Als Projektverantwortlicher für die ‘Readers Editon‘ der Netzeitung hat Peter Schink in diesen Tagen viel zu tun, schließlich soll das ‘Citizen Journalism’-Projekt noch vor dem Anpfiff der Fussball-WM starten.
Trotzdem hat er sich ein paar Minuten Zeit genommen und stand medienrauschen für ein exklusives Interview zur Verfügung:
Du bist für das Projekt ‘Readers Edition’ der Netzeitung verantwortlich. Beschreibe das Projekt einmal kurz mit eigenen Worten. Was wird die ‘Readers Editon’?
Die Readers Edition soll eine Plattform für “Citizen Journalism” werden. Heißt, jeder soll schreiben können, so dass eine Zeitung entsteht, die von vielen für Viele geschrieben wird. Eine kleine Revolution in der deutschen Medienlandschaft…
Aber versuchen NEON, Opinio oder shortnews nicht ähnliches schon? Was für News erwartet Ihre für die Readers Edition?
Der Unterschied besteht schlicht darin, dass wir den Leuten zutrauen ausführliche Artikel zu schreiben. Zum Beispiel bei Shortnews handelt es sich nur um Kurzhinweise, Neon oder Opiono haben auch ein etwas anderes Konzept. Zudem hat in der Readers Edition die Redaktion der Netzeitung nicht das letzte Wort. Wir geben die Kontrolle vollständig ab – an Moderatoren, die aus der Leserschaft kommen.
Ich kann mir vorstellen, dass sowohl zu aktuellen Nachrichten von den Nutzenr Artikel geschrieben werden, die eine ganze eigene Sichtweise liefern. Dann wird es bestimmt viele lokale Themen geben. Auch Film- und Musikrezensionen werden bestimmt viel geschrieben. Am Ende aber wird es wohl viele Themen geben, an die wir so erst mal gar nicht denken. Wir wollen da auch relativ offen rangehen.
Das bedeutet Ihr stellt die Plattform und wartet ab was passiert? Wie wird die Kontrolle aussehen? Wird es rekrutierte Community-”Aufseher” geben?
Klar, Blockwarte. Nein, ernsthaft: Wir geben nur den Rahmen vor – und auch der ist veränderbar. Es gibt zum Start sechs Ressorts, die man aber auf acht bis neun ausbauen könnte. Gesteuert wird das von den Leuten selbst – und natürlich auch von den Moderatoren. Die werden am Anfang zwar von mir ausgewählt, auf Dauer weden wir die Kontrolle darüber, wer Moderator wird, aber auch nach draußen geben. Wichtig ist nur, dass wir nicht irgendwann versehentlich Trolle zu Moderatoren machen.
Das bedeutet es wird eine demokratische “Nachrichteninsel”? Was versprecht Ihr Euch von dem Projekt? Wie sieht das ‘Return of Investment’ aus?
Demokratisch auf jeden Fall, ja. Ich bin sehr gespannt, was letztendlich für Texte und Themen kommen. Was das Geld angeht: Ja, es wird Sponsoren geben. Wie das konkret aussieht, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall darf nicht der Eindruck entstehen, die Netzeitung würde sich daran bereichern, dass Leute kostenlos Artikel schreiben.
Das bedeutet, die Texte der ‘Readers edition’ werden irgendwann zwar zwischen Bannern stehen, nicht aber bei Netzeitung.de oder auf N24.de?
Nein. Umgekehrt. Die Überschriften der Texte werden auch bei der Netzeitung stehen. Besonders gute Texte werden wir vielleicht auch in die Netzeitung heben und entlohnen, der genaue Modus dafür steht aber noch nicht fest. Und in der Readers Edition wird es dann Hinweise der Sponsoren geben.
OK. Ich bin gespannt auf das Projekt! Habt Ihr Vorgaben was den Erfolg der Plattform anbelangt?
Vorgaben? Nein, wir sehen einfach, was passiert. So ein Projekt kann man schlecht vorausplanen. Ich persönlich hoffe, dass wir es innerhalb der ersten Wochen schaffen, etwa 20 Artikel am Tag zu veröffentlichen. Das wäre ein großartiger Anfang.
Wann startet Ihr? In den letzten Tagen hieß es “Ende Mai”, gibt es einen konkreten Termin?
Es gibt nur einen Termin, und der heißt Fußball-WM. Das Großereignis wollen wir natürlich nicht verpassen. Heißt, wir startne auf jeden Fall noch vor dem 09.06. Mehr wird nicht verraten.
Dann üben wir uns in Geduld.
Ich wünsche Euch auf jeden Fall viel Glück mit dem Projekt und bin gespannt, wie mitteilungsfreudig der Deutsche als ‘Bürgerjournalist’ ist! Vielen Danke für das Gespräch.
Auch dankesehr. Ich bleibe auch gespannt.

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Kommentare
Da scheinen aber ein paar Hausaufgaben noch nicht gemacht zu sein …
e.g. wie sieht die Citizen-Journal-Selbstverpflichtung aus?
e.g. wie sieht die Issue-planung aus?
e.g. wer macht Schlussredaktion?
e.g. wer ist Ombudsman /-Gremium?
e.g. wer sichert einen fairen Wettbewerb zwischen Netzeitung, Readersedition-festen und Readersedition-freien
e.g. welche Qualifizierungsangebote gibt es
e.g. wie sind Urheber- und Verwertungsrechte und Ertragssharing austariert?
24.05.2006, 17:49 Uhr, #
Das Konzept des Bürger-Journalismus ist sehr spannend. Wikinews ist zwar nicht das Maß aller Dinge, aber daran sollten sich solche Projekte messen lassen.
24.05.2006, 19:20 Uhr, #
Die wirklich interessante Frage habt ihr leider nicht gestellt – wie verhindert man, dass so eine Plattform nicht von irgendwem “gekapert” wird und dann für Propaganda benutzt wird. In Foren kann man das auch schon sehen – erst nerven einige politische Spinner lautstark und vertreiben so die normalen User und dann haben sie praktisch das ganze Forum für sich alleine. Bei diesem Netzeitungsprojekt wäre es aber fatal, wenn irgendeine politische Richtung es sich aneignen könnte.
26.05.2006, 09:35 Uhr, #
@ Hugo E Martin :
“Wie sind Urheber- und Verwertungsrechte und Ertragssharing austariert?”
Der Autor wird sein Urheberpersönlichkeitsrecht haben, die Verwertungsrechte werden bei der NZ liegen.
@ Nur mein Standpunkt:
“Auf jeden Fall darf nicht der Eindruck entstehen, die Netzeitung würde sich daran bereichern, dass Leute kostenlos Artikel schreiben.”
Dieser Eindruck ist bei mir bereits entstanden. Denn: Was sollte das Ganze denn bitte sonst? Wäre es anders, stünde doch bestimmt inzwischen eine klare Ansage hier. Oder?
@ geheim:
Du hast vollkommen recht. Die Abwehr von Trollen könnte so aufwendig werden, dass sich das Projekt nicht lohnt für die NZ..
27.05.2006, 17:10 Uhr, #