Es scheint, als schießen sich Verlagssprecher, Nachrichtensendungen und Journalisten derzeit ein wenig auf Weblogs ein. Und die Frage ist: Aus Angst, Sorge oder als Vorbereitung auf das Sommerloch, weil die neue A/H5N1-Infektion zu wenig verspricht?
Oder ist es vielleicht auch nur eine subjektive Wahrnehmung?
Unser Disser des Tages heute jedenfalls ist Stern-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges. Der war bei der Präsentation des Buches “”Die Alpha-Journalisten” (Ja, endlich haben wir auch die!) jedenfalls in Hochform und warf Holz ins züngelnde kleine Feuer der ewigen und immer langweiliger werdenden Diskussion um “Blogger vs. Journalist”:
Die guten Redaktionen sollten ihre Siele geschlossen halten, damit der ganze Dreck von unten nicht durch ihre Scheißhäuser nach oben kommt.
Der Dreck von unten, werte Leser, sind diese ganzen Geschichten von diesen Bloggern. Und die Nachrichten von Möchtegern-Autoren, die diesen “loser generated content” produzieren.
Mit dem “LGC” hat sich Jörges etwas Feines ausgedacht, das wir in den nächsten Wochen vielleicht öfters nochmal hören werden. Bei der Präsentation waren schließlich genügend Alpha- und Beta-Journalisten anwesend.
Wie es sonst so war bei der Präsentation des Selbstbeweihräucherungsbuches für den Journalist hat Matthias Kiesselbach aufgeschrieben.
Ich frag mich nur: Wo ist der große Herkunftsunterschied zwischen JOURNAList und JOURNAL-Schreiber aka Blogger? Und: Wollen wir auch einmal unsere lieben Alphabloggertierchen in einem Wiki porträtieren?

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Kommentare
Ich höre die Trommeln – der Krieg geht los. Wir haben ihn nicht gewollt. Aber irgendwann muss Schluss sein mit den Beleidigungen jener, die lieber würdevoll in die Rente driften sollten. Die sich per ihres Mediums für höherwertig erachten. Die genau das tun, was sie uns vorwerfen: faseln, ohne zu wissen. Sollen sie sich noch ein paar Jahre lang Edelfedern und Alpha-Journalisten nennen. Dann ist Sense. Und sie werden merken – die Siele, die sie geschlossen hielten, waren längst von unten zugeschweißt. Denn WIR wollen DIE hier auch nicht…
27.06.2007, 20:18 Uhr, #
Wieso eigentlich diese Fäkalsprache? Wieso verlieren die Herren Journalisten beim Gedanken an die Bloglandschaft ihre Contenance?
27.06.2007, 20:20 Uhr, #
Ach Gottchen. Meint Herr Jörges Blogger oder die hirnlosen Komentarschreiber, Trolle und Überzeugungstäter, die wahrhaftig nicht nur Blogs bevölkern?
27.06.2007, 21:04 Uhr, #
Ich glaube, ich würde nicht notwendigerweise voraussetzten, dass Menschen vom Schlage eines Herrn Jörges da so genau differenzieren.
27.06.2007, 21:47 Uhr, #
In seiner Ausdrucksweise macht der Herr Jörges doch sehr schön den Unterschied zwischen Bloggern und Journalisten (seiner Provenienz) deutlich. Das muss man doch eigentlich gar nicht weiter kommentieren.
27.06.2007, 21:47 Uhr, #
Ausgerechnet ein Stern-Redakteur spricht von Qualitätsjournalismus? Was kommt als nächstes? Kai Dieckmann als Verfasser eines neuen Pressekodex?
Ich stelle fest, dass einige Journalisten sich momentan mächtig selbst in den Abgrund schreiben.
27.06.2007, 22:42 Uhr, #
Den Begriff des “looser generated content” hat sich nicht Herr Jörges ausgedacht. Den gab’s schon früher, insofern lohnt sich die ganze Hektik nicht.
Und wenn nicht irgendwann mal eine gewisse Gelassenheit einkehrt und bei jeder kleinen Stichelei man an die Decke geht…
Hier wird mittelmäßigen Journalisten doch nur eine Plattform gegeben, ist doch schon x-mal durchgekaut das Verhältnis Journalisten-Blogger.
Wer austeilt muss auch mal einstecken können.
Just my five cents.
27.06.2007, 23:09 Uhr, #
Also anstatt da Beifall zu klatschen wäre ich als Anwesender von dem Vergleich eher angeekelt gewesen. Wer sitzt denn nämlich in den Scheißhäusern und bekommt alles ab? Also wenn her Jörges sich gerne triefend vor Sch… sehen möchte, bitte sehr.
Ich verstehe auch nicht, wieso er gerne Kollegen beleidigt. Es gibt ja nun nicht auch einige bloggende Journalisten und es werden sicher auch noch viel mehr.
Interessant finde ich auch, dass manche Journalisten immernoch denken, sie wären bei solchen Veranstaltungen “unter sich” und da macht man scheinbar gern Witze auf Kosten “der Anderen”.
Na ja vielleicht sollten die Blogger im Allgemeinen und die “journalistischen Blogger” im Besonderen das als Auszeichnung betrachten. Sie werden ja offensichtlich bemerkt.
27.06.2007, 23:14 Uhr, #
Stimmt, der “LGC” ist bereits etwas älter; siehe Google. Bei den Journalisten in der Runde war er allerdings wohl noch ebenso unbekannt wie mir persönlich …
28.06.2007, 00:22 Uhr, #
Naja, Schatten- und Scheingefechte das alles. Bislang ist (wenigstens hierzulande) die Reichweite von Blogs so minimal – würden etablierte Medien nicht zuweilen so allergisch bis hysterisch reagieren, wäre ich ja versucht zu sagen, wir (also die Blogger) stellen bislang keine ernstzunehmende Konkurrenz dar. Aber die Selbstwahrnehmung der Journalisten scheint da ja offenbar eine andere zu sein.
Ansonsten gehöre ich auch zur Fraktion, die vom Loser-Generated-Content noch nichts gehört hat, den Begriff aber ganz interessant findet.
28.06.2007, 19:39 Uhr, #
Wenn Jörges sowas sagt, muss es stimmen. Denn Jörges kennt sich aus. Keine Kanalratte und keine Scheißhausparole ist ihm zu dreckig, als dass er sie nicht publizistisch ausschlachten würde. Vgl. dazu nur http://37sechsblog.de/?p=704 mit Link zum Jörges-Porträt in der taz.
30.06.2007, 10:03 Uhr, #
Wie kommen so Bemerkungen zustande? Wer hat Bilder von Dreck vor Augen der durch Scheißhäuser rausquillt? Jeder normalsterbliche Mensch? Oder sollte man hier nicht besser in eine Kategorie wechseln, die zu selten bedacht wird?
Anregung:
Psychopathen bei der Arbeit
Von Paul Babiak, Robert D. Hare
“Dr. Robert D. Hare is a researcher renowned in the field of criminal psychology. He is professor emeritus of the University of British Columbia where his studies centered on psychopathology and psychophysiology. He developed the Psychopathy Checklist (PCL) and Psychopathy Checklist Revised (PCL-R), used to diagnose cases of psychopathy and also useful in predicting the likelihood of violent behavior. He advises the FBI’s Child Abduction and Serial Murder Investigative Resources Center (CASMIRC) and consults for various British and North American prison services.”
Auszug aus der Amazon.de-Redaktion
“Die bittere Erkenntnis der beiden Psychologen: Psychopathen im Management sind häufiger als gedacht. Sie täuschen, manipulieren und boxen sich in der Hierarchie nach oben, wobei ihr rüdes Durchsetzungsvermögen nicht selten als Führungsstärke missverstanden wird. Gerade die flachen Hierarchien in modernen Unternehmen machen es ihnen besonders leicht, sich Einfluss zu verschaffen, sagen Babiak und Hare: Hier finden sie Raum zur Entfaltung, indem sie erst die Personalverantwortlichen täuschen und dann die Mitarbeiter manipulieren und gegeneinander ausspielen.
Das beherrschen Psychopathen perfekt. Denn ihnen fehlt ein Gewissen, das ihnen Regelverstöße erschwert. Zudem sind sie nicht in der Lage, Empathie und Mitleid zu empfinden. Hinzu kommen ein übersteigertes Gefühl der eigenen Bedeutung, Anspruchsdenken, fehlende Lernfähigkeit, Oberflächlichkeit, eine mangelnde Selbstkontrolle und antisoziales Verhalten.”
30.06.2007, 14:02 Uhr, #
Ich sehe das nicht so wild. Neid und auch Abneigung muß man sich verdienen. Treffend heißt es doch, einen toten Hund tritt man nicht.
Scheuklappen-Berichterstattung und Elfenbeinturm-Journalismus ist eher amüsant, als daß man unsachliche Aussagen ernstnehmen müsse.
Viele Blogger sind auch gegen TV und angebl. sensationsheischende Sendungen. Mit Verallgemeinerungen auf beiden Seiten pflegt man die Rivalität, mehr aber auch nicht.
Viele Grüße,
René
02.07.2007, 09:27 Uhr, #
Schon interessant, diese Aussagen der Etablierten, die sich haeufen. Vielleicht gruenden diese einfach auf einer Angst in einem Beruf zu sein, der per se erst einmal nicht geschuetzt ist. Deshalb werden die Gräben gebuddelt, die Mauern gebaut, die Zaeune ausgerollt. Wird der fast hermetische, schwer zugaengliche Hoheitsraum von einigen wenigen die sich in der Realitaet in dem recht grossen Spannungsfeld zwischen Copy&Paste und Edelfeder bewegen, geentert. Ist diese sich rebublikweit ausdehnende Pandemie der bösen Graswurzelblogger anscheinend wirklich ein Bedrohung? Qualitaet setzt sich am Ende durch, das sollte man u.U. erahnen können, egal wo die Wurzeln der Kenntnis und Federfuehrung liegen.
Gruß
Oliver
06.07.2007, 15:29 Uhr, #