Dieser Artikel wird heute laufend aktualisiert. Na huch – was war denn da los? Wer in der Nacht von Montag auf Dienstag die deutschen Seiten von Google ansteuerte, erlebte eine böse Überraschung: denn nicht etwa das Suchformular erschien dort, sondern die Statusmeldung eines Internetproviders: Für diese Domain wurden keine Inhalte hinterlegt. Auch google.com war wegen der automatischen Weiterleitung zu den deutschen Seiten nicht erreichbar.
Ein Blick in die Domaindatenbank der Denic zeigte und zeigt jetzt noch einen Domainhändler aus Wiesbaden, der sich auf die Registrierung freier Domains spezialisiert hat, als Eigentümer. Mittlerweile leitet google.de wieder zur Suchmaschine, die Domain gehört Google derzeit aber nicht.
(via tagesschau.de)
Ob Google es versäumt hat, die Domain zu verlängern oder ob andere Umstände zur Registrierung führten, ist bislang unklar. Weder Google-Sprecher Stefan Keuchel noch der derzeitige Besitzer von google.de waren bislang erreichbar. Wir versuchen es weiter.
Update 08.32 Uhr: heise hat’s jetzt auch.
Update 10.04 Uhr: die Whois-Datenbank der Denic gibt mittlerweile wieder Google Inc. als Inhaber der Domain aus.
Update 10.34 Uhr:
Kurzinterview mit Stefan Maicher, Sprecher von Goneo
Gestern Abend zeigte die Domain google.de auf eine Baustellenseite des Providers Goneo. Herr Maicher, was war da los?
Zuerst will ich sagen, dass es keinesfalls so war, dass wir die Domain gegrabbt haben. Leider haben wir viele böse Mails erhalten, die uns sowas vorwerfen. Nach dem, was wir jetzt wissen, war es so, dass vor 10 Tagen ein Kunde bei uns im System die Domain google.de angefragt hat und sich zweimal als Eigentümer bestätigt hat. Daraufhin haben wir bei der Denic die Domain zum KK (Umzug) angemeldet. Die Denic wiederum fragte den Provider an. Dieser hat aber nicht reagiert. Eine zweite Anfrage seitens der Denic beim damaligen Provider blieb ebenso erfolglos. Daraufhin wurde die Domain fünf Tage später automatisch zu uns umgezogen. Das ist ein strittiges Verfahren, das es so auch nur bei .de-Domains gibt.
Ist bekannt, welcher Provider bislang google.de hostete und offenbar nicht reagierte?
Bislang nicht, das wird wohl in den nächsten Tagen aufgeklärt werden. Zwischenzeitlich hatte ja ein dritter Provider aus Wiesbaden die Domain rübergezogen. Das waren also zwei Anträge, die da gelaufen sind.
Gibt es für prominente Domains seitens der Provider keine Blacklist? Hätte Goneo nicht auffallen müssen, welche Domain da versucht wird, umzuziehen?
Sicher gibt es Blacklists. Die Frage ist doch aber: wo fangen wir an und wo hören wir auf. Da ist mueller.de sicher genauso berechtigt wie ebay.de oder google.de. Wenn man anfängt, Blacklisten entsprechend aufzubauen muss man sich fragen, ob das Ergebnis Sinn macht.
Ist Goneo ein Schaden durch diese Aktion entstanden?
Das kann ich noch nicht sagen. Sicherlich taucht unser Name jetzt an verschiedenen Stellen auf. Eine schöne Presse ist das sicher nicht. Wir können das jetzt erstmal nur ausbaden.
Update 11.00 Uhr: Statement der Denic wird in 30 bis 45 Minuten erwartet
Klaus Herzig, Sprecher der Denic eG teilt mit:
Danke für Ihre Geduld, die ich leider noch ein wenig strapazieren muss. Ich denke aber, Sie haben Verständnis dafür, dass wir zunächst mit dem Betroffenen, also Google Inc., die Lage besprechen. Wir gehen davon aus, dass wir Ihnen innerhalb der nächsten 30 bis 45 Minuten eine gemeinsame Stellungnahme zusenden können.
Update 12.26 Uhr: Die offizielle Erklärung via E-Mail zieht sich noch hin. Im Telefongespräch mit Medienrauschen bestätigte Klaus Herzig, Sprecher der Denic aber oben genannten Ablauf. Ob sich aufgrund des prominenten Opfers Google etwas am Verfahren des Domainumzuges ändern wird, konnte Herzig nicht genau sagen. “Es gibt verschiedene Diskussionen innerhalb der Genossenschaft, Modifizierungen am Providerwechselverfahren vorzunehmen. Die bisherige Regelung sollte verhindern, dass ein Provider einem wechselwilligen Kunden den Umzug durch lange Wartezeiten vermiesen kann. Darum galt die Fünf-Tage-Regel. Wenn sich der alte Provider in dieser Frist nicht zum KK-Antrag äußert, gilt er als angenommen.”
Mit Schuldzuweisungen ist Herzig vorsichtig: “Es haben ja zwei Mechanismen versagt. Der neue Provider hätte prüfen müssen, ob tatsächlich Google die Domain umziehen will. Und der abgebende Provider hätte reagieren müssen. Warum beides nicht funktionierte, muss geklärt werden.”
Update 15:08 Uhr: Laut Google Deutschland-Sprecher Stefan Keuchel stimmt man letzte Details zu einem Statement mit den Anwälten ab. Er könne aber schon soviel sagen, dass es für Google wichtig ist, herauszustellen, dass das Unternehmen hier keine Schuld trifft. “Das Wichtigste für uns und unsere Kunden ist, dass Google wieder funktioniert. Alles weitere wird man sehen.” Ob die beiden Domaingrabber zur Verantwortung gezogen werden, konnte Keuchel nicht sagen.
Weiterführende Links:
Chronologie der Ereignisse bei webfundstücke.de
searchengineland.com
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