Die Bundesregierung hat für heute in Deutschland, wie auch in anderen EU-Ländern, zum Gedenken der Terror-Opfer in London zwei Schweigeminuten angeordnet. Um 13 Uhr soll jeder innehalten und mit den Angehörigen trauern.
Kaum war gestern die Meldung über den Ticker, wurden die Pressestellen der Radiosender aktiv. Natürlich wolle man nicht hinten anstehen und mitmachen. So heißt es etwa in einer Pressemitteilung der PSR-Mediengruppe in Sachsen (soll hier nur beispielhaft stehen):
Der Geschäftsführer und Programmchef der PSR-Mediengruppe, Klaus Vorbrodt, lässt ebenfalls auf den sechs Frequenzen von RADIO PSR und den 24 Frequenzen von R.SA die Unterhaltung für eine Minute bewusst unterbrechen. “Die unmenschlichen Terrorakte am vergangenen Donnerstag haben uns alle stark betroffen. Klar, dass auch wir beim Radio uns an der Gedenkaktion gern beteiligen”, sagt Klaus Vorbrodt.
Nun wissen wir alle spätestens seit dem Tsunami, wie solche Schweigeminuten aussehen. Und wir wissen auch, dass wirkliche Stille im Radio technisch nicht machbar ist, das Notband würde anspringen und im schlimmsten Fall “was lustiges” spielen. So wird die Schweigeminute im Radio also wieder nur eine Alibi-Aktion um “mit dabei” zu sein.
Immerhin, einige Sender sind so ehrlich, es zuzugeben. So will Hitradio RTL Sachsen nach kurzer Stille “Wish you were here” von Pink Floyd spielen, die Sächsischen Lokalradios wollen “Songbird” von Saxophonist Kenny G. erklingen lassen.
Und bevor sich wieder ob des Schwerpunkts auf Sachsen aufgeregt wird: In den Kommentaren ist Platz für “Schweigeminuten” anderer Sender und was ihr davon haltet…
kann man nicht einfach das micro offen lassen und als moderator mal für ne minute aus dem senderaum gehen? oder ist das zu simple gedacht?
14.07.2005, 08:21 Uhr, #
Unabhängig vom Inhalt wollte ich mitteilen, dass der Link zu dem Artikel mit den Schweigeminuten nicht korrekt ist.
14.07.2005, 08:26 Uhr, #
stimmt. gefixt.
14.07.2005, 09:11 Uhr, #
“technisch nicht machbar”, Notband? Erklärt mir das bitte mal jemand? Würde mich interessieren…
14.07.2005, 11:00 Uhr, #
Bei modernen “Selbstfahrer”-Stationen (also dort, wo der Moderator die Technik selbst bedient) und im Zeitalter der Digitalisierung haben immer mehr Radiostationen ein so genanntes Notband installiert. Das springt immer dann an, wenn aus irgendeinem Grund nichts mehr gesendet wird, die Technik im Studio beispielweise ausfällt. Das dürfte nach 30 Sekunden etwa der Fall sein – damit die Hörer nicht verunsichert werden. Auf diesem Notband befindet sich Musik, die zum Format des Senders passt, die meist durch die Stationsjingles unterbrochen wird. Allerdings eben keine Moderation oder aktuelle Inhalte.
Wenn nun ein Sender vorgibt, er würde um 13 Uhr eine Minute Pause machen, wäre das ein Riesen-”Loch” – der Super-Gau im Radio. Und eben Veranlassung für das Notband, anzuspringen.
14.07.2005, 11:22 Uhr, #
Ah ja, interessant. Aber ich denke dass man auf die Schweigeminute trotzdem einfach nur gerne verzichtet. Das Notband zum Schweigen zu bringen dürfte ja wohl kein Problem sein!?
14.07.2005, 13:03 Uhr, #
Ich habe eine kleiner Übersicht des Schweigeminuten-Fernsehprogramms online gestellt: http://kleinz.net/gedenken/
14.07.2005, 13:13 Uhr, #
Hey, Torsten – sehr cool. :) Danke!
14.07.2005, 20:22 Uhr, #