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Der Untergang des Hauses Murdoch
Struktur des deutschen Tageszeitungsmarktes

Die Geschichte des Internets ist eine Geschichte voller Missverständnisse

Fast könnte man meinen, der 1. April dauert dieses Jahr ein paar Tage länger.

Da hätten wir zum Beispiel Christoph Keese, Chefredakteur der “Welt am Sonntag”, der offenbar glaubt, eine Doppelseite seines Blattes wäre im Internet 2 Gigabyte(!) schwer und damit – nun – ein klein wenig unhandlich.

Ok, so steht es bei Peter Turi, daher war ich erst nicht sicher, auf welcher Seite das Verständnisproblem zu suchen ist. Andererseits, eine kurze Passage fehlerfrei aus dem “medium magazin” abzuschreiben, sollte selbst Turi hinbekommen, eigentlich. Kann bitte trotzdem jemand in der April-Ausgabe des “medium magazin” nachschlagen, ich würde gerne sichergehen?

Herr Keese, sie haben doch mit Peter Schink nun einen guten Mann im Haus, der Ihnen das mit den Bienchen und Blümchen erklären kann. Ist gar nicht so schwer, wirklich.

Ich speichere zum Beispiel regelmäßig die Seite aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, auf der meine kleine Kolumne erscheint. Das sind als PDF in der Regel 400 Kilobyte. Selbst wenn Ihr Blatt doppelt so bunt wäre, käme eine Doppelseite also auf weniger als 2 Megabyte.

Das wäre ein bisschen mehr, als auf eine dieser altmodischen “Disketten” oder “Floppys” passt. Es ist aber ziemlich genau 1000x weniger als 2 Gigabyte. Und mal ernsthaft, 2 Megabyte, die flutschen heutzutage nur so durchs Netz. Da hat man kaum die Zeitung aufgeraschelt, schon sind sie da.

***

Leider nur auf den ersten Klick erheiternd ist auch die Idee des Vorsitzenden der Landesanstalt für Medien NRW Norbert Schneider, der allen Ernstes über eine Lizenz für “Bewegtbilder im Internet” nachdenkt. Also quasi einen Führerschein für Youtube und Co. Schneider in der taz (via Lawblog):

Was wir überlegen, ist, ob wir nicht die Pionierphase im Netz, was die Verbreitung von Radio und Fernsehen angeht, für beendet erklären sollten. Ob wir nicht sagen sollen: Macht euch ehrlich und besorgt euch eine Lizenz! Das würde Klarheit bringen.

Ist ja herzallerliebst, wenn Herr Schneider mal so eben die Pionierphase im Netz für beendet erklären will. Problem: Rein rechtlich ist der Mann tatsächlich für die Medienaufsicht in NRW zuständig. Seit einiger Zeit fällt darunter auch die Regulierung des Internets. Nochmal Udo Vetter:

Die Frage ist also anders zu stellen: Wo kommen wir hin, wenn solche Leute wie Schneider über die Inhalte bestimmen? Man braucht ja nur mal abends durchs Kabel zu zappen�

Mehr zum Thema: Bei DWDL und natürlich in der taz.

Trackbacks

  1. Sendelizenzen für Live-Streamings | Medienrauschen, das Medienweblog
    14.07.2008, 11:03 Uhr

Kommentare

  1. Darth Vader & der Papst sind schuld:

    “Eine Wissensdoppelseite in der Welt am Sonntag über Wale, Löwen, Allergien, den Vatikan oder Star Wars bringt es leicht auf ein Datenvolumen von zwei Gigabyte – bei der Zeitung dauert das Laden eine halbe Senkunde: Umblättern, fertig. Machen Sie das mail im Internet, das kann dauern, auch mit DSL. Bequem im Sessel sitzen und blitzschnell zehn große Artikel auf eine angenehm raschelnde Papierfläche laden – das hat doch was.”

    noweblog
    03.04.2007, 23:36 Uhr, #
  2. Diese dummen Lichtschwerter aber auch… *kicher*
    Ad Astra

    Prospero
    04.04.2007, 01:02 Uhr, #
  3. jo … und wie siehts mit bewegt-bildern aus ? Ist da ein Daumenkino auch die bessere Alternative ?!?

    flyinggirl
    __________
    what are you in2?

    flyinggirl
    04.04.2007, 03:15 Uhr, #
  4. Große Sorgen würde ich mir um die Herren Schneider und Schächter nicht machen. Die Pläne sind so absurd unrealistisch und gleichzeitig politisch und juristisch fragwürdig, daß in nicht allzu ferner Zukunft eher das Gegenteil passieren dürfte.

    Ausführlich hier von mir.

    niels | zeineku.de
    04.04.2007, 12:26 Uhr, #
  5. Niels: Schau dir mal die Entwicklung und den Background von Dr. Schneider an. Schneider ist eigentlich ein freundlicher und recht umgänglicher Mensch, mitunter aber von einem missionarischem Eifer beseelt.

    Was das für das Netz bedeutet, sah man schon recht gut beim (damals weit absurder wirkenden) Vorstoß des Düsseldorfer(!) RPs Jürgen Büssow Internetfilter auf Zugangsebene zu schaffen. Der wurde von Schneider und der LfM insbesondere auf der politischen Ebene unterstützt und vorangetrieben. Inzwischen liegt die Verantwortung für die “Netzaufsicht” bei der LfM.

    Jörg-Olaf Schäfers
    04.04.2007, 13:45 Uhr, #
  6. Schon klar, daß einige in NRW da ein bißchen am Rad drehen, aber was soll die “Netzaufsicht” schon groß anstellen, so lange sie sich an geltendes Recht hält?

    Daß Pornographie Minderjährigen in Deutschland nicht zugänglich gemacht und volksverhetzendes Gedankengut gar nicht veröffentlicht werden darf, ist ja weder neu oder überraschend noch geht das auf die Initiative der NRW-Medienaufsicht zurück.

    Das Gerede von Rundfunk-Lizenzen fürs Internet ist aber so absurd, daß es nach meiner Ansicht weder juristisch noch politisch in geltendes Recht umsetzbar ist.

    Selbst dem technik-fernsten Abgeordneten dürfte man aber begreiflich machen können, daß das Unfug ist und notfalls kassiert das BVerfG den Kram wieder.

    Ich sage ja gar nicht, daß man nicht drüber berichten soll, aber habe keine große Angst vor Herrn Schneiders Ideen.

    niels | zeineku.de
    04.04.2007, 15:01 Uhr, #
  7. Niels: Wenn du dir die Diskussionen der letzten Wochen anschaust, geht es bei der Netzregulierung nicht bzw. nicht mehr nur um Pornographie und Nazis. Die brauchte man allenfalls um eine politische Notwendigkeit, juristische Absicherung und technische Umsetzung zu argumentieren.

    Was die “Anbieterlizensierung” betrifft, würde ich im Zweifel nicht auf das BVerfG warten wollen. Einmal, weil bereits die Entwicklung diskussionswürdig ist, zum anderen, weil bis zu einer Entscheidung eine ganz Menge Grundwerte mit Füßen getreten würden.

    Die Fragestellung ist natürlich auch komplexer, als ich oben schreiben wollte und konnte: Wo sind z.B. die Unterschiede zwischen via IP verbreitetem TV (Schneiders Aufhänger), Videojournalismus-Experimenten von Print-/ Onlineredaktionen großer Verlagshäuser (Rückfrage der taz) oder einem erfolgreichen Videopodcaster wie Toni Mahoni oder (ehemals) ZeFrank? In der Reichweite? Wohl kaum.

    jo
    04.04.2007, 19:20 Uhr, #
  8. Keese hat sicher die Unmengen Daten im Kopf gehabt, die QuarkExpress im Produktionsmodus braucht, um die Doppelseite anzuzeigen. Und wieso verteidigt der so das Papier? Ich dachte, der ist auch Chefredakteur von Welt Onlne?

    Zu Herrn Schneider: Ich kenne ihn nicht. Aber seit heute mag ich ihn nicht.

    Daniel Große
    04.04.2007, 22:41 Uhr, #
  9. haha streber

    deinemutter
    07.12.2009, 10:06 Uhr, #

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Autor Jörg-Olaf Schäfers

Datum 03.04.2007, 21:31

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