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Vom Erlebnis “Radio” in Sachsen und Sachsen-Anhalt

Radio in Deutschland macht Spaß. Überall dudelt der gleiche Mix aus 80er, 90er und “der besten von heute”-Musik, überall wird morgens auf witzig gemacht und überall gibt es Gewinnspiele. Manchmal sogar die gleichen.

In Leipzig ist es, wie in vielen “Grenzorten” Deutschlands. Hier in der Großstadt konkurrieren nicht nur die landeseigenen, sächsischen Radiosender um die Leipziger Ohren, sondern auch die Wellen des angrenzenden Sachsen-Anhalt. Und so kommt es, dass das Nachverfolgen der deutschen Radiolandschaft dank der großen privaten Sender PSR, Energy Sachsen, R.SA und SAW nicht weiter schwer fällt.

Eine Besonderheit bei den genannten Sendern ist dabei ihre nur öffentliche, nicht aber innere Konkurrenz zueinander. So sind die Sender PSR, R.SA und Energy Sachsen über den regionalen, von PSR gegründeten, Vermarkter mir.) marketing im radio verbunden, der sich bei allen drei Sendern um die Vermarktung der Werbezeiten, ihre Internet-Auftritte und Event-Veranstaltungen kümmert. Konkurrenz gibt es im Geschäft so kaum, vielmehr ein gütliches Miteinander.

Das nicht das Diktat der Werbeverkäufer, sondern das der Werbenden zur Monotonie der Musikauswahl führt, weshalb man überall das Beste der 80er, 90er und von heute hört, ist dabei natürlich nicht nur ein Phänomen in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Selbst wenn man an einem der Autobahnkreuze die Süd-Nord-Achse verläßt und tapfer Richtung Westen fährt muss man sich nicht an andere Hits gewöhnen. Überall das “Beste der letzten drei Jahrzehnte”, überall gleich klingende Moderatoren. Überall Gewinnspiele.

Und beim Thema Gewinnspiel wird es witzig, sobald man zwei Sender hört. Zum Beispiel Radio PSR und Radio SAW. Da kann es passieren, dass das aktuellste Gewinnspiel bei Radio PSR – bei dem regelmäßig Zahlen angesagt werden die mit dem eigenen Geburtsdatum der willigen Mitmachgeiseln an den Empfangsgeräten überein stimmen sollten um einen hohen Gewinn zu erzielen -, doch sehr identisch zu dem klingt, was Radio SAW vor einiger Zeit veranstaltete.
Denn die “Geburtstags-Geld-Garantie” gab es vor drei Monaten bereits im Nachbar-Sendegebiet. Gleiches Spieleprinzip, gleiche Summen, gleicher Gewinnspielname.
Und jede Wette: Auch wenn Radio SAW 1997 so innovativ war und als erster deutscher Sender den Live Stream eines Radioprogramms ins Internet schickte, aber dieses Gewinnspiel ist auch nicht auf den Brainstorming-Bäumen der Magdeburger gewachsen (die spielen derzeit natürlich wieder ein neues Spiel: Das 100.000 Euro-ABC).

Möglich wird die Homologie der Sendeanstalten übrigens nicht, weil deutsche Hörer zwischen ihren Ohren kein Anspruchsdenken an Musik mehr haben, sondern weil neben purer Einfallslosigkeit in den Sender-Redaktionen im Hintergrund so manch kleine, feine “strategische Allianz” sitzt, die Radio zu einem Markenbrei verkommen läßt.

Im Fall von Radio PSR, SAW*, RS.A und einer Handvoll Werbevermarktern hört diese strategische Allianz in Form einer gewinnorientierten GmbH auf den Namen Regiocast.
Das Unternehmen hat Voll- oder Minderheiten-Beteiligungen an so ziemlich jedem gewichtigen Radiosender in den neuen Ländern und kümmert sich um die Hörliebe der Landesbewohner. Und als guter Onkel der Radioseelsorge weiß Regiocast natürlich: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Da soll der Pendler im Osten Deutschlands sich bitte auf die vielen blühenden Landschaften und die schicken mit Windrädern geschmückten Autobahnen konzentrieren. Nicht auf unterschiedliches Radioprogramm.

* Regiocast wurde 2004 durch Fusion gegründet, neben dem Axel Springer Verlag sind über 40 Einzelpersonen am Unternehmen beteiligt, während Regiocast an den Sendern R.SA, RSH und PSR mit 100% beteiligt ist. An SAW hält Regiocast lt. KEK 293 vom 10.01.2006 13,5 Prozent.

Trackbacks

  1. links for 2008-10-28 « Nur mein Standpunkt
    28.10.2008, 13:02 Uhr

Kommentare

  1. Viel Text. Das gleiche Gewinnspiel gab es schon, da lebte ich noch in Deutschland. Und das ist nun schon einige Jahre her.

    Patrick
    27.10.2008, 12:09 Uhr, #
  2. Viel seltsamer finde ich das Phänomen, dass auch vermeintliche Call-In-Formate auf “verschiedenen” Sendern auftauchen. Wie zB. Treuetest, oder neulicher ein Format, in dem Zuschauer anrufen und falsch verstandene Songstellen nennen sollten. Die “Anrufer” waren auf verschiedenen Sendern gleich, nur die Wortbeiträge des Moderators waren mit dem jeweiligen Lokalclown aufgenommen. Irgendwie seltsam und fast unehrlich, oder?

    Philipp
    27.10.2008, 13:04 Uhr, #
  3. Dieser Artikel ist nicht genug durchdacht. Was soll das sein? Eine Beschreibung der Gegenwart? Wozu?

    Nora Berger
    28.10.2008, 00:57 Uhr, #
  4. Wunderbar, hab den gleichen GEdankengang in letzter Zeit mehrfach gehabt. Und auch wenn mir jetzt vielleicht nicht jeder Zustimmen mag, aber aus genau diesem Grunde liebe ich einfach 1Live. Man mag nicht jeder Zeit diesen Sender hören, aber zumindest ist die Musikauswahl meist recht ordentlich und die Formate des Abendprogramms vollkommen anders.

    Maximilian Schulz
    28.10.2008, 12:15 Uhr, #
  5. Als aus dem Westen zugezogener Neu-Magdeburger und früheres NDR2-Gewohnheitstier muss ich sagen, dass ich heute nur noch den Deutschlandfunk höre. Da kommen wenigstens interessante Features und neue Infos. Nicht nur immer dieselbe Musik wie auf SAW und Konsorten.

    Außerhalb des Autos höre ich allerdings so gut wie gar kein Radio.

    Jan
    28.10.2008, 14:13 Uhr, #
  6. Gibt’s zu den Live-Stream-Einführungen eine Statistik? Ich erinnere mich jedenfalls, daß während meines USA-Aufenthalts 1997 der SWF3-Livestream meine Verbindung zur Heimat war und ich meine nicht, daß das damals sonderlich neu gewesen wäre.

    Ansonsten scheint mir “tapfer Richtung Westen” unglücklich gewählt – immerhin gibt es gerade im Westen mit dem WDR der mit Eins Live und WDR2 gleich zwei hörbare Sender zu bieten hat, die (noch?) nicht gänzlich durchformatiert sind.

    Val
    29.10.2008, 23:17 Uhr, #
  7. Wieso hört man überhaupt noch Rasio im Auto? Weil es einfacher ist als den iPod im Auto anzuschmeissen?

    Heinz
    20.01.2010, 15:17 Uhr, #

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Autor Thomas Gigold

Datum 27.10.2008, 10:41

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