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Sex, Reporter und der JMStV

Was passiert, wenn man in einer (Bilder-)Suchmaschine nach “Animalsex” oder “Muschi” sucht? Genau, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit genau das, was man erwartet. Das darf nach Ansicht des Sat.1-Magazins “Planetopia” aber nicht sein, schließlich könnten ja auch Kinder nach “Animalsex” oder “Muschi” suchen.

Klingt auf den ersten nach einem klassischen Fall von reisserischem Boulevard-Journalismus. Sex, Reporter und das Internet, wir kennen das ja. Business as usual also? Nein, nicht ganz.

Planetopia wird von “News & Pictures” in Mainz produziert. Ebenfalls in Mainz hat “jugendschutz.net” seinen Sitz. Jugendschutz.net, eine Einrichtung der Jugendministerien der Länder, nimmt im Bereich “Online-Jugendschutz” und Suchmaschinenregulierung schon seit langem eine – wenn auch immer wieder kontrovers diskutierte – Vorreiterrolle ein, und war – so hörte ich – maßgeblich an der Planetopia-Sendung beteiligt.

Für Friedemann Schindler, Leiter von Jugendschutz.net, ist das Thema nicht neu. So ist im bereits 2002 beim Verlag Bertelsmann Stiftung erschienenen Büchlein “Transparenz im Netz – Funktionen und Defizite von Internet-Suchmaschinen” (Siehe auch [1]), an dem Schindler maßgeblich beteiligt war, folgendes zu lesen:

“[..] Auch die Bildersuche, wie sie zur Zeit von den großen Suchmaschinen wie »Google«, »Fast-search« und »AltaVista« angeboten wird, ist aus Sicht des Jugendschutzes problematisch [..]”

Quelle: Transparenz im Netz, 6.1.5 Bildersuche

“[..] Fundstellen von entwicklungsbeeinträchtigenden und jugendgefährdenden Angeboten müssten in einer eigenen Site aufgelistet werden, zu der nur Erwachsene Zutritt hätten. Hier wären z.B. bei der Zugangskontrolle Kooperationen mit Betreibern anerkannter Altersverifikationssysteme denkbar [..]”

Quelle: Transparenz im Netz, 6.4.2 Trennung von Kids- und Adult-Content

Jugendschutz.net arbeitet nun laut Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) zu. Die KJM wiederum ist die Institution, die seit April letzten Jahres für den Jugendmedienschutz in Deutschland – und somit auch für “Sperrverfügungen” im Internet – zuständig ist:

“[..] Mit dem neuen Jugendschutzgesetz sowie einem neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag haben Bund und Länder die rechtlichen Rahmenbedingungen für Trägermedien (Filme, Videokassetten, CD-Roms etc.) und Online-Medien (Teledienste, Mediendienste, Rundfunk) zusammengefasst und vereinheitlicht. [..]”

Quelle: BLM/KJM

Vorsitzender der KJM ist Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), aufmerksamen Planetopia-Zuschauer seit gestern Abend sicher bekannt.

Viel gab es von Herrn Rings KJM seit ihrer Gründung im letzten Jahr zwar noch nicht zu hören (“Verschlusssache Jugendschutz”, leider offline), Aufsehen erregte aber u.a. ein Interview bei Heise aktuell, in dem sich Ring für Internetfilter auf Zugangsebene als “ultima ratio” aussprach. “Ultima ratio” darf hier wohl als Euphemismus gelten: Gesperrt wird, wenn ein Anbieter “unzulässige Inhalte” nicht von selber sperrt.

Dass auch Suchmaschinen im Fokus der hauptamtlichen Jugendschützer stehen, ist dabei nur folgerichtig. Als “Gatekeeper” bieten sie einen zentralen und vergleichsweise einfachen Ansatzpunkt. Das hatte übrigens auch schon der Düsseldorfer Regierungspräsident Jürgen Büssow erkannt:

“[..] Soweit Suchmaschinen systematisch fremde Inhalte erfasst, geordnet und z. T. kommentiert haben, dürften sie als Service-Provider gemäß § 5 Abs. 2 MdStV anzusehen sein. Die dann bereitgehaltenen unzulässigen Angebote dürften einer selbständigen Sperranordnung nach § 18 Abs. 2 MdStV unterliegen. [..]”

Quelle: Sperrungsverfügung vom 06.02.2002.

Siehe dazu auch Heise Online: Bezirksregierung will Suchmaschinen für Inhalte in die Pflicht nehmen (21.10.2003) und Heise Online: Suchmaschinen in Deutschland bald nicht mehr jugendfrei? (11.05.2004).

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Sache hat einen durchaus ernsten Hintergrund, auch wenn es “nur Planetopia” war. Vielleicht werden wir schon bald sehen, ob die Bestimmungen des JMStV auch in der Realität greifen.

PS: Liebe Eltern und solche die es werden wollen: Mit der “Blinden Kuh” gibt eine ganz ausgezeichnete Suchmaschine für Kinder. Auch für die, die nicht nach “Animalsex” und “Muschi” suchen.

Kommentare

  1. Jugendschutz ist ja schön und gut und mit Sicherheit auch sehr witzig, aber man kann es auch übertreiben. Vielleicht sollten Eltern sich mal lieber mit ihren Kindern beschäftigen und schauen was die so machen, statt sich auf irgendwelche “Zugangskontrollen” im Internet zu verlassen.
    Und wie gesagt, man sollte den Jugendschutz angemessen gestalten, sonst kann man auch anfangen, den Verkauf von Flaschen an Kinder zu verbieten, damit kann man sich ja auch verletzen.

    psysp
    07.12.2004, 22:54 Uhr, #
  2. Ups, mir ist ein kleiner aber schlimmer Fehler in meinem Kommentar unterlaufen: “… sehr witzig, aber …” soll natürlich ” … sehr wichtig, aber …” heissen.

    Entschuldigung für diese Missgeschick.

    psysp
    07.12.2004, 22:56 Uhr, #
  3. Jugendschutz in allen Ehren aber wenn man so weit geht, ist der Schritt zur staatlichen Regulierung mit der Ausrede (!) Jugendschutz nicht mehr sonderlich weit hergeholt. Hier sollten meiner Meinung nach viel mehr die Eltern einbezogen werden. Durch spezielle Browser für Kinder, die dann halt auch über eine eigene Browserkennung verfügen, könnten dann auch auch die Suchmaschinen-Provider eingespannt werden.

    Wenn dann ein Kind diese Sache umgeht oder die Eltern einfach so zulassen, dass Kinder nicht den “kindergerechten Browser” verwenden, dann ist wohl die Schuld einfach zuzuweisen ;-)

    Ansich kommt es mir immer mehr so vor, als will man den Firmen bzw. Medien (und auch Medien anderen Konkurrenten) immer mehr die Schuld zu weisen, die zum einen beim Staat selbst (durch die Rahmenbedingungen) bei der Kultur und auch bei den Familien zu suchen ist. Ich zähle hier eigentlich nur deshalb Staat und Kultur auf, da derzeit die Kinder scheinbar deutlich zuwenig Erziehung durch die Eltern bekommen, was ja zum Teil auch daran liegt, dass meistens beide Eltern berufstätig sind und hier und da vermutlich auch mal Überstunden machen müssen ;-) Bitte das nicht falsch verstehen: Das hier ist nicht als “Frau zurück an den Herd” gemeint sondern einfach, dass Familien sich als Ganzes mehr mit den Kindern beschäftigen sollten. Sowohl Vater als auch Mutter :-)

    Horst
    07.12.2004, 23:20 Uhr, #
  4. die beste zugangskontrolle ist, dass kleine kinder wohl nicht wirklich auf die idee kommen, in einer bildersuchmaschine “gruppensex” einzutippen. die erwachsenen aber schon. schlimmer beitrag, der von planetopia.

    Mercedes Bunz
    08.12.2004, 10:59 Uhr, #
  5. Stellt sich dann nur die Frage, ab wann Kinder / Jugendliche nach “Gruppensex” suchen. Ich vermute, dass es allen Eltern mitlerweile schwer fallen wird ihren 12 jaehrigen Sohn insoweit einzugrenzen, als das er nicht die Moeglichkeit haben wird, nach Pornografie zu suchen, so er den wolle.

    Es wird sicherlich Eltern geben, denen es egal ist. Es wird auch Eltern geben, deren anti authoritaere Erziehung ebenfalls den Eingriff in die Erkundungen ihres Kindes verhindern wird aber es gibt auch Eltern, deren Mittel sehr begrenzt sind, weil sie sich bei weitem nicht so gut mit dem Geraet auskennen, fuer das sie eventuell ab 2007 Gebuehren zahlen muessen. Selbst wenn sie einen Einblick in das Surf-Verhalten ihres Kindes bekommen wollten, waeren sie vermutlich nicht alleine dazu in der Lage. Das Problem wird sich auch nicht einfach mit der Zeit aufloesen. Kinder / Jugendliche haben die Angewohnheit ihren Eltern in einigem voraus zu sein.

    Das soll natuerlich nicht den Beitrag von Planetopia rechtfertigen. Das Problem ist aber durchaus vorhanden auch wenn es bisher nicht serioes genug behandelt worden ist, schon gar nicht von Planetopia.

    Igor Schwarzmann
    08.12.2004, 13:05 Uhr, #
  6. Der beste Filter ist ein Logfile, das die Eltern auch ab und zu kontrollieren.

    Torsten
    08.12.2004, 13:34 Uhr, #
  7. Das finde ich nicht. Aus mehreren Gruenden.

    Zunaechst ein Mal muss gewaehrleistet sein, dass sich das Kind nicht ohne Grund kontrolliert fuehlt. Eltern muessen nicht alle Schritte ihres Kindes nachvollziehen koennen oder sogar wollen.

    Ein anderer Punkt ist, dass es Eltern gibt die nach wie vor noch nicht ein Mal wissen, wie sie einen PC einschalten, geschweige den, dass sie ein Logfile lesen koennen.

    Igor Schwarzmann
    08.12.2004, 13:56 Uhr, #
  8. Mich würde mal interessieren., was daran schlimm ist, wenn Kinder nach “Gruppensex” suchen? Ist das schädlich?

    Hans A.
    09.12.2004, 00:01 Uhr, #
  9. Es könnte zu ihrer sozialethischen Desorientierung beitragen.

    Frank Jansen
    09.12.2004, 01:23 Uhr, #
  10. Gott bewahre und hier in AT vor solchen Behörden und Irrsin der bei Euch in DE läuft.

    Mareike

    Mareike
    12.12.2008, 22:23 Uhr, #

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Autor Jörg-Olaf Schäfers

Datum 07.12.2004, 21:10

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