Wenn ich will, dass jemand umfassende Datenprofile von mir anlegt, kann ich schließlich auch Google nutzen. Oder im Usenet schreiben. Oder, oder, oder …
Ok, nochmal von vorn: Was klingt, wie die übliche Datenschutzparanoia, ist eigentlich nur nochmal ein kurzer Hinweis auf die inzwischen auch in deutsprachigen Blogs aufkommenden Gravatar-Seuche. Ich weiß, ich wiederhole mich …
Avatare, den Begriff kennen sicher ein einige, sind virtuelle Platzhalter in Onlineplattformen:
Der Begriff Avatar (von Sanskrit Avatara, „Herabkunft“) bezeichnet
- aus dem Hinduismus: die körperliche Manifestation eines unsterblichen Wesens, z.B. einer Gottheit, z.B. in Menschengestalt, auf der Erde. Siehe Avatara – im engeren Sinn meist bezogen auf eine der 10 Inkarnationen des Gottes Vishnu
- eine künstliche Person oder den virtuellen Stellvertreter einer Person in der virtuellen Realität, siehe Avatar (Internet). Ein Beispiel sind kleine Bilder, die man in einem Internetforum auswählen kann und die dann bei allen Beiträgen in der Nähe des Benutzernamens eingeblendet werden
… gestaltet nach den Wünschen ihrer real-irdischen User am Rechner daheim.
Im Internet ist es ja schließlich egal, ob man ein Hund ist. Besser noch: Jeder Hund/spießige Finanzbuchhalter kann im Netz ein Superheld werden (peinliche Kampagne von Microsoft, übrigens).
Grundsätzliches Problem bei Avataren: Bisher war es so, dass man sein Bildchen in jedem Webforum einzeln hochladen, bzw., bei Nichtmehrgefallen, ändern musste. Alternative: Man verlinkte ein Bild/seinen Avatar irgendwo auf einem externen Webspace. Zum Beispiel der eigenen Homepage.
Letzteres funktioniert, solange das Bild dort abrufbar ist. Webforen mit dutzenden fehlenden Avatar-/Signatur-Bildern zeigen, warum die Idee verbesserungsfähig ist.
Für Werbetreibende und Ermittlungsbehörden sind ausgelagerte Avatare natürlich auch eine prima Methode zu schauen (Stichwort “Web-Bug“), wer sich mit welchen Themen im Netz beschäftigt.
Schließlich wird bei jedem Aufruf eines Threads/Blogeintrags, in dem ein solches externes Bild abgelegt ist, die IP des lesenden Nutzers in das Logfile des externen Servers geschrieben. In manchen Foren ist es daher nicht mehr möglich, Bilder von fremdem Wespace einzubinden (Primär wohl, weil “geklaute” Bildchen regelmäßig Stress für einen Forenbetreiber bedeuten: Urheberrechtsproblematik & “Traffikklau“).
Der Service Gravatar.com hat dieses System nun perfektioniert. Als User/Diskussionsteilnehmer legt man sein Avatar-Bildchen einfach einmalig auf dem Gravatar-Server ab. Das kostet nichts und erscheint zunächst als toller Service. Referenziert wird der eigene Gravatar über die Angabe einer eMail-Adresse. Nein, Gravatar.com betont, selber nicht zu Spammen und auch keine Adressen zu verkaufen. Das glaube ich sogar.
Ist aber nicht der Punkt. Blog-/Forensysteme mit Gravatar-Unterstützung schauen bei jedem Aufruf einer Webseite, ob es für eine bei einem Beitrag/Kommentar eingegebene Emailadresse einen Gravatar gibt. Gibt es einen, wird das zugehörige Bild vom Gravatar.com-Server eingebunden …
[img src="http://www.gravatar.com/avatar.php?gravatar_id=46b [...]
… und dort natürlich ein Eintrag ins Logfile geschrieben. Dito bei jedem weiteren Aufruf der Seite. Leichter kann man kaum noch Daten sammeln. Wer, wo, was, mit wem, … Das Netz wird ein Datendorf, eine entsprechende Analyse der Logfiles macht es möglicht. Zumindest für die Inhaber von Gravatar.com.
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Kommentare
Danke für den aufschlußreichen Artikel! Anfangs etwas unscharf, aber gen Ende wurde sogar mir in diesem Zustand jetzt alles verschärft klar.
Hab mich gestern dummerweise impulsiv beim Gravatar angemeldet, obwohl ich als “alter Hase” und “Datenschützer” ja schon Bauchschmerzen hatte. Das da (wer/wo auch immer) meine E-Mail Adresse mit meinem (gr)avatar in Verbindung bringt.
Jedenfalls wird mein Account dann jetzt sofort gelöscht. Hat halt nicht nur mit Kinderfallen, sondern auch mit Angeduseltenfallen zu tun.. :)
In diesem Sinne! Danke und Tschüs! :)
K. (TAFKAP not being Kafka)
08.12.2007, 02:27 Uhr, #
Viel besser fände ich ein Plugin bzw. eine Erweiterung für das Benutzerprofil, womit jeder registrierte User die Möglichkeit hat, ein eigenes Bild auf den Webspace des Blogs hochzuladen, welches dann bei den Kommentaren angezeigt wird.
Oder gibt es sowas bereits?
06.02.2008, 15:41 Uhr, #
Ja, gibt es (http://wordpress.org/extend/plugins/user-photo/#post-2673).
06.02.2008, 16:22 Uhr, #
Amen Bruder.
Wenn man nach Gravatar und “privacy” oder “web bug” googlet, findet man kaum Beiträge zu dieser Problematik. Mir hat jemand neulich Gravatar gezeigt, ich war sofort skeptisch und hab mir das näher angesehen und einiges dazu herausgefunden.
Gravatar, OpenID und diese anderen Dinge halte ich für extrem gefährlich.
Schau mal hier:
https://www.weisserth.eu/blog/index.php/2008/03/23/matts-web-bug-or-hey-where-did-my-privacy-go/
26.03.2008, 13:39 Uhr, #
Lieber Glashausbewohner,
die Besucher dieses Blogs rufen zur Zeit ohne es zu wissen ein Script von statcounter.com auf.
Man sieht es nur, wenn man sich den Quelltext dieser Seite anschaut, und ganz nach unten scrollt.
Zitat:” Schließlich wird bei jedem Aufruf eines Threads/Blogeintrags, in dem ein solches externes Bild abgelegt ist, die IP des lesenden Nutzers in das Logfile des externen Servers geschrieben.”
Genau das passiert zur Zeit mit statcounter.com.
Wäre schön, wenn das konsequenterweise von medienrauschen.de entfernt würde.
24.05.2008, 20:00 Uhr, #
ich finde es extrem schade, dass pavatare nach all den jahren immer noch nicht so verbreitet sind (im vergleich zu gravataren).
23.06.2008, 12:42 Uhr, #
Also ehrlich gesagt verstehe ich die paranoiden Gedanken nicht. Wenn ich nicht will, dass mein Gravatar angezeigt wird, dann gebe ich einfach eine andere Mailadresse an.
Wenn ich also nicht will, dass Gravatar ein Profil von mir erstellt, kann ich mich doch wehren.
Hier wird gerade so getan, als ob ich von Gravatar gezwungen würde ab sofort nur noch meine Mailadresse, die bei Gravatar hinterlegt ist, zu nutzen.
Ich bin auch paranoid, aber das halte ich wirklich für harmlos. Gravatar ist dadurch nicht in der Lage, etwa wie Google (wie vom Autor verglichen) Nutzerverhalten über Sucheingaben usw. zu machen, sondern könnte lediglich auswerten, wo ich überall unter Angabe dieser Adresse poste. Na und?
05.03.2010, 22:59 Uhr, #
@ Friedi: Darum geht es doch gar nicht. Gravatar sind Deine Daten (fast) völlig wurscht. Die Idee dahinter ist, auf allen möglichen Seiten seine Antennen zu haben. Ruft jemand die Seite auf, wird zwar Dein Bild von Gravatar Server geholt, aber die IP und die Uhrzeit vom Aufrufer abgespeichert. Und der kann dann verfolgt werden. Wie oft guckt der sich ein Forum an? Welche Foren? Und so weiter. Und der Aufrufer braucht nicht mal bei Gravatar Mitglied zu sein.
Die zu blamenden sind die Sitebetreiber, die Gravatar verwenden. Selbst, wenn man keinen hat, wird ein leeres Bild angezeigt und das eigene Nutzungsverhalten ist geloggt.
Abhilfe bei Firefox: Auf das Gravatar DummyIcon rechtsklicken und “Grafiken von security.gravatar… dauerhaft blocken.” Und Ruhe ists, die zumindest loggen mich nicht mehr!
03.05.2010, 21:19 Uhr, #