Die Jusos im niedersächsischen Papenburg mögen es für einen politischen Erfolg in einer “zusehend radikaler werdenden Gesellschaft” halten. Haben sie es mit einer “Anti-Neonazi-Aktion” doch immerhin geschafft, dass das Versandhaus Quelle Bekleidung der Marke “Lonsdale” aus dem Sortiment nimmt.
In einem Brief an die Geschäftsführung hatten sie darauf hingewiesen, dass Lonsdale-Kleidung vorwiegend von Rechtsradikalen getragen wird. “Die Buchstabenkombination NSDA dient dabei als Erkennungszeichen unter Gleichgesinnten”, erklärt Juso-Sprecherin Jane Küwen. (Quelle: Spiegel Online, 20.03.2006)
Ach wirklich? Nun, Anfang der 90er Jahre war das tatsächlich noch der Fall. Seit geraumer Zeit allerdings kämpft die Marke gezielt und durchaus erfolgreich gegen ihr ehemaliges Schmuddelimage.
Dass es auch anders geht, zeigen Firmen wie Lonsdale und Fred Perry. Beide Unternehmen gehörten lange Zeit zu den wichtigsten Kultmarken der rechtsextremen Szene – und wehren sich seit Jahren konsequent gegen diese Vereinnahmung. [...] Beide Firmen sehen bereits deutliche Erfolge ihrer Kampagnen. “Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass auf rechtsextremen Internetseiten dazu aufgerufen wurde, keine Fred Perry-Klamotten mehr zu kaufen”, so Friesenhahn. Lonsdale belegt die Wirkung der Maßnahmen mit Zahlen. “Im Brennpunktgebiet Sachsen ist unser Umsatz seit September 2003 um 75 Prozent eingebrochen”, erklärt Heupts. An der schleppenden Konjunktur habe das jedoch nicht gelegen: “Insgesamt sind unsere Verkaufszahlen stabil”. (Quelle: Tagesschau.de, 29.10.2005)
Dass Lonsdale keine Nazimarke mehr ist, haben inzwischen also auch die Neonazis begriffen. Nur bei den Jusos in Niedersachsen ist es noch nicht angekommen.
Bei Michael Kröger von Spiegel Online allerdings auch nicht, der die Erfolgsmeldung im Kampf gegen Rechts freundlich verbreitet, aber offenbar gar nicht erst auf die Idee gekommen ist, zu recherchieren oder gar das betroffene Unternehmen um eine Stellungnahme zu bitten.
*Nein, ist kein Hobby von mir. Passt aber schön ins Bild. Ach, und dann war da heute noch die Sache mit der XBox 360.
Trackbacks
Kommentare
Ich finde viel erstaunlicher, dass es in Papenburg überhaupt Jusos gibt…
21.03.2006, 08:38 Uhr, #
Dieses Beispiel dokumentiert, wie unglaublich pomadig bisweilen bei Spiegel Online gearbeitet wird. Die Geschichte wird jetzt immer noch auf der Startseite angekündigt und wurde noch um keinen Deut geändert – ganz schwach!
21.03.2006, 11:57 Uhr, #
Lonsdale, und erst Recht Fred Perry, sind eigentlich noch nie Nazi-Marken gewesen, sondern schon immer nur Marke der (eigentlich) unpolitischen Skinhead-Kultur. Insofern macht es nur Sinn, dass sich beide Marken gegen Rechts und für die Vermischung der Kulturen einsetzen – Denn genau das ist eigentlich Ursprung nicht nur von Fred Perry und Lonsdale, sondern auch von “Skinhead” überhaupt.
Übrigens ist Lonsdale auch nicht wegen dem “NSDA” zur Skinhead-Marke geworden, sondern aus ganz anderen Gründen.
Mehr:
http://www.du-sollst-skinheads-nicht-mit-nazis-verwechseln.de/perry.php
21.03.2006, 13:10 Uhr, #
Das mag ja alles schön und gut sein, aber wenn ich – so wie letzte Woche – eine Glatze mit Springerstiefeln und Lonsdale-Jacke sehe, kann Lonsdale noch so oft behaupten, die Rechten kaufen ihre Produkte nicht mehr (was ich an deren Stelle auch tun würde, auch wenn das Gegenteil der Fall ist). Medineberichte hin oder her, dem was ich sehe traue ich am meisten.
21.03.2006, 22:12 Uhr, #
Gero: Ich habe letztens eine Glatze Brot essen sehen. Folglich wäre es nur konsequent Bäckereien zu boykottieren!
21.03.2006, 22:34 Uhr, #
Ich habe sogar von Glatzen gehört, die CD’s hören. Und die Musikindustrie besteht sowieso nur aus Verbrechern…. sofort verbieten… da muss der Staat handeln… SKANDAL!!!
21.03.2006, 23:14 Uhr, #
Dass es durchaus (noch) Rechtsextreme gibt, die Lonsdale tragen, wird wohl kaum jemand bestreiten.
Mit dem doch eher unreflekiertem Aktionismus der Papenburer Jusos (von denen es inzwischen ein relativierendes Statement gibt, das im Laufe des Tages aber auch schon wieder verschlimmbessert wurde) habe ich vor allem 2 Probleme: Zum einen überlässt man eine Marke bzw. Symbole ohne Not Rechtsextremen, zum anderen wird das Engagement einer Firma, die sich aktiv gegen eine Vereinnahmung durch Rechtsextreme wehrt, konterkariert.
Ist aber hier nicht der Punkt.
Medienrauschen ist ein Medienblog. D.h. wir beschäftigen uns u.a. mit Journalismus.
Wenn, wie im vorliegenden Fall, ein Redakteur Grundprinzipien seines Job ignoriert (z.B. sich kurz über die Firma zu informieren, die man runterschreibt), dazu noch mit dem Ergebnis, dass einer dritten Partei daraus Schaden entsteht, ist das ein Thema für dieses Blog. Eigentlich ein Lehrstück, wie man es nicht machen sollte.
21.03.2006, 23:16 Uhr, #
Lonsdale macht anscheinend wirklich viel, um dieses schlechte Image los zu werden. Was ich mich frage ist: Warum funktioniert das nicht?
Es kann wirklich keiner leugnen, dass Lonsdale immer noch einen Sonderstatus bei Jugendlichen hat, die sich der rechten Szene zurechnen und/oder über eine rechtsextreme Gesinnung verfügen.
Sind die Rechten so dumm?
Wenn Lonsdale heute wirklich aktiv gegen Rechtsextremismus eintritt, dann sollte man sich doch freuen, wenn die Rechten diese Marke tragen, denn dann würden sie sich doch wiederum gegen Rechts aussprechen, da sie ja die Firma unterstützen würde. Damit unterstützen sie ja wieder Aktionen gegen Rechts, die Lonsdale initiiert.
Ihr versteht, was ich meine, oder?! ;-)
Wobei ich sagen muss, dass ich Quelle auch ganz gut verstehen kann!
22.03.2006, 00:28 Uhr, #
Zugegen muss ich persönlich jedoch, dass ich von den Bestrebungen von Lonsdale bisher gar nichts mitbekommen habe. Liegt vielleicht auch daran, dass ich mich nicht allzu sehr für sowas interessiere, aber aufgefallen ist mir trotzdem bisher nichts in Richtung Image-Aufbesserung oder dergleichen.
Wie gesagt, gilt jetzt halt für mich, was die Rechten jetzt anziehen, ist mir so gesehen nämlich egal ;) Schade natürlich, wenn ein Unternehmen gar nicht mit einer “fragwürdigen Gruppierung” in Verbindung gebrachten werden möchte, es aber dazu kommt.
22.03.2006, 01:55 Uhr, #
Wäre es vielleicht sinnvoll, nach dem Vorbild des “Bildblog” einen Blog ins Leben zu rufen, der systematisch Fehler von Spiegel-Online korrigiert? Oder gibt es das schon? Wenn ja, wo?
22.03.2006, 10:20 Uhr, #
@Siegfried: Nein, es gibt noch kein Spiegel-Watchblog. Im letzten Jahr gab es einen eher halbherzigen Versuch, der inzwischen eingestellt wurde. Die Kritik an Spiegel Online erfolgt nach meinen Beobachtungen eher sporadisch in verschiedenen Blogs. Mehr dazu findest Du beispielsweise in meinem “journalist”-Artikel “Ungebetene Kritiker”.
22.03.2006, 10:51 Uhr, #
Ich würde die DIchte von Fred Perry und Lonsdale ist beim schwul-lesbischen Straßenfest in Berlin-Schöneberg in der Zwischenzeit höher als in jedem ostdeutschen Provinznest! Gut, was den Phänotyp (Skinheads) angeht, gibt es wohl einige Parallelen zw. Nazis und einer bestimmten Gruppe von Schwulen. Ich meine das jetzt äußerlich!
Trotzdem, vielleicht sollten die Papenburger sich das mal anschauen, so live in Farbe… ;-)
Die hängen da einfach ein bißchen hinterher. In Berlin ist die Sache längst erledigt, wenn man vielleicht von den östlichen Außenbezirken absieht.
22.03.2006, 11:06 Uhr, #
Irgendwie erinnert mich das ganze an die Hakenkreuz-Geschichte hier in Tübingen:
Da wurde ein Student angezeigt und vor Gericht gestellt, weil er einen Button mit einem durchgestrichenen (!) Hakenkreuz bei einer Demo trug.
Die Staatsanwaltschaft meinte, Ausländer könnten nicht differenzieren, ob es für oder wider dem Nationalsozialismus stehen sollte.
Mehr dazu in meinem Blog: http://www.bluejax.net
22.03.2006, 12:18 Uhr, #
@ Thomas
Das hier:
http://netzweltspiegel.blogspot.com/
? Wird doch noch recht häufig aktualisiert.
22.03.2006, 16:24 Uhr, #
Ich hab zwar kein blog, aber bashen will ich auch ;) hier:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,407254,00.html
wird behaupet die “Christen – zwischen fünf und zehn Prozent der Bevölkerung” – leben in Ghettos…
Das CIA Factbook (http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/pk.html) und andere Quellen (wki..) gehen aber eher von 3% aus – für Hindus Christen und alle anderen….
Nur so am Rande
22.03.2006, 16:34 Uhr, #
@Dennis: Danke für den Hinweis, das wusste ich nicht: “Dieses Projekt wird seit Februar 2006 (…) fortgeführt”.
22.03.2006, 17:15 Uhr, #
Traurige Zeiten.
Irgendwelche Typen denunzieren eine Firma ohne vorher mal zu recherchieren.
Ein Versandhaus boykottiert aufgrund von dieser Denunzation ohne eigene Recherche.
Ein bekanntes Wochenmagazin transportiert den Schmonzes ohne Recherche. Obwohl, gut, der Spiegel schafft ja eh gerne mal Fakten selbst …
23.03.2006, 15:28 Uhr, #
die tatsache das das nun nazi klamotten sind stimmt nach meiner erfahrung aber trotzdem….
24.03.2006, 16:46 Uhr, #
na ja, quelle scheint es sich mittlerweile wieder anders überlegt zu haben.
vorsicht; der artikel ist von spon ;-)
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,407803,00.html
24.03.2006, 20:45 Uhr, #
und noch ein artikel zum thema:
http://www.augenauf.net/index.php?whl=11040000&lg=de
25.03.2006, 02:33 Uhr, #
Ja, Glatzen tragen die Marken durchaus noch. Allerdings ist nicht jeder Skinhead gleichzeitig auch rechtsradikal – Lonsdale und Fred Perry sind vor allem im einschlägigen Bereich der Schwulen-Szene sehr beliebt. What you see is not necessarily what you get!
25.03.2006, 09:20 Uhr, #
sorry leute, aber lo-nsdal-e wird nur von nazis (und planlosen) getragen und wenn lonsdale wirklich was dagegen unternehmen wollte, dass würden sie einfach eine jahres-kollekion mit einem eindeutigen logo mittigen bedrucken, dass auch dem letzten nationaldummsel die shirts vergrämt. bis dahin ist die firma einfach nur ein ausstatter für faschos. nen redskin hab ich jedenfalls noch nie mit so´m shirt gesehen.
25.03.2006, 17:46 Uhr, #
na dann bist du mit sicherheit auch aus papenburg.. augen auf beim eierkauf!
schon mal was von corporate identity gehört? nur weil sich boneheads aus mercedes-sternen ne rune basteln den stern abschaffen? traumtänzer!
29.03.2006, 17:04 Uhr, #
gilt auch für die marke: rabauke.
bei ebay hab ich die gefunden.
12.04.2006, 12:19 Uhr, #
Tag
Ich hab zwar keine Ahnung auf welche Quellen Ihr eure komischen Ansichten aufbaut, aber ich kann euch versichern, dass Lonsdale Nichteinmahl von 10% der heutigen Neonazis getragen wird. Die haben nämlich ihre eigene Marke die sich Co-NSDAP-le schimpft. Der Rest der “Neonaziszene” oder besser gesagt, die die gerne dabei wären haben keine Ahnung was sie da eigentlich machen und tragen halt Lonsdale, weil andere Glatzen dies auch tun. So werden “Unpoltische” Skinheads wie ich kopiert.
Übrigens Adidas wird sehr gerne bei Faschos getragen also lieber Finger weg. Nazis fahren auch zum größten Teil VW… böses Naziauto. Fußball gucke fast alle Rassisten sollte verboten werden. Na ja viel Spaß bei der Lösung des Problems Ihr findet bestimmt einen Weg.
Cheers and Oi!
21.05.2006, 14:36 Uhr, #
für diejenigen, die noch nicht die anti-nazi/rassismus-aktionen von lonsdale mitbekommen haben, hier einige von ihnen:
ein schild mit der aufschrift “lonsdale loves all colors”
im quelle-katalog tragen schwarzhäutige modells lonsdale-klamotten
ausstattung von türkischen fussballvereinen in nrw, obwohl lonsdale eher boxsportartikel herstellt!
mfg tashiro
03.11.2006, 14:43 Uhr, #
Ich bin selbst Skinhead und trage Lonsdale.
Abgesehen davon, dass ich vorher linker Punk war, höre ich auch noch Musik die von schwarzen gemacht wird.
Lonsdale ist älter als die NSDAP und jeder der behauptet, das NSDA in Lonsdale soll für die NSDAP stehen, behauptet gleichzeitig, dass Zeitreisen möglich sein müssen.
Wie Doitscher schon sagte, haben die Nazis ihre eigenen Marken und Symbole, die ihr nicht gleich “entlarven” würdet. Consdaple ist da schon ein harter Fall aber wie stehts mit Alpha Industries? Oder mit dem Kürzel 168:1?
Leider stößt man als Skinhead immer wieder mit dem Thema zusammen und dann auch noch bei Zeitungen wie dem Spiegel oder als Lexikon-Eintrag.
Dazu kann ich nur beglückwünschen, dass die Rechten langsam aber sicher in die Metal-Szene wandern.
Dazu sage ich nur: Verbietet Lange Haare und BW-Sachen.
17.12.2006, 12:48 Uhr, #
Eins noch:
Ich hab schonmal Nazis gesehen, die bei H&M Unterwäsche kaufen. Daraus schließe ich H&M unterstützt Rechtes Gedankengut.
17.12.2006, 13:02 Uhr, #