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Gott sei Dank: Matussek schmeißt hin. Ein Nachruf.

Matthias Matussek, Spiegel-Redakteur, Ressortleiter Kultur und denkbar schlimmstes Journalisten-Bloggerimitat von der Brandstwiete, will offenbar endlich aufhören.

Matussek will aufhören. Aufhören, uns mit seiner aufgesetzten Nonchalance in seinem Videoblog auf Spiegel-Online zu belästigen.

matussek.gif

Tom Schimmeck, taz-Gründer und ehemaliger Spiegel-Redakteur, zitierte einst einen Kollegen – zur Einsetzung Matusseks als Ressortleiter – mit den Worten: “Wir haben ein neues Rekrutierungsprinzp für Ressortleiter: ‘Das größte Arschloch wirds.’ “. Und auch sonst hat sich Matussek in der Öffentlichkeit nicht nur Freunde erworben. So macht er aus seiner Haltung zum Geschlechterverhältnis und zu seinem weinerlichen deutschen Patriotismus keinen Hehl. Nun ja, man sagt ja nicht von ungefähr “De gustibus non est disputandum” (Über Geschmack lässt sich nicht streiten), und das gilt wohl auch für Matusseks unnachahmliche Herablassung und aufdringlich oberflächliche Bildungshuberei, mit der er in seinen wöchentlichen Internetvideobeiträgen, von ihm auch zärtlich “Blogs” genannt, den angeekelten Betrachter mit seinen “Kulturtipps” belästigte. Diese “Kulturtipps” waren einfach schlecht abgelesene Feuilleton-Petitessen über “wunderbare Liebesgeschichten”, kurz “Lesbensex” genannt, über Sloterdijks Sauerbraten-Probleme oder das Gefühl Richard Geres, Richard Gere zu sein.

Das allerschlimmste aber war – und ist – Matusseks Hemdausschnitt. Genau! Bedeutendere Informationen waren diesen öden Propagandavideos nicht wirklich zu entnehmen. Denn als wollte der deutlich älter wirkende Mittfünfziger von seiner “frech zerwuschelten” Frisur und seinen augenzwinkernden Hosenträgern ablenken wollen, hat sich der Hemdausschnitt über die Monate seiner wöchentlichen – na, nennen wir es mal – “Kolumne” erschreckend vergrößert und einen ungehinderten Blick auf sein ledernes Dekolleté und seinen faltigen Hals freigelegt.

Es war schier unmöglich, sich dieser peinlichen, öffentlichen Selbstdekonstruktion zu entziehen. Trösten konnte man sich lediglich mit dem geschmackssicheren Urteil des größten Teils der Spiegel-Online Leser, die nach einem Matussek-Kulturtipp noch die Kraft aufbrachten, sich ihre Erschütterung im Spiegel-Forum von der Seele zu schreiben:

“Mattusseck und Kultur: Zwei Welten prallen aufeinander.
Hier werden Fragen unbeantwortet, die die Kulturszene (what ever that may be) aus gutem Grund noch nie bewegt haben.”

schreibt da “Pablo alto” am 24.04.2007. Und “kiu77″ meint (ebenfalls am 24.4.) zu einer Folge mit dem Titel “Matussek erzählt einen Witz…”:

“.. da stellt sich mir die Fragen von erzählen oder sein. Jede Zeitschrift hat wohl den Kulturchef, den sie verdient ;-)”

“Kleine Schwester” bemerkt dann abschließend und zusammenfassend am 16.07.2007:

“Seit ich mich über den ersten Matussekschen Clip kaputt gelacht habe frage ich mich, was eigentlich das Geheimnis der miesen Qualität ist. Ist es das dämonisch ekelhaft selbstgefällige Lachen gleich zu Beginn? Sind es die uninspirierten quasi-professionellen Filler? (Warum? Schon allein wenn man diesen ganzen Schnickschnack wegließe wäre ein großer Teil der obligatorischen Lächerlichkeit behoben.) Ist es der für mich unauffindbare Humor?Als ich den Grund für das miese Gefühl der Traurigkeit näher erforschen wollte ist mir aufgefallen, dass Matussek einfach über nichts Interessantes berichtet.”

Nun also will Matussek offenbar aufhören. Wie schön! Doch leider nicht als Spiegel-Redakteur, nur als “Blogger”. Läuft vor der Kamera durch ein verregnetes Hamburg, lässt sich von ein paar bestochenen Groupies bejubeln und anbetteln doch nicht aufzuhören und Rüdiger Safranski ein “Deutschland braucht Sie” in die Fischaugen-Kamera lispeln. Hach ja. Und da werden sie ihm wohl wieder feucht geworden sein, seine listigen Äuglein. So wie damals, als er der Freund des beliebten BILD-Kolumnisten Franz-Josef Wagner wurde, “im Stadion” schrieb Wagner “die Nationalhymne wurde gespielt. Als seine Augen feucht wurden, wurde ich sein Freund. Ich finde es großartig, wenn einem bei der Nationalhymne die Tränen kommen.“

Nun ja, man kann sich seine Freunde genauso wenig aussuchen, wie eben seinen Geschmack. Wir vergießen jedenfalls Tränen der Rührung darüber, dass Matthias Matussek doch noch ein interessanter und berichtenswerter Gedanke gekommen ist. Das Trocknen unserer Tränen ließe sich übrigens beschleunigen, wenn sich Spiegel-”Reporter” Henryk M. Broder auch mit solch vernünftigen Gedanken tragen würde. Sprechen sie doch mal mit Broder, mh, Herr Matussek?! Sie verstehen sich doch sicher mit ihm ebenso blendend wie mit seinem Äquivalent aus dem Axel-Springer-Haus.

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  1. Bitte ignorieren Sie diesen Hinweis » Würdevoll und Preiswert
    03.10.2007, 07:25 Uhr
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Kommentare

  1. > Es war schier unmöglich, sich dieser peinlichen, öffentlichen Selbstdekonstruktion zu entziehen.

    ganz im Gegenteil: Einfach nicht anklicken. Und a Ruh’ is. Mir hat die Übelkeit vor penetranter Dummheit Übelkeit bereitende Weihnachtsfolge gereicht. Seither habe ich halt einfach den Mausfinger still gehalten, wenn Matusseck ins Browserfenster rutschte.

    Giesbert Damaschke
    03.10.2007, 02:16 Uhr, #
  2. Mich wundert immer wieder, wie arrogant manche auf Dinge oder Personen reagieren, die sie irgendwie nicht mögen. Svens Lustschrei über Matusseks Abschied ist ein Beispiel dafür. Weshalb nicht mehr Toleranz wagen? Täte diesem Schreiber doch ganz gut!

    Günter Bächle
    03.10.2007, 18:25 Uhr, #
  3. Toleranz kommt ja bekanntlich von tolerare (von tolus „Last“), das „ertragen“, „durchstehen“, „aushalten“ oder „erdulden“. Wenn, so hat es mal Gerhard Polt auf den Punkt gebracht, wenn ein Mensch damals, zu Zeiten der Inquisition, stundenlang gefoltert wurde, dann hat der die Folter toleriert, dann war er tolerant. Aber geschrien hat der Tolerierende meist, buchstäblich wie am Spieß. Genau so geht’s mir mit Matussek auch. Ich bin also extrem tolerant.

    Ungerechte Folter erdulden müssen und sich darüber beschweren können, das muß ja wohl möglich sein.
    Wenn irgendein arroganter dahergelaufener Fuzzi aus meiner Nachbarschaft einfach irgendwie doof ist, dann spare ich mir in der Regel jeden Kommentar zu seinem Verhalten. Es geht mich ja nix an. Wenn sich aber jemand als Person in die Öffentlichkeit stellt, also nicht nur schriftlich seine unerhebliche Meinung verbreitet, sondern sich auch noch extrem selbstgefällig vor eine Kamera setzt, der muß ertragen, dass man das beanstandet und ihm und seinem Arbeitgeber empfiehlt, sich irgendwas was Passenderes zu überlegen. Ich muß mir ja auch anhören, dass ich mit meinen Worten nicht jedes Lesers Zustimmung finde.

    Man kann diese Empfehlung natürlich piano vortragen und stille hoffen, dass man nicht gänzlich ignoriert wird. Oder man kann sich – vorübergehend – dem rezipientenmilieuüblichen Tonfall anpassen.

    Ohne natürlich jeden Sinn für Anstand zu verlieren und sich dazu hinreißen zu lassen, einen Menschen (oder eine Gruppe von Menschen) – und mag er noch so unsympathisch sein – zu demütigen.

    Aber offensichtliche Mißstände unzweideutig zu benennen, das muß doch möglich sein, oder?

    Sven
    03.10.2007, 21:22 Uhr, #
  4. Nein, der Broder soll bleiben – der ist wenigstens witzig, auch wenn man über seine Ansichten (manchmal) streiten kann …

    Thomas L.
    04.10.2007, 21:23 Uhr, #
  5. Ich finde den Verriss auch viel zu übertrieben. Für einen bekennenden Kulturbanausen wie ich es bin, waren (sind) die Beiträge (habe nur 4-5 gesehen) immer ganz unterhaltsam gewesen. Der Videoblog muss ja auch für SPON- und nicht für ZEIT-Leser kompatibel sein.

    Im übrigen: Was ist denn nun? Dienstag 13:00 und noch kein neuer Beitrag online… Der wird sich doch sicher nicht so klammheimlich verabschieden?

    kohli2703
    09.10.2007, 13:09 Uhr, #
  6. Da isser wieder:
    http://www.spiegel.de/videoplayer/0,6298,22557,00.html

    ;-)
    *Die ersten Minuten in denen er als “Bloggerkönig” sinniert sind allerdings großes Kino!*

    medienrauschen, Thomas Gigold
    10.10.2007, 11:02 Uhr, #
  7. mh, hier war er ausnahmsweise mal witzig.

    dass der nicht aufhört war ja abzusehen. der mag sich einfach zu sehr. :o)

    Sven
    10.10.2007, 16:33 Uhr, #
  8. Man, die Performance von dem Typen war so arm, was immer ich mir von Zeit zu Zeit ansah war so unlustig, so geistlos, ich glaube sagen zu können, dass wer immer das als amüsant bezeichnet, nicht mein Freund werden kann. Was ne arme Fritte!
    Eat shit and die

    Herr Naphta
    09.11.2008, 23:29 Uhr, #
  9. Der ganze Text, grade so geschrieben, als wäre es ein Zwingendes, sich den Matussek reinzumachen.
    Wer will, kann ihn sich zu Gemüte führen. Oder ist Matussek ein Muss?
    Muss man “Wir Deutschen” gekauft, gelesen, sich Matusseks Blog angesehen haben?
    Ich denke nicht und bin mir irgendwie sicher, dass hier der ein oder andere dem Matussek, diesem Autor mit seinen Fernsehauftritten, ein bisschen neidig ist.
    Arschloch hin oder her – er kann auf jeden Fall was, das nicht jeder kann.

    Christian Marling
    12.12.2008, 14:40 Uhr, #
  10. also anscheinend haben einige menschen den blick für die anmaßung verloren. matussek ist einfach nicht auszuhalten. die einzige relativierung in dieser sache ließe sich vielleicht noch daraus ableiten, dass mir auch kein anderer “kulturpublizist” einer deutschen zeitung oder zeitschrift einfällt der ertragbar wäre. eigentlich bin ich dafür dass der kulturteil aus jeder zeitung und von jeder internetpräsenz derselben entfernt wird.

    übrigens: irre ich mich oder kriecht matussek sloterdijk ziemlich oft in den arsch? da hat unser fabulierschweinchen wohl einen ziemlich weiten hintereingang.

    razzo
    25.01.2009, 23:22 Uhr, #

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Autor Sven

Datum 02.10.2007, 22:20

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