Ich will keinen Gravatar!, schrieb Jörg-Olaf vor ein paar Monaten hier beim Medienrauschen:
Wenn ich will, dass jemand umfassende Datenprofile von mir anlegt, kann ich schließlich auch Google nutzen. Oder im Usenet schreiben.
Zum Verständnis: Avatare sind die kleinen Bilder, die vor allem in Weblogs neben dem Kommentar eines Benutzers eingeblendet werden. Dazu wird häufig der Service gravatar.com benutzt, so dass aus einem Avatar ein Gravatar (globally recognized avatar) wird. Das bereitzustellende Bild, das vom Benutzer einmalig auf dem Gravatar-Server abgelegt wird, ist dabei an die eMail-Adresse des Benutzers gekoppelt, und John Does virtuelle Inkarnation auf 80×80 Pixeln erscheint immer genau dann neben seinem Kommentar, wenn er eben diese eMail-Adresse angibt und nicht anonym schreibt.
Das Weblogsystem überprüft bei jedem Aufruf der Seite, ob für die angegebene eMail-Adresse ein Gravatar existiert. Hier setzt die Kritik an: wird das vorhandene Bild vom Server abgerufen, hinterlässt das Weblogsystem notwendigerweise einen Eintrag in den Logfiles des Gravatar-Servers. Dem Gravatar-Betreiber wäre es möglich, aus diesen Daten umfassende Profile zu erstellen: über Nutzer und über Weblogs.
Jeena Paradies, Webdesigner und Wahlschwede, hat nun eine (weitere) Alternative zum Gravatar entwickelt, die eigentlich aus einer ganz anderen Notwendigkeit heraus entstanden ist: der Gravatar-Server glänzte in letzter Zeit durch häufige Abwesenheit, die zum Ärger mancher Blogger jedesmal dazu führte, dass statt bunter Bildchen unschöne Platzhalter die Optik des Kommentarfelds verschandelten. Diese Aussage ist sich seiner Satzstellung bewusst, und um solche Ausfälle zu vermeiden, basiert Jeenas Methode des Pavatars, des Personal Avatars, darauf, dass die Bilder dezentral auf dem Webserver des Benutzers abgelegt werden. Jörg-Olafs geäußerte Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes kommt sie dadurch entgegen: das Erstellen von Nutzerprofilen ist nicht möglich.
Detailierte Informationen zur Technik gibt’s auf der Website des Paradies’, in den Kommentaren dazu und in der bereits niedergeschriebenen Spezifikation. Der nächste Schritt ist die Verbreitung der Methode und der Einsatz von Pavataren in verbreiteten Weblogsystemen, Foren und Gästebüchern. Dazu sind Programmierer gefragt, die in der Lage sind und Interesse daran haben, die nötigen Schnittstellen zu entwickeln. Plugins, wie man sagt.
Genau, dazu sind Programmierer gefragt, die in der Lage sind und Interesse daran haben, die nötigen Schnittstellen zu entwickeln.
Favatar, Gravatar, Pavatar … hoffentlich ist das Alphabet bald durch. Wer braucht sowas?
Die Zeit, die für die Entwicklung solcher oder ähnlicher Plugins verschwendet wird, wäre überall sonst besser angelegt.
Ganz großer Käse. :)
27.10.2005, 13:16 Uhr, #
Interessant!
Ich denke schon länger über den Nutzen eines ähnlichen Projektes nach, das eine globale “about me” Seite ermöglicht.
Gibt es sowas vielleicht schon?
Ich stelle mir da eine Zusammenstellung aller nicknames vor, die man in verschiedenen Communities benutzt, und noch andere Funktionen, die das zu einer Meta-Community machen würden.
27.10.2005, 15:44 Uhr, #
jede eigene Seite ist eine “globale” “about me” Seite, es ist nur die Frage wie man es am ende nennt..about me…blog…webseite…homepage. Einen extraservice? Nochmal alles dasgleiche? Bitte nicht.
28.10.2005, 09:30 Uhr, #
Ich melde mich bei einer community an, und wenn ich will, wird autmatisch der nick auf meiner inter-community “about me” Seite gesammelt + andere community spezifische Daten.
also eine Seite wo steht, wo meine flickr Seite ist, was ich zuletzt bei Wikipedia geändert habe, meine letzten x Beiträge im gesamten Internet, und Antworten darauf + 100 weitere mögliche Dinge.
28.10.2005, 10:59 Uhr, #
@Dirk: Der Vorteil bei gravatar.com liegt halt darin, dass man nur ein zentrales Profil hat/bzw. pflegen muss.
Das ist durchaus ein Fortschritt. Das Problem, wenn jeder sein Profil/seinen Avatar auf seinem eigenen Webspace pflegt, hatte ich ja schon angerissen: Wird nicht gepflegt/irgendwann aufgegeben/die Webserver sind mitunter nicht erreichbar.
@Funbug: Wer sowas braucht? Vielleicht jeder, der nicht nur einen unpersönlichen Nicknamen hinterlassen will. Den Nutzen sehe ich durchaus. Nur noch keine schöne Lösung.
@Weltraumpapst: Das Problem einer “globalen Seite” hatte ich ja schon angerissen. Liegt sie bei einem Dienstleister wie gravatar.com hat man das Problem der Datensammlerei. Liegt sie auf privatem Webspace, sind die Verluste durch nicht gepflegte oder aufgegebene Seiten zumindest unschön.
Was flickr betrifft: Die AGBs von Yahoo sind iirc zumindest grenzwertig.
28.10.2005, 23:51 Uhr, #
Jörg, durch das Cashing wird dem Problem der nicht erreichbarkeit engegengewirkt. Auch wenn ein Server nie wieder erreichbar sein sollte hat das einzlne Weblog eine Kopie des Pavatar bei sich gespeichert und liefert sie von der eigenen Festplatte aus. Eine Implementation kann sich auch merken, dass ein Server nicht erreichbar ist und diesen dann auch nicht mehr, oder nur in ganz langen Abständen, anfragen ob sich das Pavatar verändert hat. Das was du als Problem darstellst ist ja eben schon gelöst worden.
Wenn du ein Pavatar nutzt hast du die möglichkeit auch nur Zentral einmalig auf deinem Server dieses zu hinterlassen und musst nur das eine Bildchen pflegen, sonst nichts.
29.10.2005, 06:34 Uhr, #
jeena: Sorry, das mit dem Caching wusste ich nicht. Ich habe gestern nur schnell Dirks Blogeintrag gelesen und hatte noch keine Zeit mir die Specs näher anzusehen. Mache ich aber noch.
Das Problem der Pflege bezog sich primär auf Forensysteme, wo man sein Profil/seinen Avatar vor Ort ablegt.
29.10.2005, 10:31 Uhr, #
Ist mir grade im Error.log aufgefallen, da habe ich 96 Einträge mit /pavater.png gehabt.
Ich habe mich auch vor einiger Zeit gegen Gravatar ausgespochen. Ich finde pavatar ist genau die richtige Lösung. Der Wiedererkennungswert bei der Kommentarübersicht stellt einen deutlichen Mehrwert dar.
27.01.2008, 10:19 Uhr, #
Das Konzept als Ganzes und auch die Motivation rund um den Datenschutz unterstütze ich.
Es gibt dabei noch ein kleines technisch-philosophisches Problem: Den Eingriff in den URL-Space anderer Leute. Wenn ich einen HTTP-Server betreibe, “gehört mir” der URL-Space. Ich kann jeder URL zuweisen, was ich will.
Durch beschriebene Kaskade und insbesondere den Weg Direct URL (the favicon.ico way) werde ich als nicht-Pavatar-interessierter in meiner Freiheit eingeschränkt.
Einen “allgemein bekannten” Pfad einzusetzen, wenn ich kein explizites “Pavatar-opt-in” realisiert habe, reduziert meine Freiheit.
Die Top-3 “Page not found” Fehler auf meiner Seite? -> robots.txt, favicon.ico und pavatar.png. (So bin ich auf diese Diskussion überhaupt erst aufmerksam geworden)
Ich kann diese Files nicht mehr für etwas anderes verwenden, und ich wurde nicht einmal gefragt. Das war zu Zeiten von robots.txt (1994) noch das beste Mittel um ein reales Problem zu lösen, aber heute sind wir weiter. Die Verbesserungen (HTTP-Header und ) sind sogar in der Pavatar-spec enthalten, aber das “Übel” ist nicht abgeschafft.
Bei Pavatar sehe ich – anders als bei Datenschutz- und Jugendschutz-Statements – keine Notwendigkeit, in den Webspace “aller” einzudringen.
Das Problem ist nicht der pavatar an sich, sondern der ungedämmte “Verbrauch” anderer Leute URLs. Die Spec sagt: “If chosen, there must be a file named “pavatar.png” on the providers server.” – der Haken daran ist: Wenn die ganze Pavatar-Sache mich nicht interessiert, muß ich trotzdem entweder etwas tun (HTTP-Header implementieren, implementieren o.ä.), oder ich kann die URL nicht anders nutzen.
Da könnte ja jeder kommen. Was kommt als nächstes? Ein Impressum an einer Well-known location? Biometrische Daten? Ein crawl-barer Lebenslauf wäre auch interessant, für die ganzen Personalvermittler. PKI-Zertifikate? Man könnte so viele Probleme über well-known locations lösen. Aber man könnte sie alle auch besser lösen. Pavatar macht schon einen Anfang, bringt’s aber nicht konsequent zu Ende.
10.04.2008, 08:06 Uhr, #
“The favicon.ico way” verschwindet in der nächsten Version (lokal habe ich es vor ein paar Wochen schon rausgenommen).
10.04.2008, 19:23 Uhr, #
Hallo Jeena,
DANKE!
Ich wollte heute abend noch einen Kommentar an die angegebene Email-Adresse schreiben. Dafür hat’s heute früh nicht mehr gereicht – und für eine Reflektion über die richtige Reihenfolge auch nicht, sorry.
Viele Grüße,
Josef
10.04.2008, 19:51 Uhr, #