Die Aufregung war schon ziemlich groß, als die BILD den so genannten BILD-Leser-Reporter vorgestellt hat. Verletzung der Privatsphäre und etliche andere Schlagwörter sind, berechtigterweise, gefallen. Schließlich weiß jeder, dass die BILD jeden Tiefpunkt erreicht, wenn die professionelle BILD-Redaktion es nur will und der richtige Stoff vorhanden ist. Mit dem BILD-Leser-Reporter hat man sich einen konstanten Strom an Informationen, für vergleichsweise wenig Geld, gewährleistet. Prima Sache das. Für die BILD.
Doch wenn ich mir plebstv.com anschaue, so fürchte ich, dass der BILD-Leser-Reporter dagegen wie ein Spielzeug aus vergangener Zeit aussehen wird. Dort gibt es nämlich einige – nein, viele Hürden – bis ein Foto in der BILD-Zeitung landet. Es muss a) wirklich hoch brisant oder extrem peinlich / erniedrigend / irgendwas anderes unnettes sein und b) gibt es eine Flut an solchen Einsendungen von denen nur die wenigsten auch nur annährend in Frage kommen. Offensichtlich gibt es also eine Vielzahl von Menschen da draußen, die bereit sind, auf Kosten von anderen zu ein wenig Taschengeld oder mehr zu kommen. Was passiert also mit den ganzen Fotos, Videos und Berichten? Na klar, sie könnten auf plebsTV landen.
Und es wird noch besser. Mit Hilfe von offener Google Maps API entsteht ein kleines, süßes Mashup, das nicht nur dazu einlädt, die Privatsphäre von anderen bloß zu stellen, sondern dies auch noch mit Geotags zu versehen. Die Kombination aus diesen Daten wird, laut der plebsTV Pressemitteilung (PDF), Folgendes ergeben:
PlebsTV hat es sich zum Ziel gesetzt, die Berichterstattung zu demokratisieren und sich weltweit zum unterhaltsamsten und größten Online-News-Portal zu entwickeln.
Demokratisieren wollen sie. Versteh schon. Und weil man sich so sehr darüber sorgt, unabhängig von externen Einflüssen zu sein, um diesen Demokratisierungsprozess zu schützen, hat man gleich auch das Unternehmen auf den British Virgin Islands eröffnet. Offshore galor!
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Kommentare
Köstlich! :) Man müsste es mal sehen, um zu schauen, obs wirklich so ist, wie Du vermutest. Aber die Anzeichen deuten darauf hin. Wenn man schon mit einer Meldung eines explodierten Wohnhauses wirbt. Und man dann sofort sieht, wo dieses Wohnhaus steht. Grenzwertig…
09.08.2007, 21:17 Uhr, #
Hilfe! Warum benutzen nur so viele Menschen die Formel “Demokratisierung der Berichterstattung” mit positiver Konnotation? Und warum soll “ungefiltert” ein Qualitätskriterium sein? Dienste wie PlebsTV führen das Prinzip Journalismus (Selektion, Verfizierung und Aufbereitung von Informationen) ad absurdum und verkaufen das dann auch noch als erstrebenswert. Die “Nachrichten”-Plörre, die da (vielleicht) enstehen wird, löffel ich jedenfalls nicht.
13.08.2007, 15:02 Uhr, #