Auch Majo konnte mit seiner Phillipika nicht verhindern, dass Spiegel Online einen Grimme-Award bekommen hat ,) Den “Spezial-Preis” sogar:
Damit, so die Jury, solle ein journalistisch geprägtes Onlineangebot ausgezeichnet werden, “das seit zehn Jahren wesentlich mit dafür gesorgt hat, dass das Internet zu einem respektierten Medium geworden ist”.
(Quelle: Grimme Online Award, SpOn feiert sich selbst.)
Nun denn. Soll ich nun schreiben, dass Internet-Awards, speziell die vom Grimme-Institut, gern auch mal aus politischen Gründen vergeben werden? Oder vielleicht, dass sich die Jury einst, als eines unseres Projekte vorgeschlagen wurde, nicht einmal unsere Seiten angesehen hat?
Oder vielleicht, dass man ja eigentlich gar keinen Online-Preis möchte, bei dem NBC Giga beteiligt ist (Oh, Pixelpark auch. Wusste gar nicht, dass da noch Leben drin ist)?
Oder evtl., dass so ein Online-Award immer auch ein gegenseitiges Geben und Nehmen ist (Moment, das schrieb ich ja vorgestern erst, oder?)? Selbst für das renomierte Grimme-Institut?
Nein, das wäre albern. Eigentlich ist alles gesagt. Untergang der Netzkultur, des Online-Journalismus sowieso. Ausverkauf, Sellout, all die bösen Dinge … Muss ich nicht auch noch machen.
Wobei, ich könnte vielleicht kurz erwähnen, wie der diesjährige Gewinner des “Spezial-Preises” noch im letzten Jahr über den Grimme-Award (Danke für den Hinweis, Desiatox) berichtete:
Was der Internet-Branche in Deutschland aber nach wie vor fehlt ist ein Preis, der das Internet und seine Inhalte als eigenständiges Medium ernst nimmt und “auch journalistische Qualität, kulturelle Ansprüche und gesellschaftliche Relevanz” würdigt. [...]
Denn für diese reiche, Qualitäten bietende Vielfalt steht Grimme Online leider nicht. Dem Grimme Online Award wie dem deutschsprachigen Web ist zu wünschen, dass da irgendwann mal mehr draus wird.
(Quelle: Frank Patalong für Spiegel Online, 23.06.2004)
Sei’s drum. Ich beglückwünsche lieber alle Gewinner. Ganz ehrlich. Besonders die Wikipedia zu ihrem Publikumspreis. Und natürlich das BILDblog. Wir lieben euch!!!! *hüstel*
Gewöhnen werde ich mich an dieses Award-Business allerdings nie.
Sehr lustig übrigens die Begründung bei der WP:
“Der »Wikipedia-Look« – textorientiert, in sich selbst hochgradig verlinkt und an Suchbegriffen ausgerichtet – mag Geschmackssache sein, durch die hohe Akzeptanz und Nutzung des Mediums ist er innerhalb kurzer Zeit jedoch zur vertrauten Optik geraten, ähnlich der von Suchmaschinen und Portalstrukturen.”
Man riecht es förmlich, da hat jemand Netzkultur mit dem ganz großen Löffel gefressen ,)

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Kommentare
Ich fand die folgende Bemerkung in der Urteilsbegründung eigentlich recht süffisant:
01.07.2005, 14:11 Uhr, #
“«Mein Sohn war ganz erstaunt und fand es peinlich, dass ich als Internet-Neuling dafür ausgewählt wurde», sagte Postel. Es gebe im Internet eine Menge nützlicher Dinge. «Ich sehe aber auch Gefahren und bin irritiert, was man da manchmal so sieht, wie etwa pornografische Bilder», so die 51-Jährige. ”
http://www.netzeitung.de/internet/346466.html
01.07.2005, 15:53 Uhr, #
pixelpark lebt nicht nur, die machen sogar wieder kapitalerhöhungen um zu expandieren, sich zu positionieren etc.
ganz, wie in guten alten zeiten… haben alle zuviel geld und irgendeiner muss es ja vernichten. : o)
01.07.2005, 16:28 Uhr, #
Ich kann mich an die Anfänge des Internets erinnern, in dem jede Webseite (selbstgestaltete!?) Awards präsentierte. Was genau da ausgezeichnet wurde weiß ich nicht mal mehr. Es war aber nix wichtiges. Für mich sind auch in heutiger Zeit diese Auszeichnungen Müll. Ok sie kommen weit seltener vor als noch zu Anfang, haben aber immernoch den gleichen Charme.
Wie so oft mag ich es einfach nicht, wenn sich andere für mich eine Meinung bilden wollen. Ich lese das, was ich für gut befinde. Was mir durch andere zugetragen wurde, und ich für gut befinde. Selbst die ca. 200 Blogs/Rss-Feeds die ich abonniert habe, lese ich nur äußerst selektiv. Ist mehr eine Linkliste, als ein Best-Of-My-Web (
02.07.2005, 10:05 Uhr, #
nix für ungut…aber:
http://www.medienrauschen.de/archiv/2004/12/06/medienrauschen-gewinnt-beim-best-of-the-blogs-award/
Es lebe der Opportunismus…warum ist der dw-world award nun ein Preis auf den man stolz ist? Weil man ihn gewonnen hat?
Beim Grimme-Institut werden Onlinepreise aus politischen Gründen gewonnen? Woher hast Du diese brandheiße Information? Ich weiß es: Sie dir aus den Fingern gesaugt, weil es Dein persönlicher Eindruck ist. Über spon als Gewinner kann man trefflich streiten, aber mit plitischen Entscheidungen hat das nu nüscht zu tun.
Ed
02.07.2005, 23:38 Uhr, #
Ed: Da ist kein Opportunismus (Ganz im Gegenteil. Dadurch, dass ich hier die Rampensau gebe, schreibe ich uns wohl eher aus den Awards).
Lies mal zwischen den Zeilen. Natürlich haben wir uns damals über den Award gefreut (Alles andere wäre ja auch albern gewesen).
Intern hatten wir aber alle auf das Bildblog gewettet. Die hatten imo beide Awards verdient. Wir waren damals wirklich überrascht, als das Ergebnis verkündet wurde. Was hätte ich schreiben sollen? “Nein, danke, wir haben den nicht verdient”?
Trotzdem stehen wir (ok, ich spreche mal besser nur für mich) solchen Awards recht kritisch gegenüber.
Dass Netz-Awards immer/oft/nicht selten ein Deal auf Gegenseitigkeit sind, habe ich mir auch nicht aus den Fingern gesaugt.
Gerade bei Grimme Online (!Grimme TV) sieht man es doch recht schön (siehe auch die Diskussion damals auf der Rohrpost-Liste, bzw. den Fake der n0name-Leute), wie auch SpOn-Netzchef Frank Patalong im verlinkten Artikel von 2004 kritisiert (Zu dem Thema habe ich hier noch ein schönes Interview mit Juli, kann ich demnächst mal verlinken. Da gibt es im Moment leider noch ein paar Unstimmigkeiten.).
Oder Lyssa letztes Jahr beim Preisbloggen der Zeit. Ich mein, wir alle lieben Lyssa. Wirklich. Irgendwie zumindest ,) Und einen Award hat sie sich für ihre Geschichten schon lange verdient. Ohne Frage.
Aber den Design-Award? Da sind so Dinge, wo man freudig gratuliert, sich aber dennoch wundern darf, oder?
03.07.2005, 00:43 Uhr, #
Nunja,
der Grimme Online Award hat ja nicht zuletzt aufgrund der Kritik des Herrn Frank P. (und vieler anderer) dieses Jahr den Versuch gewagt, sich vom Grimme-Opa-Fernseh-Preis zu lösen und das Internet mal “für sich” zu betrachten. Und zwar mit der Umstellung von Fernsehbezug auf rein internetspezifische Funktionskategorien.
Von daher finde ich halt die Unterstellug, spon ignoriere seine eigene Kritik und mache nun Eigenwerbung mit einem ehemals von ihnen geschmähten Award etwas billig. Das kann man dann auch umdrehen und sagen: Medienrauschen (das ICH übrigens für den Grimme Online Award vorgeschlagen habe!) findet den Gewinn des BOB geil und kritisiert nun wiederum anhand des Beispiels GOA Awards im Allgemeinen.
Dass die Jury nie 100% ins Schwarze trifft und die Undergroundperle im Netz findet, kann man ihr zwar zum Vorwurf machen; aber daraus Verschwörungstheorien ableiten finde ich doch sehr schade. Seht doch mal ein, dass Lieschen Müller NICHT weiß, dass die BILD täglich Scheiss verzapft; dass nicht jeder weiß, was Wikipedia ist. Klar: Blogger sind viel tiefer im Netz verrankert und nutzen es vielschichtiger, als es ein Award je erfassen kann. Trotzdem finde ich so eine hingeschmierte Pauschalkritik ohne jeden Beleg gerade für einen so von mir geschätzten Blog wie Medienrauschen einfach enttäuschend.
03.07.2005, 05:26 Uhr, #
Ach, ich glaube, wir sind gar nicht so weit auseinander, wie es den Anschein hat.
Mir lag es allerdings fern, etwas hinzuschmieren oder irgendwelche Verschwörungstheorien zu konstruieren. Dass mein kleiner Rant recht pauschal geraten ist, gebe ich hingegen gerne zu.
Das ist ja nicht zuletzt auch dem Medium Blog geschuldet – Oder eben eine von den Vereinfachungen für Lieschen Müller, die nicht so tief im Netz verankert ist ,)
Wenn nun aber die “Neuausrichtung” darin besteht, statt etablierter ÖR-Angebote eben etablierte Onlineangebote zu prämieren – oder, um es nochmal zu überzeichnen – sich mit den üblichen Verdächtigen der Klickhitlisten zu schmücken, darf man das wohl launisch thematisieren.
Ganz persönlich wäre es mir tatsächlich lieber, wenn Grimme und Co. ihr Renommee nutzen, um innovative “Undergroundperlen” zu pushen (Und so sehr ich beide Schätze: Bildblog und Wikipedia sind kein “Underground” mehr).
Aber das wird wohl ein frommer Wunsch bleiben (He, ich bin Realist). Womit wir wieder im schnöden Alltag des Awards-Business wären, wo sich SpOn und Medienrauschen artig für Awards bedanken (Danke für die Nominierung btw.). Ganz ohne Verschwörungstheorien.
Dass die Auszeichnungen für das Bildblog und die Wikipedia vollkommen in Ordnung gehen, muss ich sicher nicht nochmal betonen, oder? Um die beiden ging es mir auch gar nicht.
Nachtrag: Und nun bitte weiter bei Majo und Hal Faber, zwei weiteren Verschwörungstheoretikern ,)
03.07.2005, 19:57 Uhr, #