Matthias Matussek, Spiegel-Redakteur, Ressortleiter Kultur und denkbar schlimmstes Journalisten-Bloggerimitat von der Brandstwiete, will offenbar endlich aufhören.
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Gott sei Dank: Matussek schmeißt hin. Ein Nachruf.
You win again
Es gibt mal wieder einen Preis für Blogger zu gewinnen. Nach den “BoBs”, dem “Grimme Online Award” und der “Blogine” ist da nun – tataa! – der „95-Thesen-Preis“.
Hört sich wenig griffig an – und ist es auch. Gewählt werden soll nämlich der beste Blogeintrag des vergangenen Jahres. Es geht also diesmal nicht um ein Blog oder eine Bloggerin, sondern um hervorragende Postings, Kommentare oder Trackbacks.
In regelmäßigen Abständen werfen Blogger einander vor, nebulöse Qualitätsstandards jeweils grandios zu unterbieten. Gleichzeitig stellt sich vor allem von journalistischer Seite die Frage, was unterscheidet eigentlich das Bloggen vom Journalismus. Sind richtig gute Blogeinträge automatisch guter Journalismus, schlechte Blogeinträge „Dreck von unten“?
Um eine Auswahl wegweisender deutschsprachiger Blogeinträge aus dem Verlauf des vergangenen Jahres zu sammeln und zu präsentieren, hat die THÜRINGER BLOGZENTRALE den „95-Thesen-Preis“ ausgelobt.
Jeder Blogger mit einem korrekten Impressum darf je einen Blogeintrag aus dem Zeitraum zwischen 25. Juni 2006 bis 25. Juni 2007 vorschlagen.
Man darf auch eigene Werke küren!
Die Jury besteht also potentiell aus allen deutschen Bloggern. Man kann direkt mitverfolgen, wer vorgeschlagen wurde und sich dem besten Vorschlag ebenfalls anschließen. Aber Achtung: Jeder Blogger hat nur eine Stimme! Der Blogeintrag mit den meisten Nennungen gewinnt den Preis.
Diese Regeln erschienen bisherigen Juroren offenbar zu schwierig. Nur wenige Leser wagten es, einen Vorschlag zu machen und scheiterten kläglich. Manche – besonders einfallslose Gesellen – wähnten sich ungeheuer humorvoll, indem sie den eigenen (kritischen) Hinweis auf die Preisverleihung nominierten und mussten sich immer wieder sagen lassen, dass nur Beiträge vor dem 25.Juni 2007 nominiert werden können.
Werden sich auch die medienrauschen-Leser vor schier unüberwindliche Hürden gestellt sehen? Wir wissen es nicht. Probieren kann man es allemal. Hundert Euro gibt’s zu gewinnen.
FAZ entdeckt noch mehr Gegner des NS-Regimes
Die FAZ gehört mit einigem Recht zu den angesehensten Tageszeitungen der Welt. Hier wird der Leser mit stupender Faktenkenntnis und unnachahmlich zurückhaltendem Stil, in den allermeisten Fällen objektiv, über die wirklich wichtigen Dinge in der Welt informiert. Nur leider steckt hinter der FAZ nicht immer ein kluger Kopf, wie in der bekannten Werbekampagne behauptet wird. So manches Mal sieht sich der vorwiegend geneigte Leser natürlich doch subtiler Parteinahme oder auch offenem Geschichtsrevisionismus ausgesetzt, was gerade angesichts der aktuellen Oettinger-Filbinger-Krise besonders mißtönend klingt.
In der heutigen Ausgabe der FAZ erschien ein Beitrag zu “Görings Fliegerass Mölders” mit einer Mahnung zur “Würdigung seiner Gesamtpersönlichkeit“. Werner Mölders wird hier als ein Mann beschrieben, dessen “großes fliegerisches Geschick [...] ihm 115 Luftsiege eintrug” und der “als ein militärisch wertvoller taktischer Vordenker der Jagdflieger und in seiner Truppe überdies als ein fürsorglicher Vorgesetzter” galt. Mölders stürzte im Jahre 1941 bei Breslau ab und erfuhr in der Bundeswehr eine umfangreiche Würdigung “Ein Schiff der Bundesmarine wurde nach Mölders benannt, eine Kaserne und Anfang der siebziger Jahre auch eine Einheit der Luftwaffe, das Jagdgeschwader 74 in Neuburg an der Donau.”
Die rot-grüne Bundesregierung beendete diesen Spuk und begründete dies, laut FAZ, so:
“[Mölders] habe, so das Schreiben aus dem Hause Struck, an der Schlacht um den Ebrobogen, die wegen der kaum unterscheidbaren Zuordnung von Kombattanten und Zivilbevölkerung sowie den Zehntausenden von Toten allgemein als “Verdun des Spanischen Bürgerkriegs” bezeichnet werde, teilgenommen. Er “war sich der verheerenden Folgen der dabei eingesetzten Luftstreitkräfte durchaus bewusst”
Den nun entstandenen Streit sollte ein Gutachten des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes schlichten, dem der Autor des hier zitierten FAZ-Beitrages vorwirft, mit “zweierlei Maß” zu messen:
“Was zugunsten Mölders’ angeführt wird – Unterstützung des Münsteraner Bischofs Galen, der gegen NS-Unrecht predigte, Hilfe für einen Schulfreund, allgemein Regimeferne wegen katholischer Haltung -, das wird mit Verweis auf die schwierige Quellenlage als ungesichert abgetan. Hinsichtlich seiner Rolle im Spanischen Bürgerkrieg wird hingegen ein Vorwurf gegen Mölders gezimmert, ohne dass ihm selbst Schuld an einer Untat nachgewiesen werden könnte.”
Lobo bei Panzer
Das “ZDF nachtstudio“, eigentlich ein Ort gepflegter Langeweile, hatte gestern ungewöhnlichen Besuch, einen Blogger: Sascha “Adical” Lobo. Und der verstieß natürlich erwartungsgemäß gegen jede ungeschriebene Regel des öffentlichen Kamingesprächs, indem er die Anwesenden PR-Berater fragte, warum sie ihrem Geschäft überhaupt nachgingen, wenn sie es selbst doch nur mit ironischer Distanz betrachten können. Geschwatzt wurde also über “Bullshit und Wahrheit”, PR, Journalismus und Blogs. Und der Sascha präsentierte denn auch die Lehrsätze der “Berliner Schule”, dass man Werbung toll finde, man sei ja selber Werber, und auch nichts gegen PR habe, aber dass Werbung und PR sichtbar von anderen Inhalten zu unterscheiden sein müssen. In regelmäßigen Abständen bewarf Lobo den ebenfalls nicht maulfaulen Klaus Kocks, PR-Berater und arrivierter Widerling, mit Nettigkeiten, die er jedoch leider nicht, wie Kocks arrogant und vor Unkenntnis strotzend, sondern mit Wut im Blick gebar, ja geradezu eruptierte. Das muss er noch üben, der Sascha: Authentizität ohne Angst, Souveränität ohne Arroganz.
Schön der Satz von Kocks zur “Eindringtiefe” Lobos, die Lobo mit der Frage konterte, mit wem er denn speziell gesprochen hätte, um sich Kenntnis über diesen Sachverhalt zu verschaffen. Dem hätte man anschließen können, dass eine solche Äußerung recht gut die “Arbeit” von PR-lern charakterisiere: Windige aber eindrückliche Feststellungen, die nur einen Zweck verfolgen, Spinning.
Heike-Melba Fendel, Filmjournalistin und PR-Beraterin, lümmelte sich grotesk und mit adoleszenten Manierismen, wie Haare eindrehen, Ärmel knibbeln, Unterlippe vorschieben und Augen zusammenkneifen, die ihr wohl die Anmutung einer koketten Femme fatale verschaffen sollten, aber nur den Eindruck einer altklugen Rotzgöre hinterließen, auf dem Sessel, auch wenn sie Klaus Kocks einmal mit sehr deutlichen Worten in die durchaus notwendigen Schranken wies, was sehr hübsch anzusehen war.
Resümierend kann man zu dieser Sendung nicht viel sagen, da der Moderator, sichtlich überfordert, dem Thema und den Gästen nicht gewachsen war und zum Abschluss nur noch ein vorbereitetes Resümee ablesen konnte: “Ich bin auf Sie angewiesen. Aber Sie nicht auf mich. Merken Sie sich das!” (Karl Valentin).
In diesem Sinne, Herr Panzer!
Das Video zur Sendung
PoP! Goes My Heart
Um es vorwegzunehmen; eines ist dieser Film ganz sicher nicht: etwas Besonderes. Und er ist auch nicht „solide gemacht“, zu viele ungenutzte und unerklärte Filmminuten pflastern seinen Weg, nein, er geht eher als ein kleines Fernsehspiel durch. So ein schnuckeliger, anspruchsloser aber streckenweise recht unterhaltsamer Film kann als eine der Ingredienzien für einen prächtigen Abend mit ein paar “Mädels” dienen, plus ermäßigter Kinokarte – weil „Kinotag“ – und Aussicht, den gesparten Euro danach in einen läääckeren Cocktail zu investieren, um dann, einige ungeplante Promille später und drei Kneipen weiter, alle anderen Gäste eines exklusiven Nightclubs durch so plötzliches wie konzertiertes Aufkreischen ohne Vorwarnung, ihrer buchstäblich letzten Sinne zu berauben … aber wir schweifen ab.
Jedenfalls geht man mit einem Grinsen aus dem Kino. Hugh Grant beim ledern werden zuzuschauen ist zwar … mtja … wie soll man sagen, informativ, vor allem was die eigene Vergänglichkeit angeht, aber nicht schön. Das weiß er wohl selbst, und spielt deshalb seit einigen Jahren, ganz unaufdringlich selbstironisch, ehemalige Stars oder deren verkommene Erben. In dem heute in den deutschen Kinos startenden Film “Mitten ins Herz” (engl. Titel: “Music and Lyrics”) gibt er den ehemaligen Partner, eines in den 80ger Jahren außerordentlich erfolgreichen Gesangsduos – man darf davon ausgehen, dass hier die Popgruppe „Wham!“ die Vorlage geliefert hat –
StudiVZ gehackt
Wie sagte Lothar Späth, der Aufsichtratsvorsitzende der Holtzbrinck-Verlagsgruppe zum Kauf des StudiVZ
“Ich finde, Holtzbrinck hat keine richtige Entscheidung getroffen”
Heute wird wieder einmal klar, was er damit gemeint haben könnte:
Berlin, 27.02.2006. Wie die Berliner Studierendenplattform studiVZ heute mitteilte, hat eine bislang unbekannte Person während des heutigen Tages Mailadressen, Zugangsdaten und Freundschaftsverbindungen illegal aus der studiVZ-Datenbank auslesen können. Wie viele Profile davon betroffen sind ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. Read the rest of this entry »
“Blond am Freitag” wird abgesetzt
Die bedeutenste Klatschspalte des deutschen Fernsehens soll eingestellt werden. “Wenn’s am schönsten ist, sollte man
aufhören!” meinte Ralf Morgenstern dazu und hat unrecht. Für diese Entscheidung hat der Verantwortliche den Ehrentitel “Blonder Mann der Woche” verdient, weil, verantwortlich für die Absetzung ist ja wohl sicher ein Mann. Diese Sendung war das Sahnehäubchen auf einem erträglichen Fernsehfreitagabend, war der feuchte Traum eines jeden Barbara-Schöneberger-Fans, war die schiere Genugtuung für Frederic-Prinz-von-Anhalt-Hasser und Das-Dschungelcamp-und-Big-Brother-öde-Finder. Wenn Hella von Sinnen Barbara Schöneberger anhimmelte und auf einen strengen Blick von ihr auch einfach mal die Klappe hielt und Gaby Decker, Kim Fisher und Desireé Nick das freche Lästermaul nicht mehr zu bekamen, dann war das Wochenende gerettet.
Wer soll uns in Zukunft mit den allerneuesten News aus der C-Prominenz versorgen? Wer soll uns Kraft und Trost spenden, angesichts von Paris-Hilton-Mania, Anna-Nicole-Smith-Vätern und Moschee-Söder? Nur dass Susanne Föhlich eine Sendung weniger hat, in der sie ihr markerschütterndes Organ ausführen kann, stimmt ein wenig versöhnlich.
Die letzte Sendung läuft am 30. März.
Hier noch einmal ein kleiner Ausschnitt:
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Ilmenauer Blogger vom Rektor abgemahnt – Stipendium gestoppt, Exmatrikulation angedroht
Der Ilmenauer Student und Blogger Tino S., hat nach eigenen Angaben von dem Rektor der TU Ilmenau eine Abmahnung bekommen, weil er in seinem Blog über die Finanzierung des Studentenrates durch eine mutmaßlich seiner Ansicht nach rechtsradikal engagierte Burschenschaft berichtet und auf verfassungsfeindliche Gesten durch einen Vertreter des Fachschaftsrates WiWi hingewiesen hatte.
In einer Unterlassungsaufforderung schreibt der Rektor der TU Ilmenau:
“ausweislich der mir vorliegenden Informationen haben Sie auf Ihrem Blogger (sic!), welcher mit den Webseiten der Technischen Universität Ilmenau bzw. ihrer Teilkörperschaften verbunden und einem großen Adressatenkreis zugänglich ist (www.spi.tu-ilmenau.de) Inhalte und Informationen verbreitet, die geeignet sind, dem Ansehen der Universtität erheblich zu schaden”
In dem Schreiben wird Tino S. “Störung des Friedens der Universität” vorgeworfen und mit Prüfung auf strafrechtliche Relevanz und Exmatrikulation gedroht, wenn er die beanstandeten Äußerungen nicht bis zum kommenden Mittwoch (28.2.) aus dem Netz nimmt.
Tino S. hat einen offenen Brief an den Rektor verfasst, in dem er ankündigt “nicht zu schweigen“.
Nachtrag I: Laut Thüringer Allgemeine (02.11.06) hat sich der Ilmenauer Universitätsrektor Professor Scharff am Rande eines Vortrages von Bernhard Vogel über die Zukunft der Europäischen Union, im November letzten Jahres, demonstrativ für die Burschenschaft Baltia Gotia eingesetzt und gesagt: “Wir sind stolz auf die Burschenschaft”. Der ehemalige thüringische Ministerpräsident Bernhard Vogel sagte in diesem Zusammenhang: “es gebe keinen Grund für Berührungsängste mit Burschenschaften, die sich an die freiheitlich-demokratische Grundordnung halten.”
Die Baltia Gotia wird, ebenfalls laut TA (21.02.07), vom Thüringer Verfassungschutz nicht als rechtsradikal eingestuft.
Nachtrag II: Jörg Kantel [schockwellenreiter] zum Thema:
“Unabhängig von den erhobenen Anschuldigungen halte ich es für demokratisch mehr als fragwürdig und auch für einen Verstoß gegen Artikel 5 GG, einem Studenten wegen eines Blogeintrages zu exmatrikulieren. Das läßt entweder vermuten, daß der Rektor tatsächlich etwas zu verbergen hat oder daß er ebenfalls eine Nachschulung in Sachen Demokratie benötigt”
Nachtrag III: Tino S. hat sich offenbar für seine “Vorgehensweise [die] geeignet war, eine erhebliche Beschädigung des Ansehens der TU Ilmenau herbeizuführen.” beim Rektor der TU Ilmenau entschuldigt. Er plant nun eine Diplomarbeit zum Thema “Der Mediengebrauch von Weblogs, seine Relevanz als demokratisches Massenmedium und Citizen Journalism”. Zu Vorwürfen, die Abmahnung zu Studienzwecken inszeniert zu haben, hat er sich eindeutig geäußert.

