man auch im Ausland, der zur Durchsetzung von Forderungen nötige Aufwand macht es aber praktisch sinnfrei. Ein Umstand, den Spammer, Anbieter von Netz-Vollerotik, bloggende Hassprediger und Nazis schon jetzt zu nutzen wissen.
Gelöscht wurden Links auf die hilfreiche Abmahn-FAQ und den Verein Abmahnwelle e.V., versehen von mir mit dem Hinweis, dass man im Fall des Falles doch besser einen Anwalt konsultieren sollte, statt sich seine Erwiderung aus dem Netz zusammenzukopieren.
Mit einem “Hausverbot” kann ich entspannt leben (dogfood: Gilt es eigentlich auch für die Blogbar?), das Netz ist groß genug. Die Form der Denunzierung im Löschkommentar halte ich allerdings für eine ausgemachte Sauerei.
Carsten:
Nicht unbedingt. Man kann sich auch prima per Trackback nach aussen empören und anschließend innen in der eigenen Peergroup diskutieren. Da macht es sogar Sinn, abweichende Argumente zu unterdrücken, die das eigene Wertebild (oder die Agenda) in Frage stellen.
Stino-Blogger meine ich auch gar nicht negativ. Wunderbar, wenn da was eigenes entsteht und nicht nur Skandalisierungen transportiert werden. Die Fokussierung auf wenige A-Lister (nicht nur in der Presse, sondern auch in Klein-Bloggersdorf selber) ist ja gerade ein wesentlicher Faktor des Gatekeeper-Problems.
Richtig. Aber schau dir doch mal mein liebstes schlechtes Beispiel shortnews an. Ohne Skandalisierung keine Punkte, ohne Punkte kein vorderer Platz im Ranking. Blogs funktionieren manchmal ganz ähnlich. Ohne Krach kein Klick.
Johnny schriebt es ja selber (siehe oben): “Da tippt man sich die Finger wund und redet sich den Mund fusselig, polarisiert und debattiert, hört zu und widerspricht und macht und macht und macht� …”
Ich mag das Beispiel nicht überstrapazieren, vor allem, weil es verdammt unfair gegenüber Steffen wäre, aber bei der Belarus-Geschichte wäre es fast der Fall gewesen.
Dünnes Eis, befürchte ich. Ist bei Blogs wohl nicht anders als bei anderen Medien auuch: Wenn man sich nur oberflächlich mit etwas beschäftigt (Zeitfrage!), bleibt nicht viel Zeit zum nivellieren.
Passt schon. Ich habe zu Beginn ja selber nur ein paar unvollständige Gedanken abgekippt. Interessant wurde es erst durch die Diskussion.
flohbot: Bei der Stigmatisierung von “Killerspielen” sind sie auf Erfolgskurs, Internetsperren sind auch noch nicht vom Tisch der KJM.
31.03.2006, 15:01 Uhr, #
Auf jeden Fall finde ich gut, dass das Thema mal in einem der größeren Blogs diskutiert wird.
Mir scheint, das Problem sind nicht mal unbedingt die A-Lister, die ihren Einfluss zu sehr nutzen. Das Problem ist auch, dass sich die vielen kleinen Blogs, die das ganze ja nochmal multiplizieren, sich ein bisschen zu sehr instrumentalisieren lassen. Das liegt auf jeden Fall auch daran, dass in der Blogosphäre zu wenig auf Meinungsvielfalt geachtet wird.
01.04.2006, 00:10 Uhr, #
Ich steige recht spät in die “Diskussion” (was man so Diskusssion nennt heutzutage) ein. Man weiß ja gar nicht mehr, wohin man klicken soll bei den ganzen Querverweisen auf allen Blogs.
Aber je weiter ich in die Abgründe der Debatte hinunter geklettert bin, desto mehr fiel mir das sinkende Niveau der Kommentare und Argumente auf. (So viel zum Thema Netiquette…nein, das ist nicht auf diesen Post bezogen, bevor mir nun auch jedes Wort im Mund verdreht wird!)
Zudem ging mir beim intensiven Lesen ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf: Worüber regen sich eigentlich alle auf? Jörg-Olaf hat einfach die Tücken der subjektiven Berichtserstattung beschrieben und vor dem Phänomen Rudelbildung gewarnt. Ja und? Wollen die Blogger etwa eine homogene Masse ohne eigenen Kopf sein?
Ich persönlich finde es gut, daß das jemand thematisiert, denn es war längst überfällig. Man muß allem (jedem) kritisch gegenüberstehen, was (wer) die eigene Meinung beeinflußt.
01.04.2006, 00:15 Uhr, #
Simone, ich finde Olafs Beitrag auch schwer angebracht und in dem, was er ausdrücken wollte, treffend beschrieben.
01.04.2006, 06:39 Uhr, #
Das finde ich ja nun tatsächlich aufschlussreich. Mit McLuhan und Postman hast du zwei originäre Fernseh-Theoretiker ins Feld geführt. Die sind auf das Internet so so gut anzuwenden, wie dein Beitrag auf die Blogsphere. Sozusagen Theorie 0.95 Alpha. Ich lach mich derweil zu tode…
01.04.2006, 14:31 Uhr, #
Ich habe am letzten Sonntag (ganz am Anfang der TI-Affäre) noch versucht, beiden Seiten gerecht zu werden (bevor die ganz ungeschickten Reaktionen von TI begannen). Am Dienstag habe ich selbst in einem kurzen Artikel Hanns Joachim Friedrichs zitiert und mir einige Fragen gestellt. Nun musste ich aber in der letzten Woche sehr viel arbeiten, so dass ich die Artikel und Kommentare nur noch nach Feierabend querlesen konnte. Es war erstaunlich, wieviel Zeit einige Leute in Artikel und Kommentare gesteckt haben. Ich finde, dass die Angelegenheit stark aufgebauscht wurde und frage mich, ob es neben der Verteidigung der Meinungsfreiheit auch andere Interessen gegeben haben könnte ;-)
01.04.2006, 16:22 Uhr, #
Ich probiere ja schon eine Antwort darauf zu basteln, seitdem du es in den Kommentaren bei Spreeblick angebracht hast. Aber ich verstehe einfach nicht, was du genau sagen willst. Er wird für mich auch dadurch nicht verständlicher, dass du ihn schon an drei verschiedenen Stellen gepostet hast.
Also einfach so noch mal ein paar Worte:
Blogs sind eine kleine Nische. Kein Blog erreicht eine große Masse. Das Bildblog hat 40-50.000 Leser pro Tag. Großartig! Aber eine große Masse ist das nicht. Blogs haben keinen Impact auf die Meinungsbildung. Schon allein wegen der Zahlen. Nur weil sich hin und wieder ein paar der stärker konsumierten Medien ein paar Themen rauspicken ist das noch lange kein “Impact”.
Es wird irgendwann “ins Auge gehen”? Mag sein. Aber dann sind wir schlauer. Jetzt schon Konsequenzen für einen möglicherweise eines Tages auftreten könnenden, alles kleinhackenden Blogmob zu treffen halte ich für öde. Zu diesem Zeitpunkt sehe ich ihn nicht.
01.04.2006, 17:50 Uhr, #
Wenn ein Thema von mehreren hundert Leuten aufgegriffen wird, summieren sich aber die Leserzahlen. Erschwerend kam IMHO in diesem Fall hinzu, dass viele Leute nicht wirklich wussten, worum es eigentlich ging (allein die oft aus der Hüfte abgefeuerten Meinungen rund um Gehälter, Probezeit, “brutto” und “netto” zeigen, dass viele die eigentlichen Informationen nur sehr oberflächlich gelesen haben). Im Kern ist TI überhaupt nicht vorzuwerfen, dass sie sich ihre Angestellten aussuchen, einstellen oder eben auch mal nach der Probezeit entlassen. Das Verhalten des Justitiars war teilweise ungeschickt und teilweise falsch. Aber das rechtfertigt IMHO nicht den hohen Aufwand, der um diesen Fall getrieben wurde.
01.04.2006, 18:08 Uhr, #
Dann summieren sich die Leserzahlen auf – sagen wir mal 200.000 Leute. Immer noch kein Impact.
Und die Verwechslung von brutto und netto soll ja schon ganz anderen passiert sein.
01.04.2006, 18:15 Uhr, #
ich hab langsam das gefühl, daß diejenigen, die hier einen mob oder eine meinungsmacht fürchten, viel zu hysterisch und unentspannt sind. vielleicht nehmen sie das bloggen einfach ein bissel zu ernst. Pressecodex? Regeln des Netzwerks Recherche? Hallo? Das klingt ja völlig hysterisch und over the top.
01.04.2006, 18:24 Uhr, #
Ich greife Deine Zahl gern auf. Es sind dann aber nicht 200.000 beliebige Leute von der Straße, sondern es sind Leute, die besonders intensiv die Medien nutzen und möglicherweise auch als “Meinungsmultiplikatoren” wirken. Und ob bestimmte Blogs inzwischen meinungsbildend sind, darüber lässt sich trefflich streiten. Ich denke, sie sind so meinungsbildend, dass man über ihre Verantwortung nachdenken sollte.
Ich bin jedenfalls der Meinung, dass der Ausgangspunkt ein einfacher Blogeintrag war, der aus Enttäuschung oder/und persönlicher Kränkung geschrieben wurde. Und was dann dabei herauskam, ist meiner Meinung nach “Much Ado About Nothing” …
01.04.2006, 18:33 Uhr, #
@Jens: Für die Kombination “hysterisch und unentspannt” kenne ich in der Blogosphäre aber ganz andere Beispiele.
Um einfach mal aus der Schule zu plaudern: ich habe in der letzten Woche von Montag bis Mittwoch schon 40 Stunden gearbeitet und an den restlichen beiden Tagen habe ich dann nicht mehr gezählt. Glücklicherweise hatte ich also nur am letzten Sonntag Zeit, mich mit dem Thema zu befassen. Jetzt schau Dir einfach mal die Energie und den Aufwand an, die in dieses Thema gesteckt wurden. Findest Du das wirklich gerechtfertigt und hätte man die Zeit nicht sinnvoller nutzen können?
01.04.2006, 18:43 Uhr, #
stefanolix, ja. Ich weiß nur nicht wie. Ich brauche Leitfiguren wie dich, die mir nicht nur sagen, was ich zu denken habe, sondern auch was ich zu tun habe, bzw. ob das gerechtfertigt ist, was ich tue. Bitte gib mir doch eine detaillierte Liste zum abarbeiten.
Sowieso, diese Blogger. Echt mal, hirnloser Mob. Wie können die einfach selber entscheiden, was für sie relevant ist und was nicht. Dabei weisst du das doch viel besser. Wo kommen wir denn da hin? Da müssen mal ordentliche Strukturen rein. Kodexe und am besten ne Bloggerzulassung. Aber die würde eh niemand bekommen, denn wer ist schon so reflektiert und besonnen wie der gute Stefanolix?
Nene, lassen wir das mal, mit der freien Meinungsäußerung. Das ist viel zu gefährlich, als dass man sie einfach jedem geben darf.
01.04.2006, 20:28 Uhr, #
@mspro: Vielleicht kannst Du mit irgendeinem Link belegen, an welcher Stelle ich etwas von einem Kodex oder einer Bloggerzulassung geschrieben habe? Ich bin in diesem Zusammenhang nur so weit gegangen, etwas über Verantwortung zu schreiben.
Freie Meinungsäußerung sehe ich als Selbstverständlichkeit an und sie war meiner Meinung nach in diesem Fall auch nicht gefährdet. Ich habe bisher noch nirgends jemanden gefunden, der dem ersten Schreiben des Justitiars fachlich recht gegeben hätte.
Soweit eine /Meinung/ über den Arbeitgeber TI geäußert wurde, ist das also völlig berechtigt. Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob in dem Originalposting alle personenbezogenen Informationen veröffentlicht werden mussten.
Was ich über Energie und Aufwand geschrieben habe, war möglicherweise missverständlich — es gehört aber dann auch zur Meinungsfreiheit dazu, dass wir beide darüber unterschiedliche Meinungen haben.
01.04.2006, 20:56 Uhr, #
stefanolix, ich wollte hier keinerlei Faktensammlung oder eine zutreffende Zusammenfassung deiner Position leisten. Das kann ich gar nicht. Bin nur ein dummer Blogger.
Das was ich eigentlich zeigen wollte, ist mit welchem arroganten und abgehobenen Tonfall die sogenannten Mahner auftreten (Ja, DU). Außerdem wollte ich zeigen, dass dieses ganze Mobgewäsch durchaus in einer antidemokratischen Tradition steht. der “Mob” ist das Argument der Politiker gegen Plebiszite und der Journalisten gegen Blogs. Also immer wenn jemand seine gefühlte Deutungshoheit in Gefahr sieht, oder einfach meint, dass er schlicht alles besser weiß als die Masse.
01.04.2006, 21:07 Uhr, #
“Bin nur ein dummer Blogger” Selbsterkenntnis ist der Weg zur Besserung, sagt man. ;-) Antidemokratischen Tradition? So so…du weißt aber, welche historische Ereignisse gezeigt haben, daß man die breite Masse auch wunderbar irreleiten, verführen und aufhetzen kann? Und genau darum geht es. Nicht darum, “schlicht alles besser” als die Masse zu wissen, sondern der Masse die Gefahren des Mitläufertums zu zeigen. Was ist daran falsch? Prophylaxe ist besser als danach zu sagen: ” Siehste, das habe ich schon immer kommen sehen!”, wenn irgendwann etwas schiefgeht.
Im Übrigen: Die 40 – 50.000 Leute, die zum Beispiel den BILDBlog angucken, reden darüber mit ihren Bekannten, diese verbreiten die Erkenntnisse weiter usw. usw. Es ist nicht so, als würde die Nachrichtenverbreitung mit den Bloglesern enden. Das ist an und für sich nichts Schlechtes, doch es wird zu etwas Negatives, sobald die verbreiteten Nachrichten erlogen, verzerrt, schlecht recherchiert oder einseitig sind. (was ich dem BILDBlog nicht unterstellen möchte…)
Auf der anderen Seite hat jeder Mensch auch das persönliche Recht auf Dummheit. Wer alles schlucken möchte, was er liest ohne zu reflektieren, dem sei geraten, weiter dem Rudel zu folgen. Ist ja auch viel leichter, nicht wahr? Warum sich die Mühe machen, weiterzudenken als die anderen? Was die A-Blogger sagen, wird schon stimmen… oh, aber “Mob” darf man das natürlich nicht nennen. Das ist unfein und zu nah an der Wahrheit. Selbstbetrug ist so einfach, nicht?
@Jörg- Olaf: Du kannst nicht jeden retten, Superman. ;-) Nur war es schlecht, daß du mitten in den Mob (alias das Rudel) mit deiner Stimme der Vorsicht und Vernunft getreten bist
und die sich nun wieder einmal gemeinschaftlich das Maul darüber zerreißen, ob das ein Angriff (?) auf ihre …(mir fehlt das passende Wort dafür, denn Meinungsfreiheit trifft es nicht. Dafür müßte man eine eigene Meinung haben und nicht nur anderen nach dem Schnabel reden. Also nennen wir es doch eher das Recht auf eine Kollektivmeinung, die meistens “Ich bin gegen alles und jeden, solange mir ein anderer Blogger ein Ziel gibt.” bedeutet.)
Wenn das Freiheit sein soll, warum klingt das dann so falsch?
Deswegen tust du mir ein wenig leid, Jörg-Olaf, aber nur ein wenig… Denn du bist genauso ein Blogger, der die Meinung seiner Leser zu polarisieren versucht. Und ich weiß nicht, inwiefern du dich immer an die Wahrheit hälst, insofern will ich dich auch nicht zum “Schutzheiligen der Bloggerintegrität” ernennen. Aber dennoch: Es war gut, daß du es thematisiert hast. (Aber war das nicht auch ein Eigentor? )
01.04.2006, 22:28 Uhr, #
Ich werde Dich von dieser Meinung wohl nicht abbringen können. Nachdem Du mir ein zweites Mal Argumente unterschieben willst, die ich nie verwendet habe, nur noch eine Bemerkung: Deine Kommentare #22 und #24 sagen eine Menge über Dich, aber kaum etwas über mich aus …
01.04.2006, 22:33 Uhr, #
@Heike: Gibt es da nicht eine alte Geschichte, die mit “Hosianna” beginnt …?
Wahrscheinlich kann man in diesem Spiel /alles/ umdeuten: jeden Angriff in eine Verteidigung, jedes Tor in ein Eigentor [...] und manchen Tor in einen Torwart ;-)
01.04.2006, 22:47 Uhr, #
@Heike
“Auf der anderen Seite hat jeder Mensch auch das persönliche Recht auf Dummheit. Wer alles schlucken möchte, was er liest ohne zu reflektieren, dem sei geraten, weiter dem Rudel zu folgen. Ist ja auch viel leichter, nicht wahr?”
Danke für diese wundervolle Illustration meiner Ausführungen.
Ne, ehrlich. Du hast recht. Alle doof außer dich.
01.04.2006, 22:51 Uhr, #
@mspro: wenn Du meinen Tonfall als arrogant bezeichnest — wie würdest Du dann eigentlich Deinen eigenen Tonfall in den letzten Kommentaren einstufen?
01.04.2006, 23:00 Uhr, #
stefanolix, als ziemlich abgenervt von undifferenzierten Differenzierungspredigern.
01.04.2006, 23:08 Uhr, #
@mspro: Wenn das obige Kompliment tatsählich so sarkastisch gemeint ist, wie es mir im Kontext mit deiner früheren Bemerkung “Das was ich eigentlich zeigen wollte, ist mit welchem arroganten und abgehobenen Tonfall die sogenannten Mahner auftreten” steht, dann: Touché, mspro! Du hast recht, es war wohl eine zu direkte und unpassende Formulierung. Aber vielleicht passe ich mich nur deinem Tonfall an ;-) Aber du stimmst mir doch darin zu, daß es anzuraten ist, alles kritisch zu lesen oder? Und dieses kritische Lesen vermisse ich ein wenig in den Blogs.
@stefanolix: Ich bin allem und jedem skeptisch gegenüber, denn es gibt kein reines Schwarz und Weiß (ok, es gibt dunkel- und hellgrau). Am Ende verlasse ich mich darauf, was mein Gefühl sagt (aber erst, nachdem ich Engelchen und Teufelchen auf meinen Schultern befragt habe) :-)
Mal was ganz anderes: wer hat sich denn bitte das Wort A-Blogger ausgedacht? Das klingt wie Bürger 1.Klasse. Und Klein- Bloggersdorf finde ich auch doof.
02.04.2006, 00:19 Uhr, #
Ich kann nicht genau feststellen, wo bei dieser Diskussion das Problem liegt. Das einzige, was ich feststelle ist, dass der Drang zum hin- und herwerfen von Flämmchen wohl grösser ist, als der, eine Lösung für das Problem zu finden. Eigentlich eine sehr politische Methode, trotz allem. :)
Rudelbildung ist wohl etwas vom natürlichsten, was Menschen den ganzen lieben langen Tag lang praktizieren. Vielleicht sollte man in diesen Zeiten ein wenig mehr die Nähe zur Realität suchen.. man nenne mir zum Beispiel ein Medium welches in seiner Geschichte nicht instrumentalisiert, nicht zur Verbreitung von Unsinn verwendet, nicht zum Bewerben von Überflüssigem verwendet wurde.
Einen “Kodex-Bloggis” zu definieren bringt auch meiner Ansicht nach nicht viel, da die Dynamik viel zu stark ist. Eine “ethische Abnahmestelle für Blog-Inhalte mit Sinn- und Eventualitätsabklärungen” ist wohl auch in niemandes Interesse .. Man wird sich wohl oder übel damit abfinden müssen, dass der grössere Teil einer Masse die Dynamik bestimmt. Natürlich braucht es dabei auch eine oppositionelle Bewegung. Aber das gibt es ja? Wieso sollte es hier anders laufen, als überall sonst?
Das Filtern von Medieninhalten und das kritische Hinterfragen von Argumenten muss auch erst gelernt werden. Und solange das in der gegenwärtigen Verfassung der Gesellschaft wohl kaum jemals ein Fach an den Schulen werden dürfte, kann man auch nicht von jedem Bürger erwarten, dass er alles – aber auch wirklich alles – hinterfragt. Im gleichen Zug müsste man jedoch auch erwähnen, dass es auch eine Portion Eigenverantwortung beim Publizieren von Inhalten braucht. Wie das jemand für sich definiert, ist sein Problem.
Man kann nun glauben, dass sich durch die Art der Verbreitung und die eingeschränkte Interaktion eine andere Entwicklung als bei traditionellen Medienkanälen entwickelt. Aber steuern … Ich bin gespannt.
02.04.2006, 01:27 Uhr, #
@ Heike, der Notwendigkeit der kritischen Lektüre schließe ich mich natürlich an. Und natürlich kann man dies auch einfordern bzw. den Bloggern pauschal erstmal absprechen. Nur: Woran machst du das fest? Der Fall TI lag und liegt klar auf der Hand. Ich habe keine falschen, unwahren oder verfälschten Geschichten gelesen. Du etwa?
Natürlich kann man auch nichtsdestotrotz und ohne jegliche Veranlassung weiterhin annhemen (oder unterstellen), die meißten Blogger hätten sich keinen Kopp gemacht, sondern nur unreflektiert von A-Listern abgeschrieben. Das kann man natürlich tun. Das kann man aber nur – und darauf wollte ich hinaus -, wenn man ein selbstgerechter Besserwisser ist, der meint als einziger die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.
02.04.2006, 02:23 Uhr, #
nachtrag: Es ist halt so. Weder du noch ich wissen, wie viel oder wie wenig sich einer ein Kopp gemacht hat, als er etwas schrieb. Noch kann man in die Hirne nicht reinschauen.
Solange man also keine sachlichen Fehler feststellen kann, die darauf hindeuten, dass diese Beschäftigung nur oberflächlich waren (wie es zB. beim Tagesschauartikel leicht nachzuweisen war), solange man also aufgrund seines “Gefühls” und seiner “Vermutungen” die Blogosphäre pauschal als Mob aburteilt, solange ist man halt ein Klugscheißer. Punkt.
02.04.2006, 02:33 Uhr, #
mspro: McLuhan und Postman auf ihre Fernsehkritik zu reduzieren, ist in der Tat lächerlich, ja. Fast schon schmerzhaft.
Übrigens gibt es gerade von Postman recht dedizierte Aussagen zur Kommunikation via Internet. Gleich einer der ersten Treffer für “Neil Postman” +”Internet”:
Davon ab, hatte ich nur das Theoriemodell der schnellen und oberflächlichen Informationsverbreitung mit den Folgen von Trackbacks und (beinaher) Echtzeitkommunikation verglichen. Nahe liegend, wie ich finde.
02.04.2006, 05:21 Uhr, #
Nachdem ich meine Kommentare und meine beiden kurzen Artikel zu diesem Thema noch einmal durchgegangen bin, kann ich keine Aussage finden, in der ich Blogger und Mob in Verbindung bringe. Also frage ich mich, warum mir das hier unterstellt wird.
Aber ich habe das für mich in Anspruch genommen, was Heike dankenswerterweise noch einmal auf den Punkt gebracht hat: nämlich darüber zu schreiben, dass es auch in dieser Angelegenheit weder reines Schwarz noch reines Weiß gibt.
Und zweitens denke ich natürlich darüber nach, in welche Kampagne(n) ich mich einreihe [zu wessen Nutzen sie sein könnten, aus welchen Beweggründen sie begonnen wurden, warum sie weitergeführt werden]. Und ich habe mich auch gefragt, warum plötzlich eine ganze Organisation flächendeckend unter Beschuss gerät, nur weil deren Justitiar einige Fehler gemacht hat.
Heike fragte: “Mal was ganz anderes: wer hat sich denn bitte das Wort A-Blogger ausgedacht?” Ich denke, der Status ‘A-Blogger’ ist ganz einfach an der Reichweite, an der Qualität der Beiträge und am Einfluss des Bloggers festzumachen. Warum sollte man dann nicht dieses Wort wählen?
02.04.2006, 06:03 Uhr, #
Max: Mein Notizblog ist mein Notizblog, das zählt eigentlich nicht.
Ich wollte ursprünglich nur eine Kopie dort, dachte mir dann aber, dass es vielleicht doch Sinn machen würden, hier noch einen eigenständigen Eintrag zu haben.
Das Problem, dass Diskussionen zerfasern, weil sie an zuvielen Schauplätzen parallel laufen, sehe ich ja auch. Da sind wir auch wieder bei unzugänglichen Netzwerken.
An einen Impact auf die Meinungsbildung glaube ich auch nicht so recht. Auch nicht, dass sich das in nächster Zeit ändern wird (Womit wir auch wieder beim unerfreulichen Geschwindigkeits vs. Differenzierungs-Problem sind. Entweder Masse/Geschwindigkeit oder eben Tiefe. Bei Leggewie gibt es da Konzepte).
In wie weit man bei einem negativen Google-Image bereits von einem Impact sprechen kann, ist natürlich nochmal eine andere Geschichte. Scheinbar scheint dieser Internetblödsinn ja auch sonst zu reichen, dass Menschen dafür Juristen bemühen und sich vor Gericht treffen.
Er muss ja nicht gleich alles kleinhacken oder dominieren. Ich fand das Phänomen schon jetzt interessant genug, um mal ein paar Zeilen zu schreiben.
Heike: Danke für die Blumen. Mir war aber durchaus klar, dass mit der ungeteilten Begeisterung und dem Eintrag im goldenen Buch der Stadt auch dieses Mal nix wird.
Der Vorteil an einem Eigentor wäre wohl, dass es meine Thesen bestätigt. Ist ja immer eine Frage der Perspektive. Zur Zeit ist das Feedback jedenfalls noch positiver, als ich eigentlich erwarten durfte.
Ich habe eher ein anderes Problem, mir fehlt einfach die Zeit, um den nun entstehenden Diskussionen zu folgen.
“A-Blogger” und “Klein-Bloggersdorf” gab es damals schon. Da machte es wenig Sinn neue Worte zu erfinden. Nachher versteht einen überhaupt keiner mehr.
mspro: Ich habe keineswegs die Blogosphäre pauschal als Mob bezeichnet, sondern ein paar Phänomene beschrieben.
Die durch Technik beschleunigte Rudelbildung fand ich gerade bei “TI vs. Moni” eher unspannend (einfach weil die Lage zu eindeutig schien, um sich unreflektiert empören zu können), aber das steht ja alles auch schon oben.
–snip–
Was vielleicht auch noch interessant wäre: Die Differenzierungen und die oft ja übersichtliche Quellenlage (Nein, nicht bei “TI vs. Moni” gegenüberstellen. Schon spannend, was da mitunter entsteht. Aber das würde nun wohl zu weit führen.
02.04.2006, 06:53 Uhr, #
Das Wort Bloggermob ist übrigens im “WWWW” bei Heise angekommen:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/71567
02.04.2006, 07:48 Uhr, #
“Es ist halt so. Weder du noch ich wissen, wie viel oder wie wenig sich einer ein Kopp gemacht hat, als er etwas schrieb.” Eben das meine ich ja auch! Nur komme ich zu einem gegensätzlichen Schluß als du, nämlich zu dem: Lieber einmal mehr anzeifeln als akzeptieren! (so mache ich das bei allem und jedem. Sogar meinem Arzt glaube ich nicht alles, was er mir predigt und das oft genug zu recht. Da möchte ich Blogs, welche sich brisanter Themen ,nicht ausschließen.)
02.04.2006, 11:17 Uhr, #
Sorry Heike. Ich nehme alles zurück. Du bist anscheinend schlicht paranoid.
Jo. Sowohl McLuhan als auch Postman sind alte Fersehdenker. (ob Postman überhaupt ein Denker oder schlicht ein nörgeliger Kulturpessimist ist, will ich hier nicht diskutieren) Damit meine ich nicht, dass sie sich nur aufs Fernsehen beziehen, sondern dass ihre Theorien aussließlich von der Analyse des Fersehens affiziert sind. Wie sonst konnte McLuhan die Rückkehr des Bildes und das Ende der Schrift proklamieren ?
Beider Medium war das Fernsehen. Für sie war Fernesehen das goße Mediending, an dem sie sich entlanghangelten. Natürlich halten sie ihre Theorien offiziell für universeller. Sie sind es aber nicht.
Dass Postman als Denker noch das Internet mitbekommen hat, hat damit nichts zu tun. Dein Zitat jedenfalls belegt nur, dass er es nicht verstanden hat.
Ach ja. Und ob du von Rudélbildung oder Mob schreibst ist m.E. ein ziemlich unwichtiges Detail.
Stefanolix: jaja, ist ja recht …
02.04.2006, 13:01 Uhr, #
Welch freundliche Feststellung, mspro. Auf diesem Niveau mit persönlichen Beleidigungen lasse ich mich nicht runter. Wenn das deine einzigen Argumente sind, dann bist du wirklich der falsche Ansprechpartner für eine Diskussion. (soviel zum Thema Netiquette…)
02.04.2006, 13:45 Uhr, #
Heike. Sorry. Das sollte keine Beleidigung sein. Aber wenn du von dir sagst, dass du grundsätzlich alles anweifelst, was du irgendwo hörst oder liest, dann solltest du dir dahingehend vielleicht echt Gedanken machen. Das hat nähmich mit kritischem Geist nichts mehr zu tun.
02.04.2006, 13:52 Uhr, #
Ich zweifel nicht grundsätzliches ALLES an, nur sehe ich, daß Menschen nicht perfekt sind und ihnen durchaus auch Fehlern passieren können. Deswegen bin ich nur vorsichtig. Es ist nicht so, als würde ich GEGEN alles und jeden sein, sondern ich rekapituliere Fakten, Geschichten und anderes kritisch.
Nenne es von mir aus Paranoia, aber ich betrachte es als gesunde Skepsis, die aus meinen Erfahrungen mit der menschlichen Natur stammt (meine Güte, das klingt wirklich hochtrabend, aber mir fällt keine bessere Formulierung ein)
02.04.2006, 14:04 Uhr, #