Da ist er also nun. Der neue Rundfunkstaatsvertrag. Dieses Machwerk, nach dessen Studium man sich fragt: Huch, ich dachte ich zahle GEZ?
Ja. Tun Sie auch. Hoffentlich.
Aber als Internet-Nutzer mit ARD- und ZDF-Hingabe müssen sie jetzt verinnerlichen, dass sie zwar für Inhalte zahlen. Diese aber nach dem versenden im TV nie wieder zu Gesicht bekommen werden.
Die Mediatheken nämlich – also jene teuer aufgebauten Videoabspielstationen, die ZDF und ARD getrennt voneinander finanzieren – dürfen Inhalte nur noch maximal sieben Tage abspielen. Nix mit dem Traum vom großen Archiv.
Auch bei den Zusatzangeboten müssen die öffentlich-rechtlichen Sender künftig beweisen, dass das Angebot ausschließlich als “sendebegleitendes Material” gilt. Was dazu führt, dass das ZDF beispielsweise bis Ende des Jahres 80% seiner Web-Inhalte vom Server nehmen wird. Und auch der WDR wird drastisch kürzen. Gerichtsurteile, die im “Ratgeber Recht” erwähnt werden, müssen Sie künftig googlen. Oder binggen. Spiele zu den Sendungen des öffentlich-rechtlichen Kinderprogramms müssen Sie künftig überhaupt nicht mehr suchen. Die wird es künftig wahrscheinlich nur noch geben, wenn direkt in der Sendung darüber berichtet wird, wie sie entstehen.
Natürlich kann man nun darüber philosophieren, ob denn die ganzen Inhalte im Netz da auch gebraucht werden. Insbesondere von den Öffentlich-Rechtlichen. Hier hat nicht zuletzt die Verlagsindustrie in Form des VDZ in den letzten Jahren hervorragend gearbeitet um ARD und ZDF aus dem Netz zu verdrängen. Aber vor allem bei den Videoarchiven ist höchst fraglich, warum diese Sieben-Tage-Regel für GEZ-Zahler gut sein soll. Auf Rechner und Fernseher werden mittlerweile GEZ-Gebühren erhoben, Inhalte die damit allerdings finanziert werden sollen künftig nicht mehr abrufbar sein. Da ist es nicht nur lästig, dass man Magazine von vor 12 Tagen nicht nochmals im Web abrufen kann. Es ist auch höchst unlogisch und nicht nachvollziehbar.

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Kommentare
Typischer, schlecht recherchierter obendrein polemischer Blogbeitrag. Schon vergessen, dass es die Internetwirtschaft war und die Privaten TV-Konzerne, die das gefordert haben? Und dann wegen der konservativ-liberalen Mehrheit in den politischen Aufsichtsgremien durchsetzen konnten? Die Öffentlich-rechtlichen konnten grade noch verhindern, dass ihre Webangebote insgesamt ausm Netz verschwinden – das ist die Wahrheit!
02.06.2009, 16:18 Uhr, #
Lieber anony, ja, dies ist eine Polemik. Werde das demnächst noch feiner kennzeichnen. Und nein, das Kriterium der schlechten Recherche lasse ich nicht durchgehen, da genau die bemängelte, angeblich nicht vorhandene Information bereits im Artikel steht ;)
Amen.
02.06.2009, 16:32 Uhr, #
Lieber Herr Gigold,
Ihr Bericht hat eine Schieflage, welche bereits die Überschrift signalisiert. ARD & ZDF schießen sich nicht aus dem Netz, sondern werden geschossen: von den Verlegern, vom BDZV und deren Medienjournalisten, vom VPRT, von Brüssel, von einem Großteil der deutschen Medienpolitik. Vielleicht hätten Sie sich als Medienblogger eher mutig zu einem frei zugänglichen, nicht kommerziellen und qualitativ hochwertigen Internet-Angebot (ja, auch für Kinder) stark machen sollen. Ihr heutiger Eintrag sind gebloggte Krokodilstränen. Aber Ihre Überschrift sagt es ja schon: ARD und ZDF schießen sich (selbst) aus dem Web, sind also mal wieder an allem (selbst) schuld. Noch ein Tipp: Empören Sie doch mal über die Gebührenverschwendung, wenn ARD und ZDF etwa 10 Millionen Euro für die Gutachten der Dreistufentests ausgeben (müssen, weil sie zu diesen dämlichen Tests gezwungen werden). Dafür könnte man tolles Programm machen. Vorschlag: Öffentlich-Rechtliche verschwenden Millionen für Gutachten – oder so ähnlich.
Sorry für meinen Sarkasmus.
Eric Markuse
02.06.2009, 16:41 Uhr, #
Ja, es sind Krokodilstränen. Die Überschrift ist evt. wirklich etwas mißlungen, mir ist schon klar, dass ARD und ZDF nicht freiwillig aus dem Netz gehen. Ich frage mich durchaus für was GEZ-Gelder eingesetzt werden (wenn zum Beispiel MDR Sputnik in Leipzig Werbung an die Wände klebt, obwohl er dort offiziell überhaupt nicht funkt ;) ) und erlaube mir kein Urteil, ob tatsächlich jedes mit dem Grimme Preis ausgezeichnete Web-Special der ÖR nun notwendig waren. Ich hänge mich vor allem am Video-Content auf, denn genau den produzieren die Fernsehanstalten ja sowieso, weshalb ich mich frage, warum sie darüber nicht in der Form verfügen dürfen, dass sie es den Leuten zur Verfügung stellen, die dafür zahlen. Und die privaten Verlage und Sender dürfen ihre Sendungen ja auch bis zum jüngsten Gericht im Netz lassen. Insofern ist das auch kein Vorwurf in Richtung der ÖR, sondern in Richtung derer, die den neuen Vertrag so durchgehen haben lassen. Voller Erfolg für die Verleger.
Ich denke nicht, dass ARD und ZDF alles im Netz machen sollen dürfen. Aber so strikt begrenzen – insbesondere eben auch was die Verweildauer von Inhalten im Netz anbelangt – sollte man es auch nicht. Natürlich sind es Krokodilstränen, anderes ist nach dem Inkrafttreten ja auch nicht mehr möglich. Und die BBC sieht sich ja dank Brüssel vor ähnlichen Problemen. Wäre die Frage, wie eine Ausgewogenheit aussehen würde, die auch denen zugute kommt, die GEZ zahlen. So wie der neue Staatsvertrag nun vorsieht empfinde ich es als nicht tragbar.
02.06.2009, 16:58 Uhr, #
ARD und ZDF wollen gar nicht alles im Netz. Sie könnten es auch gar nicht bezahlen. Es geht hier allein darum, das Netz als Vertriebsweg für ihre audiovisuellen Inhalte und als moderne Kommunikationsform nutzen zu dürfen. Ich weiß, wovon ich rede. Ich bin, wie Sie wissen, verantwortlich für MDR Sputnik, ein multimedial ausgerichtetes Jugendkultur-Programm. Unser Auftrag ist es, eine junge Zielgruppe mit unseren Inhalten zu erreichen. Und das geht heute nur noch übers Netz. Wenn man die Nutzung unseres Contents durch überflüssige und willkürliche Zeitlimits (die der Webnutzung völlig widersprechen und bei unseren Usern fassungsloses Kopfschütteln hervorrufen) einschränkt, haben wir schon verloren. Aber vielleicht ist es ja genau das, was man erreichen will.
Kleiner Seitenhieb: Unsere Werbung in Leipzig hat Sputnik (und uns Gebührenzahler) nichts gekostet! Es war ein von einer Plakatfirma gesponsertes Studenten-Projekt. Wurde schon in einem anderen Blog falsch behauptet und wird auch durch Ihre Wiederholung nicht wahr. Außerdem sendet Sputnik sehr wohl für Leipzig und hat dort viele Hörer.
Macht permanentes Ö-R-Bashing eigentlich Spaß?
02.06.2009, 17:18 Uhr, #
Okay, das mit dem “permanenten Bashing” war nicht so gemeint ;-)
02.06.2009, 17:22 Uhr, #
@ t. gigold:
kein sputnik in leipzig? das knöpfchen schon mal auf 104.4 gedreht?
gruß,
a.
02.06.2009, 17:23 Uhr, #
Sputnik in Leipzig ist ein “Grenzfall” (harhar … Wortwitz) … ok, den Background zur Plakataktion kannte ich nicht. Mea Culpa.
Das soll jetzt aber auch nicht wirklich Thema sein, mir ging es eher um das “Videoverbot” der ÖR … Ich stimme Eric Markuse da völlig zu, dass es ein großer Wettbewerbsnachteil ist, der den ÖR da in den Staatsvertrag geschrieben wurde. Ist den Radiosendern eigentlich verboten, Podcasts länger als sieben Tage online zu stellen?
02.06.2009, 17:35 Uhr, #
Oh, und nein, geschätzter Eric Markuse, ich will die ÖR nicht dauernd bashen. Ich hab Euch (speziell Euch, als Sputnik) sehr lieb (aka tgl. sehr im Ohr). Ich liebe die Maus und andere Kinder-Erklärformate, das Bilderbuch Deutschland, … Wirklich. Deswegen weine ich ja wegen des “Internetverbots”.
02.06.2009, 17:41 Uhr, #
Danke für den Seelenbalsam! Und nochmals sorry für den etwas barschen Ton. Das Thema bringt mich auf die Zinne.
02.06.2009, 17:54 Uhr, #
Die Klarstellung Sputnik und Leipzig will ich doch mal schwer gehofft haben … Selbst die Behauptung, Sputnik sende nicht für Zittau und nicht für Eisenach würde ich nicht auf mir sitzen lassen. Oder sendet 1LIVE Kunst auch nicht für Nordrhein-Westfalen, nur weil es dort ausschließlich über Internet empfangbar ist und nicht via UKW? Gut, mittlerweile sendet 1LIVE Kunst gar nicht mehr. Auch ein Schritt? Zu erwähnen wäre noch das neue Internetangebot des WDR: http://MeinWDRRadio.de …
Geht das jetzt nicht entgegen dem Trend?
02.06.2009, 19:38 Uhr, #