Es ist mal wieder soweit, dank Krombacher wird Biergenuß zum Charity-Event.
Mit dem Slogan “Gute Sache, gutes Bier!” geht am 1. April 2006 die Krombacher Spenden-Offensive an den Start. Das Projekt läuft über mehr als drei Monate bis zum 9. Juli 2006. In diesem Zeitraum wird die Krombacher Brauerei für jede verkaufte Flasche Krombacher einen Cent für die gute Sache spenden.
Und damit das auch ja was wird mit den 3 Millionen, haben die Gerstensaft-Philanthropen aus dem Sauerland keine Kosten und Mühen gescheut und dieses Mal gleich drei Testimonials gebucht.
Für die Krombacher Spenden-Offensive gibt es tatkräftige Unterstützung von prominenter Seite. Neben TV-Moderator Günther Jauch werden Fußball-Idol Rudi Völler und Kabarettist und Schauspieler Ottfried Fischer für das Projekt Pate stehen.
Die drei erklären dem dürstenden Volk nun in unzähligen TV-Spots, wie die Cent-Offensive 2006 ablaufen soll. Gut, das ist nicht ganz billig,* aber wer Gutes tun will, muss halt auch mal ein wenig Geld in die Hand nehmen.
Am Ende lohnt es sich ja auch. Lohnt es wirklich? Nun, für die Krombacher-Bauerei sicherlich. In den vergangenen Jahren jedenfalls hat sich das Engagement an der Spendenfront äusserst erfreulich auf die Umsatzzahlen ausgewirkt.
Lohnt es sich aber auch für die unterstützten Projekte?
Klar, auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist. Was für die größte deutsche (Pils-)Brauerrei Peanuts im Werbeetat sind, sind für das Deutsche Kinderhilfswerk, die Deutsche Knochenmarkspenderdatei oder den World Wildlife Found dringend benötigte Gelder.
Die Relationen zwischen Werbewert, Selbstdarstellung und angepeilter Spendensumme zeigen allerdings recht deutlich, wo der eigentliche Focus der Kampagne liegt (Auch wenn die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Brauerei und Günther Jauch das freilich ein wenig anders sehen).
Sehr lesenswert zum Thema: Lars Trebings Auseinandersetzung mit den Regenwald-Kampagnen der vergangenen Jahre:
Die ganze Aktion hilft dem Regenwald geradezu lächerlich wenig, während sie andererseits die neu erworbene Position der Krombacher Brauerei als größter Brauerei Deutschlands festigt – und das Ganze mit dem »guten Namen« WWF drauf und dem guten Gewissen für den Endverbraucher, der Natur vermeintlich sehr zu helfen. Dabei könnte er mit einer Spende von 11,50 Euro soviel Regenwald schützen wie mit über 150 Kästen Krombacher Bier und würde gleichzeitig die Gefahr vorzeitigen Leberversagens meiden.
*Nun hinterfragt doch nicht immer alles. Natürlich übersteigt bereits der Media-Etat der Kampagne die angepeilte Spendensumme entspannt um ein Vielfaches.
Gut 100 Tage massive TV-Präsenz sind auch bei branchenüblichen Rabatten nicht gerade günstig (Es ist zwar maximal unsinnig, aber rechnet einfach mal mit 20.000 Euro für 30 Sekunden. Macht bei 10 Spots pro Tag (sind wohl mehr) und gut 100 Tagen … eben).
Zählt aber nicht, geworben wird ja eh. Da kann man auch mal für die gute Sache saufen …

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Kommentare
Sowas nennt man neudeutsch wohl Responsible Marketing. Wie responsible das ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt…
26.04.2006, 11:27 Uhr, #
Gab es da nicht im letzten Jahr Klagen der Konkurrenz-Firmen? Man muss sich ja fast schon schämen, wenn man Becks kauft, weil man dann als Umweltsünder beschimpft wird. Potenziell.
26.04.2006, 13:23 Uhr, #
Gerrit: Letztes Jahr gab es offenbar keine Spendenaktion, oder ich habe sie übersehen. In den Jahren zuvor gabe es immer mal wieder Klagen und einstweilige Verfügungen in deren Folge die Kampagnen umgebaut wurden. Siehe den Link zu Lars Trebing, prima Job.
26.04.2006, 15:20 Uhr, #
Da gab`s doch im letzten Jahr auch mal einen Artikel im Spiegel darüber. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass der Artikel sehr kritisch war und die verschiedenen Unternehmen wie Krombacher und so alles andere als gut weg kamen!
26.04.2006, 15:53 Uhr, #
Danke für den Tipp, das dürfte der hier sein:
Die 50 Cent, die der Spiegel für die 3 Seiten haben will, sind gut angelegt. Ziemlich brauchbare Zusammenfassung zum Thema „Responsible Marketing“, Stand Sommer 2005. Zum Thema Krombacher gibt es im oben verlinkten Text allerdings mehr Infos.
26.04.2006, 17:48 Uhr, #
@hpt:
Du meinst, Du kaufst Dir eine Teak-Gartenbank und rettest mit Krombacher ein paar Quadratmeter Regenwald, damit Dein Nachbar sich nur eine aus Fichte hinstellen kann? Wie gemein ;)
27.04.2006, 11:33 Uhr, #
Hi there,
The “Spenden action of Kromabacher” is a good example of logic fallcy.
The advertisement is fit to these two fallacies:
Appeal to Authority (Ad verecundiam) and Appeal to Emotion.
If you have no idea about these fallacies, please allowed yourself have some time to check it out on internet web sites for explainations.
You will find how helpful these fallacies are, and the falacies will givivng you a clearer view about Krombacher’s advertisement.
Thanks to Krombacher. They are not only helping the sick chiledren, but also helping children to understand what are logic fallacies.
20.05.2006, 16:05 Uhr, #
Ich suche das – ironische Gedicht – über die “Rettung des Regenwaldes durch Saufen” – wer kann mir helfen?
08.08.2006, 10:52 Uhr, #
Habe gerade die Werbung gesehen.
“Mehr als 83 millionen quadratmeter Regenwald gerettet”
Nun nehmen wir mal den Taschenrechner. Eine Millionen Quadratmeter sind ein Quadrat Kilometer.
Dann hätten wir also 83 quadrat Kilometer.
Etwa die Hälfte von Liechtenstein. Das ist ja wohl nicht wirklich viel.
Und dann frage ich mich: Wer kontrolliert das?
Hat jemand Ahung über die Grundstückspreise in Südamerika?
01.09.2008, 16:08 Uhr, #