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Nachtrag (12.11.06): Die “Gewinnerin” des Uservotings für das Beste Weblog (kategorienübergreifend) äußerte sich gestern so:
“Denn unabhängig davon, ob ich beim Userpreis nun an erster Stelle stehen sollte, würde ich einen solchen Preis nie annehmen!!“
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Heute abend wurden im Museum für Kommunikation in Berlin die Gewinner des „Internationalen Weblog-Award – The BOBs“ (Best of the Blogs) bekanntgegeben. Internetnutzer konnten herausragende Weblogs in 15 Kategorien vorschlagen und vier Wochen lang über deren Preiswürdigkeit abstimmen. Parallel setzte sich eine Jury aus Onlinepublizisten zusammen um ebenfalls ein Votum abzugeben, das scheinbar gleichrangig mit dem User-Voting rangiert. Die Kategorien umfassen Best Weblog, Best Podcast, Best Corporate Blog, Reporters Without Borders Award, Blogwurst Award and Best Weblog / Language (Arabic, Chinese, Dutch, English, French, German, Persian, Portuguese, Russian, Spanish).
Allerdings ist das User-Voting keine Schicksalsfrage sondern Fleißarbeit. So finden sich bei
diversen Nominierten astronomische Klickzahlen und sogar richtige Zweikämpfe. Innerhalb kürzester Zeit – z.B. letzte Nacht – stiegen die abgegebenen Stimmen für einen Nominierten um 300%. Das kann allerdings nicht mit rechten Dingen zugehen. Ist es doch recht unwahrscheinlich, daß sich so spontan und kurz vor Schluß Fans des einen oder anderen Weblogs zusamenrotten um eine finale Attacke starten.
Doch Schluß mit den Plausibilitätsargumenten. Der Klickbetrug funktioniert. Jeder konnte das selbst überprüfen: Weblog seiner Wahl anklicken, Phantasiename, – emailadresse und Zahlencode eingeben, Häkchen bei Zustimmung zum Kleingedruckten und ab ging die Stimme. Innerhalb kürzester Zeit ließen sich so, aufwendig und ermüdend allerdings, einige hundert – oder gar tausend – Stimmen generieren.
Nachgefragt bei Intat, der Firma, die die BoBs-Seite und das Abstimmungsformular programmiert hat, will man keine Auskunft geben, erwähnt aber die umfangreichen Manipulationsmöglichkeiten an Wahlmaschinen z.B..
Der Projektleiter der BoBs, Gabriel González Zorrilla, kennt die Manipulationsmöglichkeiten, die natürlich nicht neu waren und schon in den letzten Jahren angemahnt wurden und, so räumt er ein, man sei damit auch nicht so wirklich glücklich. Ein anderes Mittel zur Beschränkung der Abstimmungen als die manuelle Eingabe eines Zahlencodes hätte man aber nicht, da alle Varianten der Einschränkung der Zugangsmöglichkeiten auch manche Nutzergruppen ausschlössen auf die man auch nicht verzichten wolle. Die BoBs seien vordringlich eine Jury-Auszeichnung, das würde immer betont, die User-Votings seien, auch ob ihrer Manipulationsanfälligkeit, nur äußerst nachrangig. Frage sei ja sowieso nur wieviele seiner Anhänger ein Blogger mobilisieren kann. Wofür, bleibt dem jeweiligen Interpreten überlassen.
Geradezu niedlich mutet hier, angesichts dieses Skandals, die Entrüstung unseres Berufsempörlings Don Alphonso über die Aufforderung zur “Manipulation der Abstimmung” von Germanblogs zugunsten des “Textspeiers” an.
Wenn die User-BoBs keine echte User-Entscheidung widerspiegeln – oder deren Votum nur schwer zwischen den Produkten einer einsamen Klick-Nachtschicht auszumachen sind, dann sollte man konsequenterweise auf sie verzichten, auch auf die Gefahr des Elfenbeinturm-Vorwurfs.
Sollte das User-Voting allerdings nur dazu dienen die blöden Blogger bei der Stange zu halten und überhaupt für eine solch durchaus diskussionswürdige Veranstaltung zu interessieren, dann wäre diese Haltung an Zynismus nicht mehr zu übertreffen und den engagierten BoBs-Organisatoren nicht zu wünschen.
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Kommentare
Also es gibt schon Moeglichkeiten zumindest ausufernden Betruegereien einen Riegel vorzuschieben.
Eine Bestaetigungsmail ueber die angegebe e-Mailadresse dessen, der abstimmt waere eine Moeglichkeit.
Das reduziert dann bei den meisten Usern die Anzahl der abgegebenen Stimmen auf den einstelligen Bereich.
-m*sh-
12.11.2006, 14:50 Uhr, #
Unabhängig davon, bei der Preisverleihung gestern Abend wurden in den Ansprachen nicht auf das Uservoting eingegangen. Ich weiß nicht, ob es eine Rolle in der Jurydiskussion spielte, aber gennant wurde es nicht.
12.11.2006, 16:17 Uhr, #
in der juryentscheidung spielt das uservoting offenbar keine rolle. hier gelten andere kriterien. interessant daß man die userentscheidung einerseits kleinredet – andererseits aber auf der webseite an die erste stelle stellt …
12.11.2006, 16:35 Uhr, #
Ich wundere mich manchmal, mit welch kurzzeitigem Gedächtnis Menschen unterwegs sind. Für mich (und viele andere Seitenbetreiber) ist die “Deutsche Welle” bereits seit 2001 -> http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4727/1.html tabu, wenn es auch nur ansatzweise um [die Bewertung von] Internetkompetenz geht …
13.11.2006, 16:06 Uhr, #
Na ja, na ja, also ich denke mir mal, der Userpreis ist deshalb da (und hat auch seine Berechtigung, meiner Meinung nach), um die Leser zu animieren sich für den Preis zu interessieren und sich vielleicht auch mal mit den anderen Blogs zu beschäftigen – auch wenn dem sprachliche Grenzen gesetzt sind. Übrigens habe ich nirgends entdeckt, dass man nur einmal abstimmen kann/soll – wo steht denn das???
14.11.2006, 13:49 Uhr, #
das ist richtig, das wurde nicht explizit vorgegeben – ginge ja auch nicht, da es offenbar nicht kontrollierbar ist. das problem ist doch, daß die leute veräppelt werden, die glauben hinter uservoting verbirgt sich eine bestimmte menge an usern – dabei müßte das “user voting” in diesem fall eigentlich user mobilization heißen …
16.11.2006, 12:46 Uhr, #