Als Medienwissenschaftler die Berufsaussicht “Taxifahrer” prognostiziert zu bekommt, ist alles andere als neu. Doch dass man mittlerweile schon Probleme mit dem bloßen Studieren von Medienstudiengängen hat, ist wirklich traurig. Prototypisch für viele deutsche Universitäten sind die folgenden drei Beispiele:
Die Gelder für die Universität zu Köln wurden deutlich gekürzt, was zur Folge hat, dass die interne Verteilung nur noch als Katastrophe zu bezeichnen ist.
Deshalb muss die Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft in Köln nun ihre Bibliothek voraussichtlich für einen Monat schließen, da kaum noch Etat für Bibliothekspersonal übrig ist. Die Videoabteilung, welche zu wissenschaftlichen Zwecken Querschnitte durch das Fernsehprogramm aufzeichnet, Filme archiviert und den Studenten Produktionsgrundlagen beibringt, bleibt bis auf Weiteres komplett geschlossen. Keine der drei Hilfskräfte kann weiter beschäftigt werden und ein eigenes Budget war sowieso nie vorhanden.
Der Diplomstudiengang Medienwissenschaften in Paderborn, der sich aus Medienkulturwissenschaften, Medieninformatik und Medienökonomie zusammensetzt, hat sogar die einzige Professur für Medienökonomie gestrichen bekommen, ebenfalls mit der Erklärung, es seien keine finanziellen Mittel vorhanden. Komisch nur, dass die Wirtschaftspädagogik zur gleichen Zeit eine Professur dazu bekommen hat.
Auch in Köln gibt es Diplom-Medienwissenschaften und ähnlich wie in Paderborn kann man aus mehreren Medienfächern wählen, die dann gepaart den Studiengang ausmachen. Aber dort konnte nichtmal eine einzige eigene Professur für den gesamten Studiengang eingerichtet werden. Man ist angewiesen auf die Lehrveranstaltungen anderer Studiengänge. Zusätzlich wurde aus Kapazitätsgründen das Fach Medienpsychologie für Studienanfänger zwei Jahre hintereinander geschlossen.
Ähnlich geht es auch vielen weiteren Studiengängen, vor allem jenen der philosophischen Fakultäten. Und was passiert nun? Die Studiengebühren (500 Euro pro Semester) werden eingeführt und wahrscheinlich bekommen die Universitäten dann ihr ursprüngliches Budget zurück, damit man behaupten kann, man habe die Gelder erhöht. Was aus zukünftiger Sicht ja auch zutrifft.
Schade, augenscheinlich kann man Medienstudiengänge ab sofort nur noch studieren, wenn man jeden Monat 400 Euro+ für eine private Hochschule besitzt.
Trackbacks
Kommentare
Das mit den Studiengebühren ist der größte Witz überhaupt. Unter vorgehaltener Hand wird dann auch mal darüber gesprochen, dass bis zu 30% der Studiengebühren in die Verwaltung eben von diesen Studiengebühren gehen könnten – eine gewaltige Geldvernichtungsmaschine. Ganz davon abgesehen, dass es insgesamt kaum einer Uni besser gehen dürfte (Stichwort steigende Energiekosten + kein Inflationsausgleich sondern festfrieren bisherige Förderhöhen [bis zur nächsten Wahl, weiter reichen die Verpflichtungen vieler Politiker ja leider nicht]).
In NRW ist das noch schöner. Da werden nämlich gleichzeitig zur Einführung von Studiengebühren Universitäten zu Körperschaften, die dann keine Einrichtungen des Landes mehr sind. Das bedeutet einerseits, dass eine Universität, die mit der von Landesregierung und Tageszeitungen in Anführungsstriche gesetzen Unterfinanzierung nicht klar kommt, unter Umständen auch komplett schließen muss (das Land hält sich dann heraus, hat keine Verpflichtungen mehr), wobei die im Hochschulfreiheitsgesetz vorgesehen Verfahren keine wirkliche Sanierung vorsehen. Zum anderen sind Unis dann voll von vielen Steuern betroffen, da die Befreiung davon nur für staatliche Einrichtungen gilt – etwa für die Miete. Dazu kommt die erhöhte Mehrwertsteuer und sinkende Immatrikulationszahlen (die es bisher in jedem Land gab, in dem Studiengebühren eingeführt wurden).
Da sich die Förderung der Unis an den Studentenzahlen orientiert, könnte man gesamtgesellschaftlich gesehen froh sein, wenn -sorry- “nur” die Medienwissenschaften kürzen und schließen müssen. Das wäre deutlich unter dem Effekt, der teils befürchtet wird.
Viel früher dürfte es allerdings die klassischen “brotlosen Künste” treffen.
14.07.2006, 15:12 Uhr, #
Da muss ich Achim recht geben, besonders zu dem letztgenannten Punkt. Die Medienwissenschaften im Allgemeinen haben ja noch den Vorteil ein relativ moderner Wissenschaftsbereich zu sein an dem sich vielleicht sogar noch die Wirtschaft erwärmt (ich denke da zum Beispiel an die Medieninformatik) und ein paar Drittmittel mehr an die Universitäten rüberwachsen läßt. Für andere Studiengänge sehe ich da auch viel eher schwarz.
14.07.2006, 15:28 Uhr, #
Wir haben ähnliche Probleme bei uns mit der Sparte “Medienmanagement” innerhalb des BBA/BA Internationales Management und MA Management Studies. Zwar geht es nicht um den Fortbestand der Professur, sondern darum, dass sie seit 3 Jahren wegen Beurlaubung vertreten wird. Ein Signal, ob die seit längerer Zeit durch Abwesenheit glänzende Professorin wieder zurückkommt, wird aus taktischen Gründen immer wieder herausgeschoben… so dass eine eventuelle Neuberufung der Professor richtig schön aussteht. Dann gibt es noch solche Steine im Zulassungsverfahren für den Master, dass man sich fragt, ob man nicht konsequent als Absolvent des Bachelors an selbiger Universität verarscht wird. Es kocht und brodelt.
14.07.2006, 16:29 Uhr, #
Ich kannte bisher das Argument der Gebührengegner, dass sich das Land mit Verweis auf die Erträge aus Studiengebühren weiter Finanzierung der Hochschulen zurückziehen wird.
Zumindest hier vor Ort ist es nun so, dass den Fakultäten ein durchaus warmer Geldregen aus Gebühreneinnahmen in Aussicht gestellt wurde.
Das wären Mittel, die tatsächlich für die Verbessuerung der Lehre eingesetzt werden könnten. Gelder, die man durchaus gerne nimmt (und dringend benötigt), auch wenn Gebühren politisch abgelehnt werden.
Böse Zungen behaupten nun, es handele sich um (einmalige) Schweigegelder, mit der sich das Rektorat den Rücken freihalten will.
Schaun mer mal
14.07.2006, 17:27 Uhr, #
Ich bin ja immer für Pizzafahrer. Pizzen reden nicht so viel wie Fahrgäste… Aber es ist fast schon beruhigend, wenn andere Medienwissenschaftler auch nicht das Gefühl haben, auf einen bestimmten Beruf vorbereitet zu werden. Wenigstens gleiche Ausgangslage ;)
14.07.2006, 22:04 Uhr, #
DAbei darf man nicht vergessen, dass die Uni nicht auf einen Beruf vorbereitet, sondern auf das wissenschaftliche Arbeiten. Ein wenig vermisse ich in dem Artikel die Uni Göttingen, an der der Studiengang Medien- und Kommunikationswissenschaft mit vier Professuren komplett geschlossen wurde / bzw. abgewickelt wird.
15.07.2006, 13:21 Uhr, #
Dafür wurde in Regensburg ein neuer Studiengang Medienwissenschaft kürzlich installiert.
15.07.2006, 18:10 Uhr, #
Ich verstehe nicht, warum all die, die jetzt “abgewickelt” werden,
so ruhig bleiben. Wie kräftig muss der Tritt in den Hintern denn noch sein?
Salut;-) Skorpionin
17.07.2006, 06:20 Uhr, #
@peter
Glückspilz
In Kiel werden die Medienwissenschaftler immer noch ein wenig mißtrauisch beäugt, und da man sie auch nicht wirklich ernst nimmt, muss man nicht nur die Grundlagen der Literaturwissenschaft dazu lernen (sehe ich ja auch noch ein), sondern auch gleich noch ein germanistisches und mediävistisches Grundwissen dazu aufgebrummt bekommen.
So langsam sollte ich die Medienwissenschaft-Einführung mal wieder besuchen, mein Kopf brummt von Verbvalenzen und mittelhochdeutschen Ablautreihen …
19.07.2006, 15:44 Uhr, #
nach all diesen negativ-bespielen:
http://www.ijk.hmt-hannover.de
hier ist bis jetzt alles so, wie es sein sollte :)
30.07.2006, 02:34 Uhr, #