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StudiVZ: Korrekturspalte für Turi 2.0?

Eigentlich könnte es mir als Nutzer ja weitgehend egal sein, wie sich Deutschland größte Singlebörse das StudiVZ finanziert.

Aber bitte, man macht sich ja so seine Gedanken. Nicht unbedingt, weil meine Daten (Registrierung erforderlich) “in die falschen Hände” geraten könnten (Dort steht, wie auch bei OpenBC (Reg. erford.), nichts über mich, was nicht ohnehin leicht zu recherchieren wäre, nur eben in kompakter und von mir “autorisierter” Form), sondern eher, weil es – nun – die ein oder andere Diskrepanz zwischen der Berichterstattung über das Studentenverzeichnis und der Selbstdarstellung der StudiVZ-Macher gibt.

Liest man im offiziellen Blog oder schaut sich die Wortwahl im VZ an, klingt alles irgendwie klein und kuschelig. Von Studenten für Studenten soll es sein. Man pflegt das Community-Flair und setzt – nicht zuletzt auch bei der Promotion – auch gern einmal in bester 2.0-Tradition auf das “AAL-Prinzip”.

Warum auch nicht? Bei der derzeit laufenden Wahl (R. erf.) zum “Offiziellen studiVZ Lied” sind so durchaus ein paar hübsche Songs und “Videos” (MyVideo, wo die Clips gehostet werden, und StudiVZ teilen sich übrigens den gleichen Geldgeber, nur so nebenbei) entstanden. Der Werbewert für die Teilnehmer am Werbesongcontest dürfte auch beachtlich sein (zumindest ist es besser als irgendwo bei myspace zu versauern), eine klassische Win-Win-Situation also.

Auf der anderen Seite ist die Geschäftsidee StudiVZ. Laut Spiegel Online werkeln inzwischen 32 Mitarbeiter im Berliner Büro. Finanziell unterstützt wird das Projekt bekanntlich durch den “European Founders Fund” der Samwer-Brüder (ex-Jamba), die inzwischen keine Klingeltöne mehr verkaufen, sondern Risikokapital an aussichtsreiche Startups vergeben (siehe oben).

Wieviel Geld tatsächlich im Spiel ist, wollte bisher allerdings niemand so recht verraten. Bis heute? Keine Ahnung, jedenfalls liefert Peter Turi (ja, genau der) heute in der Wirtschaftswoche ein paar Zahlen:

Für einen zweistelligen Millionenbetrag erwarb Holtzbrinck Ventures gerade diskret eine Minderheitsbeteiligung an StudiVZ.de, einer schnell wachsenden Studenten-Community nach dem Vorbild der US-Seite Facebook. [...] Ist das nicht zu teuer? Über zehn Millionen Euro für eine Firma, die erst vor einem knappen Jahr von E-Commerce-Pionier Lukasz Gadowski (Spreadshirt.de) mitgegründet wurde, für das zwei Dutzend Studenten in einem Berliner Hinterhof-Büro mit Wasserschaden arbeiten, und das noch keinen Euro Umsatz gemacht hat?

Ein zweistelliger Millionenbetrag für eine Minderheitsbeteiligung? Holla, die Waldfee! Kleiner Haken an der schönen Story: Die Zahlen entsprechen nicht der Realität. Behauptet zumindest Ehssan Dariani nun in seiner “Gegendarstellung”:

Peter Turi hat als Autor (und Blogger) einen Artikel in der aktuellen Wirtschaftswoche geschrieben und dabei falsche Behauptungen in die Welt gesetzt.

1) Lukasz Gadowski ist KEIN Gründer, erst recht nicht DER Gründer von studiVZ!

2) StudiVZ hat keine 10 Mio. von irgendjemandem erhalten!

Auf Seite 171 ist ein Zitat oberhalb eines Fotos von Lukasz abgebildet, das absurderweise behauptet studiVZ hätte �10,- Mio erhalten. Dies ist FALSCH! Unterhalb des Fotos von Lukasz steht: “Investor Gadowski: Mit studiVZ die grösste Studenten-Community gegründet”. Dies ist barer Unsinn! Ich habe als Praktikant letzten Sommer in seiner Firma bis etwa Anfang September gearbeitet und später Ende Oktober mit Dennis Bemmann zusammen das VZ gestartet, wobei das erste Geld (�5000) von ihm und einem zweiten Geschäftsführer von spreadshirt stammte.
Als Mentor hat er uns dann gerne öfters mit Rat und Tat unterstützt. Es ist jedoch völlig verfehlt von einem Gründer zu sprechen. Vielmehr verstärkte etwa im Mai 2006 Michael Brehm als dritter Mann unser Team.

Es wäre schön gewesen, wenn sich Herr Peter Turi einmal direkt mit mir als Quelle in Verbindung gesetzt hätte, anstatt die Blogs anderer als Quelle für seine Schreiberei zu nutzen. [...]

Es steht also erstmal Aussage gegen Aussage. Die korrekten Zahlen bitte ich unten in die Kommentare zu posten.

Disclaimer: Lukasz Gadowski (Spreadshirt.de) ist ein Kunde von Thomas (medienrauschen.com). Die Welt 2.0 ist klein. Kann ich leider nicht ändern.

Trackbacks

  1. azrael74.de » StudiVZ und Holtzbrinck
    27.10.2006, 08:22 Uhr
  2. YAMB.BETA² » StudiVZ: Die Einschläge kommen näher
    01.11.2006, 16:32 Uhr
  3. » StudiVZ unter Feuer, Blogpiloten.de - Weblog Update Weekly
    03.11.2006, 14:20 Uhr
  4. Kasi-Blog » Blog Archive » StudiVZ - The glamour is fading (or a chronic on how lack of PR can ruin a good idea)
    05.11.2006, 17:17 Uhr
  5. Schnitzlers World » Ich habe es getan - und bereut.
    05.11.2006, 23:54 Uhr
  6. txtblog » Blogarchiv » Ein (offenes) Geheimnis
    06.11.2006, 17:28 Uhr

Kommentare

  1. Den Disclaimer find’sch nun sowas von … mmh … unwichtig; zumindest offenbart sich mir kein kausaler Zusammenhang zwischen Lukasz Beteiligung an StudiVZ und der Tatsache, dass ich unter anderem für Spreadshirt arbeite …
    Aber in der Tat ist die Web 2.0-Welt hier in Deutschland doch recht klein, da wird gern gekruschelt ;-)

    medienrauschen, Thomas Gigold
    27.10.2006, 00:12 Uhr, #
  2. Du musst auch die Metabene sehen, Thomas.

    So ein Zusammenhang ist bei Bedarf ja schnell konstruiert, ganz unabhängig real existierender Kausalitäten. Ich sehe mich da irgendwo auch als Dienstleister.

    Zudem sind full-disclosure-Disclaimer gerade mächtig im Trend, der Entwicklung wollte ich mich – gerade mit Blick auf Mittwoch – einfach nicht verschließen ,)

    Jörg-Olaf Schäfers
    27.10.2006, 01:38 Uhr, #
  3. Schon ok ;-)

    medienrauschen, Thomas Gigold
    27.10.2006, 09:06 Uhr, #
  4. Mich würde mal interessieren, ob StudiVZ eine Art deutsches Lizenzprodukt von http://www.facebook.com ist, oder eine der dreistesten 1:1 Kopien des Web 2.0.
    Bis auf Farbe und Logo gleichen sich beide Seiten aufs Haar.

    Siehe auch:
    http://www.sebbi.de/archives/2006/10/04/einziger-deutscher-bei-facebook/

    Christoph
    27.10.2006, 10:16 Uhr, #
  5. Christoph: Die Entwickler behaupten, sie hätten “from Scratch” begonnen.

    Auch auf die Gefahr, dass ích mich unbeliebt mache: Ich finde die Clone-Debatte nicht sonderlich interessant.

    Dass sich die StudiVZ-Macher sich am Konzept und Look von Facebook orientieren ist offensichtlich (Für beinahe jedes erfolgreiche Web2.0-Projekt im europäischen Raum findest du ein US-Vorbild).

    Dass die “Orientierung” soweit geht, dass offenbar einzelne CSS-Definitionen übernommen wurden, ist auch unschön. Aber bitte, who cares?

    Natürlich kann man da nun aufspringen und laut “Plagiat, Plagiat!” rufen. Letztendlich sprechen wir aber über ein vergleichsweise simples Kästchen-Layout für das es zahllose Vorbilder gibt (Facebook hat sich wohl auch anderweitig bedient, soweit ich die Diskussion richtig verstanden habe).

    Die eigentliche Leistung steckt in den Datenbanken und in den Scripten hinter der Oberfläche. Und dort gehe ich bis zum Beweis des Gegenteils davon aus, dass es sich um eine Eigenentwicklung handelt.

    Jörg-Olaf Schäfers
    27.10.2006, 13:18 Uhr, #
  6. Kleines Update: Dank DonAlphonso weiß ich nun (ja, ich hätte auch selber googeln können), dass HBVentures das StudiVZ tatsächlich im Portfolio hat:

    http://www.holtzbrinck-ventures.com/index.php?studivz_en

    Wie hoch das Investment ist, bleibt freilich offen.

    Jörg-Olaf Schäfers
    01.11.2006, 13:52 Uhr, #

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Autor Jörg-Olaf Schäfers

Datum 26.10.2006, 21:11

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