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Internet ist kein Fernsehen – die vermeintliche Erfolglosigkeit der Elke Heidenreich im Internet

Der Medienwandel ist im Kommen, dass er allerdings noch nicht da ist, wo ihn mancher gern hätte, merkt Elke Heidenreich gerade. Die Frau an der Buchwerbefront wanderte nach ihrem Rausschmiss beim ZDF mit “Lesen!” ins Internet ab und muss sich nun mit einem Bruchteil der bekannten Reichweite zufrieden geben.
Hatte Heidenreich im ZDF noch eine Million Menschen erreicht, klickten ihr erstes Web-Video “nur” 158.000 Zuschauer an. Das aktuell zweite Video wollten bisher 63.000 Menschen sehen.

Das sind im Fernsehen grauenhafte Werte. Im deutschsprachigen Internet für Bewegtbilder allerdings durchaus respektable Zahlen. Denn Internet ist eben noch immer kein Fernsehen. Der große Kasten, der seit 80 Jahren die Haushalte in Deutschland bestrahlt (als TV-Startjahr hierzulande gilt 1928) strauchelt dank ins Internet verschobener Mediennutzung zwar, kommt an einem durchschnittlichen Abend allerdings noch immer auf weit höhere Reichweiten als 90% aller Web 2.0-Angebote im Monat.

Am Ende entscheidet sich der durchschnittliche Mediennutzer derzeit dann eben doch noch für Fernsehen vor dem Internet-Stream. Daneben wird ein auf Spiegel Online präsentiertes Video aufgrund der täglichen Penetration erfolgreicher sein als ein unregelmäßig oder mit weiten Abständen erscheinendes Video auf einer bis dato vollkommen unbekannten Plattform, das ohne unterstützende Werbung und Bekanntmachung auskommen muss.
Insofern können die Macher der litcolony-Plattform, die Heidenreichs Sendung online präsentiert, durchaus zufrieden sein mit den bisherigen Zuschauerzahlen. Die Top-Sendung des seit 01.01.2009 durch die AGF erfassten, öffentlich-rechtlichen, ZDFinfo hatte am Neujahrstag insgesamt 40.000 Zuschauer, aber selbst andere öffentlich empfangbare “Rand”-Sender wie Tele5, Das Vierte oder DMAX und das als Vollprogramm eingestellte Comedy Central haben im Schnitt etwa 300.000 bis 1.000.000 Zuschauer.

Das nun fast ein wenig hämisch über die Erfolglosigkeit eines “Lesen!”-Videocasts geschrieben wird, ist zumindest fragwürdig, wenn man ohne vergleichbare Zahlen auf die 63.000 Zuschauer verweist. Wie hoch bspw. sind die Zugriffszahlen auf die Videos der anderen prominenten Video-Literaten auf litcolony? Wie hoch sind die Zugriffszahlen auf den tgl. Videocast Ehrensenf?

Fehlender Quotendruck – auch bei öffentlich finanzierten Rundfunkanstalten stehen schon lange alle Programmentscheidungen auf den Stützen der Einschaltquote – kann im übrigen auch beflügeln; da kann Christian Ulmen für Heidenreich durchaus zum Vorbild taugen.

(Anmerkung: Der im Eintrag vorher gezogene Vergleich zum VOX-Spielfilm ‘Sideways’ war aufgrund eines Kommafehlers falsch)

Trackbacks

  1. Internet ist kein Fernsehen | bluelectric.org
    04.01.2009, 13:57 Uhr
  2. Ξ LINKLOAD vom 05.01.2009 Ξ UPLOAD - Magazin für digitales Publizieren Ξ
    05.01.2009, 20:36 Uhr
  3. Vermarktung von Video- Angeboten im Web | Trends | Marketing Welten
    09.01.2009, 13:42 Uhr

Kommentare

  1. Der Film bei Vox hatte 67.000 Zuschauer. Der im Atikel aufgeführte Link führte zu einer Aufzählung der Zuschauer von 14 – 49. Insofern ein Vergleich, der nach hinten losging.

    tom
    04.01.2009, 16:14 Uhr, #
  2. Im TV zählt vor allem Zielgruppe, und da ist dann recht egal ob man 38.000 in der Zielgruppe oder 67.000 insgesamt hat … Das sind 5.000 mehr als Heidenreich mit ihrer Zweit-Web-Show bisher hatte, fast nix also ;) (ok, ok ..)

    Was mir allerdings auffällt: Bei sevenload, die ja die Videos von Frau Heidenreich hosten, hat die aktuelle Ausgabe nur etwas mehr als 15.000 Views, und die Erstausgabe 83.000 … Werden da nur die auf sevenload.de generierten Views gezählt?
    http://de.sevenload.com/videos/tQrxF7K-Lesen
    http://de.sevenload.com/videos/LdGxrOl-ohne-Titel

    medienrauschen, Thomas Gigold
    04.01.2009, 18:43 Uhr, #
  3. Guter Artikel!

    Johannes
    04.01.2009, 21:36 Uhr, #
  4. ?
    0,38 Mio. sind doch immer noch 380.000 ? So oder so sind das deutlich mehr als 67tausend.

    Robert
    04.01.2009, 22:13 Uhr, #
  5. Ja, das stimmt … Ähm.
    Peinlich. Sorry für den dicken Faux-Pas.

    medienrauschen, Thomas Gigold
    04.01.2009, 22:59 Uhr, #
  6. nicht so schlimm, irgendwie habe ich mich ja auch anstecken lassen von dem Kommafehler…

    ;-)

    Ansonsten: Heidenreich selbst wird vor Beginn ihres Internet-Vorhabens bei heise.de zitiert “Nach einiger Zeit werde sie dort bestimmt mehr Zuschauer haben als bisher im Fernsehen, sagte sie”

    Ich glaube, die “Gehässigkeit” ihr gegenüber hat sie mit ihrer eigenen Selbstgefälligkeit herauf beschworen. Und ich glaube zudem, dass Elke H. noch nicht mal eine volle Ahnung davon hat, wie sehr sie sich selbst geschadet hat. Dafür mangelt es an notwendiger Distanz zu sich selbst.

    tom
    04.01.2009, 23:12 Uhr, #
  7. Ich denke man sollte dabei auch beachten wie aufmerksam die beiden Medien betrachtet werden. So kommt es beim Fernsehen immer zu einem unbewussten und auch “nebenbei” schauen oder sogar hinhören. Bei den Internet Formaten geht der Zuschauer aktiv auf die Seite und wählt auch ganz aktiv und von selbst die aktuellen Folgen. Man sollte also sehen welche Relevanz die Zahlen im TV gegenüber dem im Netz haben. Ich denke beide sind nicht wirklich zu vergleichen.

    Bjørn
    06.01.2009, 09:12 Uhr, #
  8. Bei den Abrufzahlen im Internet muss man darüber hinaus noch berücksichtigen, dass Lesen! nicht einmal über das Sevenload Portal zu finden ist (geschweige denn bei YouTube oder iTunes). Sevenload ist nur der technische Dienstleister (deshalb ist das Logo zu sehen). Aber das Format auch bei Sevenload zu listen (Kategorie Kultur) und somit einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, haben die Lit.Colony Betreiber unverständlicherweise verboten.
    Siehe zu diesem Vorgang und der seltsamen Strategie von Lit.Colony auch meinen Blogeintrag vom 1.12.:
    http://medialdigital.wordpress.com/2008/12/01/heidenreichs-web-tv-verschenkt-reichweite/

    Ulrike Langer
    09.01.2009, 09:41 Uhr, #

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Autor Thomas Gigold

Datum 04.01.2009, 13:23

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