Was passiert, wenn falsche Informationen, die im Netz gestreut werden, von Medien aufgenommen werden, zeigte eindrucksvoll die Geschichte um den erfundenen Vornamen von Guttenbergs. Was passiert, wenn eine Website gehackt wurde, haben wir gestern gesehen. Wenn beides zusammenkommt, dann ist das eine Aufgabe für die richtig Großen im Onlinegeschäft. Bild.de und RP-Online bewiesen ihre ganze journalistische Sorgfalt – und feuerten Kevin Kuranyi beim Bundesligisten Schalke 04.
Mittwochabend. Irgendwann im Laufe des Abends nutzten Hacker offenbar die Sicherheitslücke in Typo 3 – wie bei Schäuble – und brachen auf der Website des Fußballvereins ein. Dort hinterließen sie einen bemerkenswerten Bericht. Kuranyi soll von all seinen Pflichten entbunden worden sein.
“Nach medienwirksamen und für den Verein untragbaren Äußerungen von Kevin gegen die Mannschaft war eine Freigabe unausweichlich. Seitens der Vereinsführung und engen Vertrauten Kevins wurden alle Bemühungen unternommen um einer Fortsetzung bei Schalke nicht im Wege zu stehen. Alle so gearteten Versuche sind gescheitert. Um die Mannschaft vor einem weiteren Imageverlust zu schützen, und die Stimmung im Verein nicht länger zu belasten, wird Kevin jetzt bedingungslos aus seinem Vertrag entlassen. Über die weiteren Pläne von Kevin und eine Ablöse von einem neuen Verein ist uns noch nichts bekannt.”
And boom! Ein gefundenes Fressen für das schnelle Onlinemedium und für den Qualitätsjournalismus. Copy-Paste, Vorspann dran, Mutmaßungen dazu, Foto aus den Agenturen rein, unter Rühren kurz aufkochen und fertig. “Publish” – wieder was geschafft.
So gibt’s dann einen Riesenwirbel, wo eigentlich gar keiner ist.

Screenshot: rp-online.de
Abgeschrieben hat die Story RP-Online mutmaßlich bei Bild.de. Dort erschien der Rauswurf um 21.15 Uhr:

Screenshot: bild.de
Zugegeben: Beide Geschichten sind mittlerweile nicht mehr in ihrer Ursprungsform vorhanden. RP-Online interpretiert die Meldung mittlerweile als Spekulation um einen Hackerangriff und gibt indirekt zu, bei Bild.de abgekupfert zu haben: “Die “Bild” löschte eine entsprechende Melduntg (“Schalke feuert Kuranyi”) umgehend.“.
Update:
Mittlerweile hat aber auch Bild.de die Meldung korrigiert und berichtet von einem Hackerangriff. Dass Bild.de auf die Falschmeldung reinfiel, interpretieren die Kollegen so: “BILD.de reagierte schnell und berichtete mit Bezug auf die vereinseigene Quelle über Kuranyis vermeintlichen Rauswurf.“. Hier hätte man sich gewünscht, die “vereinseigene Quelle” wäre vor der Veröffentlichung der Falschmeldung auch mal überprüft worden. Auf die paar Minuten kommts dann auch nicht mehr an…
*) Erklärung der Überschrift: Ist auch ne Falschmeldung.



Was daran liegen dürfte, dass er davon singt, was uns längst beschäftigt, wir uns aber nicht trauen, darüber nachzudenken. In “Ketten” beispielsweise verflucht er die Supermärkte, die daran schuld seien, dass es bald “keene juten Sachen mehr” gibt und die Straßen menschenleer sind. Buchläden, Zimmerer, Fleischer – jeder kleene Mann wird in Schutz genommen. Ganz klar, Toni schützt die, die ihm am Herzen liegen. Die kleinen Leute eben.