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Polylux: Früher war alles besser, sogar das 2.0-Ding

Ich fand Polylux ja mal richtig klasse. Habe das RBB-Zeitgeistmagazin sogar in Diskussionen leidenschaftlich verteidigt und das Schlimmste befürchtet, als ihm Ende 2004 durch die Rückkehr von Harald Schmidt der schleichende Tod im Nachtprogramm der ARD drohte.

Dabei war sie auch früher schon da, diese elitäre Arroganz, die bewusste Abgrenzung vom gemeinen Fernsehvolk und die Fokussierung auf Themen, die zwar in Berlin zum Zeitgeist erklärt wurden, ausserhalb aber kaum jemanden interessierten. Natürlich war Polylux mitunter auch reichlich boulevardesk und nicht selten eine inzestiöse Nabelschau, trotz allem aber fast immer sehenswert.

Weil Polylux andere Perspektiven bot. Weil es nicht so verkopft war wie arte noch vor 3 oder 4 Jahren. Weil man sich an Randbereichen der Popkultur abarbeiteten, für die bei MTViva kein Platz mehr und bei den Kulturformaten der öffentlich-rechlichen Sender noch kein Platz war.

Und natürlich auch weil es gut gemacht war. Nicht zuletzt, weil man immer das Gefühl hatte, dass bei Polylux Menschen arbeiten, die nicht selten Teil der Szene waren, über die sie berichteten, die sich und ihre kleinen Reportagen aber weit weniger ernst nahmen, als Kritiker dem Format unterstellten.

060901 kamerakind tita, Harald Schmidt 30.08.2006Und nun Tita von Hardenbergs Auftritt am Mittwoch bei Harald Schmidt. Im Grunde das Gegenteil von dem, wofür ich Polylux früher so geschätzt habe.

Eine peinliche PR-Nummer, bei Kobalt hat man in der Sommerpause das Internet entdeckt. Ein Community-Projekt names Polylog.tv habe man am Start, total 2.0, mit Video und Blog und überhaupt. Wow!

Das Zuschauer sollen brav zuliefern, durch eine redaktionelle Auswahl wolle man dann “das Beste, Klügste, Pointierteste” präsentieren.

Keine “Rülpswettbewerbe”, sondern “wirklich nur gute Beiträge”, keine “Beliebigkeit”. Vor allem aber nicht so einen “Schrott” wie bei YouTube. Man selber wolle nicht weniger als ein “intelligentes YouTube” machen.

Das ist, schaut man sich nun den ersten Beitrag der Chefin an, zum Start nicht wirklich gelungen. Der eingestellte Clip ist einfach indiskutabel schlecht, bemüht aber hilflos stammelt sich von Hardenberg durch den ersten Tag ihres “Videotagebuchs”.

Kurz: Beliebiger Schrott, wie man ihn bei YouTube tausendfach findet. Und damit nach der großspurigen Ankündigung bei Schmidt wohl auch die sicherste Methode, sich die Aufmerksamkeit der bloggenden Zielgruppe zu sichern. Jetzt muss man nur stark bleiben.

Weiter bei Felix und Spreeblick. Oh, und im Wortfeld, natürlich.

Trackbacks

  1. Der Blogbote » Blog Archive » Polylog.tv am Start
    03.09.2006, 17:15 Uhr

Kommentare

  1. Gibs zu, Olaf: Du willst doch nur, dass Tita auch hier kommentiert :-P

    Torsten
    02.09.2006, 08:02 Uhr, #
  2. Das waere redundant.

    Igor Schwarzmann
    02.09.2006, 10:36 Uhr, #
  3. Torsten: Ehrlich gesagt, nein. Davon würde ich mir nichts versprechen. Die Erklärung der Knallgrauen (siehe Link von Igor), dass es furchtbar schnell gehen musste (wo nicht?) ändert ja nichts an der Diskrepanz zwischen der PR-Nummer bei Schmidt und der Realität des Titacasts.

    Auslöser war vielmehr mein innerlicher Aufschrei als ich den Auftritt sah (gestern nachmittag erst) und später die Kommentare bei Spreeblick las. Das hatte
    wenig mit den Lobhudeleien zu tun, die gerade hier bei Medienrauschen in den letzten beiden Jahren zu lesen waren.

    Igor: Bedankt. Ich habe den Link mal oben nachgetragen.

    Jörg-Olaf Schäfers
    02.09.2006, 12:26 Uhr, #

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Autor Jörg-Olaf Schäfers

Datum 01.09.2006, 23:46

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