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Kriminologischpopulistische Kompetenz

Wer hier schon länger mitliest, hat sicher schon mitbekommen, dass ich von Prof. Dr. Christian Pfeiffer, “Leiter des Kriminologischen Institut in Niedersachsen und Jugendforscher”, so ziemlich gar nichts halte.

Warum? Zum Beispiel wegen solcher Aussagen in einem Hörfunk-Interview (gestern, WDR5), die an Realitätsferne kaum zum überbieten sind:

Die Alterseinstufung beschert ja so einem Spiel eine Art Adelstitel. [...] Und dann will man’s unbedingt haben, weil’s ja durch die Werbung jedem präsent ist, wie toll das Spiel ist. Ein indiziertes Spiel dagegen, davon erfährt man nichts, weil es keine Werbung gibt, weil man es in keinem Kaufhaus sehen kann. Wir können nachweisen: Die alterseingestuften Ab-16-Spiele, Ab-18-Spiele haben die Kids in Massen, aber die indizierten gar nicht.

Ahja, wenn böseböse Spiele indiziert werden, darf sie der Medienmarkt nicht mehr in seinem Multimediaprospekt bewerben. Logisch. Und wenn sie erstmal nicht mehr beworben werden dürfen, erfährt niemand von ihnen? Folglich muss man auch nicht mehr um die sozialethische Desorientierung der Kids fürchten? Ja, nun. Gibt es in Niedersachsen eigentlich schon Internet?

Lustig der Mann, oder? Nun, weniger lustig ist, dass Pfeiffer einer der meistzitierten “Experten” ist, wenn konservative Politiker ihre Vorstöße mit “wissenschaftlichen Fakten” untermauern.

Transcript des Interviews (PDF) – via Nico Lumma.

Kommentare

  1. Technikfeindliche Leute wie diese über Computerangelegenheiten entscheiden zu lassen, ist als würde man einem Bundeswehrgeneral die Tierschutzrichtlinien oder die Rechtschreibreform überlassen. Einfach unsinnig.

    Peter
    17.02.2007, 21:07 Uhr, #
  2. Zu C64-Zeiten waren indizierte Titel wie Silent Service eigentlich bei jedem in der Schublade zu finden. Eine Kopie von dem Spiel zu bekommen war überhaupt kein Problem. Das war noch bevor man sich im Internet über sowas informierte. Wenn das damals schon nicht funktionierte wüsste ich zu gerne wie Herr Pfeiffer sich das heute vorstellt und vor allen Dingen wüsste ich gerne auf was er sich bei solchen Aussagen beruft?

    Heide
    17.02.2007, 21:15 Uhr, #
  3. “Silent Service” war ein großartiges Spiel. War das wirklich indiziert? Davon haben wir damals als Kids (1985 war ich 13) nichts mitbekommen. Wundert mich auch ein wenig, “Silent Service” war ja eher eine U-Boot-Simulation, kein “Killerspiel”.

    Ah, tatsächlich, es war damals wirklich indiziert. Nunja, wir hatten halt kein Internet.

    Jörg-Olaf Schäfers
    17.02.2007, 23:07 Uhr, #
  4. Den notwendigen Diskurs über eine womöglich zunehmende gesellschaftliche Verwahrlosung – die nicht zuletzt von der Politik aktiv mitbetrieben wird – und deren Folgen gerade im Bereich der Kinder und Jugend erspart man sich offenbar gerne. Das ist mit geistiger Arbeit verbunden, erfordert fachliche Kompetenz und ein positives gesellschaftliches Bewusstsein – Empathie.

    Wie viel einfacher und billiger zu haben sind da doch die Forderungen nach strikten Verboten und schärferen Gesetzen.

    Man erhält schnellen Beifall aus dem breiten Kreis schlichterer Seelen und nimmt die mediale Aufmerksamkeit gerne mit.

    Man muss sich die Welt nur ganz einfach erklären wollen. Das geht schon…

    Boris
    17.02.2007, 23:10 Uhr, #

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Autor Jörg-Olaf Schäfers

Datum 17.02.2007, 18:42

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